Beiträge

Wohlfahrt im Wald

Schön, haben sich Adelboden, Frutigen, Kandergrund, Kandersteg und Reichenbach in Sachen Schutzwälder gerade zusammengeschlossen. Denn der Forst schützt und nützt nicht nur, er hat gemäss den Gemeinden auch eine Wohlfahrtsfunktion. Wohlfahrtsfunktion des Waldes – schade, dass ich mir darunter recht wenig vorstellen kann. Dass es mir wohl ist, wenn ich durch den Forst fahre, dürfte den Kern Sache eher verfehlen. Oder verteilt da jemand Sozialhilfe unter den Tannen? Wohlfahrtsfunktion – im Waldgesetz steht dazu auch nicht viel mehr. Dort redet der Bund lieber von der «Wiederbestockung von Blössen» (Art. 23), was für mich ehrlich gesagt etwas obszön klingt.

Besser erklärt es die Bundesverfassung von 1999: Dort steht, die Wohlfahrtsfunktion des Waldes meine seine Bedeutung als Erholungsraum für die Menschen. Aha. Das stimmt natürlich. Die Waldluft tut unseren Lungen gut, das Klima ist kühl und feucht, die Atmosphäre wind-, lärm- und sonnengeschützt. Ausserdem hat man hier jede Menge Platz, um sich zu bewegen und zu entspannen.

Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch schliesslich finde ich schliesslich noch einen Absatz, der meine Wohlfahrt im Wald noch viel besser funktionieren lässt: Das freie Betreten des Waldes und das Sammeln von Beeren seien jedem gestattet, heisst es dort. Beereni à la carte? Klingt ganz nach einem Motto für die Sommersaison. Denn Wohlgeschmack gehört sicher auch zur Wohlfahrt.

Viel Holz vor der Hütte

Es spriesst und gedeiht in Kander- und Engstligtal. Nur mal einige Zahlen: Auf 9900 Hektaren ist hier in den letzten Jahren ein Holzvorrat von zirka 3,5 Millionen Kubikmetern herangewachsen. Das ist ein grösseres Volumen als das der Cheops-Pyramide. Und jährlich kommt ein Überschuss von weiteren etwa 40000 Kubikmetern dazu. Das Oberland ist in Sachen Wald sowieso ein Spezialfall: Würde der Berner Forst auf alle seine Bewohner aufgeteilt, bekäme jeder eine Kreisfläche mit einem Radius von 24 Metern. Im Oberland alleine gerechnet ist dieser Radius aber mehr als doppelt so gross. Dass sich der kantonale Wald in den letzten 25 Jahren um die Fläche des Thuner- und Brienzersees vergrössert hat, liegt vor allem an der Zunahme im Berggebiet.

Das sind gute Nachrichten und auch gute Bedingungen. Wer sagt denn, das alpine Holz solle bloss im Wald oder vor der Hütte sein – und nicht auch in Heizpellets, im Täfer, in Möbeln, Skiern und Paletten, in Dachstühlen, Böden und Geländern? Wer jetzt noch auf das letzte Teak-Holz aus den Tropen setzt, sollte die Zahlen oben jedenfalls noch einmal überdenken – oder wieder einmal einen Waldspaziergang machen.