Wieder ein Bully auf der Piste?

Über 22000 Aufrufe hat das «Youtube»-Video «Adelboden Second» bereits. Der Zürcher Stammgast Jürg Hostettler drehte es im Stil der verschiedenen Länderbeiträge, die Donald Trumps «America First»-Slogan auf satirische Weise weiterführen. Hostettler zieht in seinem Winterwerk verschiedene augenzwinkernde Vergleiche zur aktuellen US-Politik. So trage Adelboden einen Adler in seiner Flagge – der Greif ist aber auch Wappenvogel der Vereinigten Staaten. Zudem kreise die Schweizer Luftwaffe öfters über der Region. Das eigne sich gut für Eskorten der «Air Force One» – allerdings nur während der Bürozeiten usw.

Der Hobby-Regisseur erklärt in einem Interview der «Jungfrau Zeitung», er habe «ein lustiges Video» schaffen wollen, das «aber auch die Schönheit des Skigebiets zeigt». Nicht alle User finden das indes so lustig. Eine der 20000 ZuschauerInnen kommentiert, sie sei «schockiert, welche Dekadenz in diesem Video zutage kommt». Das knapp dreiminütige Filmchen sei «beschämend und destruktiv». Ich sehe das anders. Von mir aus hätte Hostettler ruhig noch eine Schippe drauflegen können.

Man erinnere sich: Selbst Suzi LeVine, Amerikas langjährige Botschafterin in der Schweiz, fuhr gerne und wiederholt in Adelboden Ski. Sie hat dort sogar einmal einen Pistenbully mit Namen «Snow Force One» getauft. Nach Trumps Wahl ist sie nun aber Ende Januar als Diplomatin zurückgetreten und kritisiert Trumps Einreisepolitik seither offen. In diesem Sinne gefallen mir die politischen Passagen im «Adelboden Second»-Video am besten: Etwa der Kommentar zur Skilift-Schlange: «Wir wissen, wie man Menschen integriert.» Oder der träfe Satz zum Tarifverbund, der ebenso gut auch die neue Tourismus-Organisation TALK AG beschreiben könnte: «Wir bauen keine Mauern, aber verbinden Skiregionen.» Diese Botschaft ist alles andere als destruktiv.

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