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Gegen die beständige Unbeständigkeit

Am Freitag sprossen in Adelboden fleissig die Krokusse, am Sonntag lag das Dorf unter einer Schneeschicht, und heute ist wieder Grün angesagt. «Beständig unbeständig» lautete das Wetter-Motto eines abtretenden Aprils, der 2019 wirklich machte, was er wollte. Und dann macht der Mai witterungstechnisch nochmals alles neu – am Wochenende sollen wieder die Flocken fallen. Wenigstens hat die Engstligenalp da die Lifte noch in Betrieb.

In diesem Wechselbad der Frühlingsgefühle bin ich manchmal froh, gibt es noch unerschütterliche Fixpunkte in der Engstligtaler Landschaft. Und ich rede jetzt nicht vom Tschingellochtighorn oder vom Busfahrplan. Nein, es sind die kleinen Veranstaltungen, die einem in der Adelbodner Agenda mit schöner Regelmässigkeit immer wieder über den Weg laufen und die für Konstanz sorgen. Da ist die Yogastunde, dort das Schwimmen für Frühaufsteher. Da ist das Kinderballett, dort ist das Zmorge in der Bäckerei. Kritische Geister mögen nun monieren, dass solche Angebote gar nicht in einen Eventkalender gehören. Das seien ja keine richtigen Veranstaltungen, sondern nur schnöde Aktivitäten.

Ich aber entgegne: Wenn ein Event darin besteht, zusammen Freude zu erleben, wenn es dabei darum geht, in der Gruppe der Unbeständigkeit der Welt zu trotzen, dann ist das gemeinsame Zmorge allemal ein Event. Dann ist es egal, was April und Mai gerade machen. Dann hat das Leben für kurze Zeit einfach Bestand. En Guete.

Das Hoch ist weiblich

«Annelie» heisst das Hoch, welches das Oberland diese Tage schwitzen lässt. Warum «Annelie»? Weil Hochdruckgebiete in ungeraden Jahren weibliche Namen tragen und Tiefdruckgebiete männliche. «Xenia», «Yoko» und «Zoe» hiessen also die vorhergehenden Hochs 2015, «Bigi», «Clara», «Dietlinde» und «Eva» werden in den nächsten Monaten folgen. Und hoffentlich nicht «Reinhard» oder «Siegfried» – denn so heissen wahrscheinlich die nächsten Tiefdrucklagen.
Und wer ist für diese Namentaufe verantwortlich? Sie. Seit 1954 kann man beim Berliner Institut für Meteorologie nämlich eine Namens-Patenschaft für Wetterlagen beantragen. Zeitungen, Radio- und Fernsehwetterberichte übernehmen dann die ausgewählten Namen. International. Wenn Sie also auf dem Hahnenmoospass die Sommersonne geniessen, könnte es bald schon Ihr Name sein, der dem aktuellen Hoch gehört. Dann können Sie sich quasi an sich selbst sonnen – es sei denn, Sie sind männlich: Dann rate ich Ihnen, sich erst nächstes Jahr zu bewerben. Erst dann gehört das Hoch nämlich wieder Ihnen.