Wo geht Tell baden?

«Es lächelt der See, er ladet zum Bade» – das singt der Fischerknabe ganz am Anfang von  Schillers «Wilhelm Tell». Gut, der Junge hat gut singen, tuckert er doch im Kahn über den Vierwaldstättersee. Aber wo soll ich jetzt baden? Der Thunersee ist zu weit und die Engstlige zu wild. Es bleiben das Freibad von Frutigen und das von Adelboden… Kurzes Abwägen: Ein 25-Meter-Becken haben beide, ein Beachvolley-Feld auch. Ab diesem Wochenende sind beide Betriebe geöffnet. Und oben wie unten werden die Abende mit diversen kulturellen Angeboten bereichert. Mein geliebtes «Winnetou»-Wasserglacé werde ich wohl ebenfalls in beiden Dörfern lutschen können.

Wo also sind die wässrigen Unterschiede? Wie würde sich Schiller entscheiden? Gut, das Freibad in Frutigen verfügt noch über einen grossen Fussballplatz. Dafür gehört das 1933 gebaute Gruebi-Bad zur Liste der Kulturgüter regionaler/kantonaler Bedeutung. Beim Sportzentrum kann ich hingegen bei Regen auch aufs Hallenbad zurückgreifen. Aber in Adelboden ist andererseits der Eintritt frei (wie es «Freibad» eigentlich ja schon vorwegnimmt – Tell hätte seine helle Freude an diesem Wort). Allerdings wirkt der Friede dort hinten im Lohnerdorf etwas gar abgeschieden. Jedoch könnte man umgekehrt am gut erschlossenen Frutiger Bad wiederum kritisieren, dass es dadurch eben mitten zwischen Bahngleis und Schnellstrasse liegt.

OK – so einfach ist die Entscheidung nicht. Aber das muss sie auch nicht sein. Denn wie meint doch selbst Söldner Friesshardt gegen Ende von Schillers Drama: «Wir haben mit dem See gefochten, Freund, und fürchten uns vor keinem Alpenwasser.»

 

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