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Gute Chancen für einen Biss

Der Aal ist zwar Fisch des Jahres, aber nicht in Adelboden. Die kalten und strömungsstarken Gewässer machen es dem schleimigen Gesellen nämlich nicht gerade einfach. Dafür haben wir Forellen und die zugehörigen Fischer en masse. Gut, die Letzteren haben es sich einfach gemacht und sich für die Jahresversammlung des Schweizerischen Fischerei-Verbands dort getroffen, wo ihnen ihr Fang garantiert nicht wegschwimmen kann: Bei den Zuchtbecken des Frutiger Tropenhauses.

Wer kann es den Damen und Herren in wasserdichter Hose verdenken? Ich habe mich bei meinen kläglichen Versuchen als Fliegen-Fischer auch öfters gewünscht, meine Angel wieder an einem Zuchtteich auswerfen zu können. Dort, wo die Fische im Minutentakt anbeissen. Dort, wo das Abendessen für die ganze Sippe gesichert ist. Aber irgendwie liess es mein Stolz dann eben doch nicht zu. Und ich blieb in der Natur, und ich haderte weiter mit verknoteten, verhedderten Schnüren und abgerissenen Haken. Na ja, tempi passati.

Item, die Teilnehmer der Fischerei-Jahresversammlung tunkten ihre Ruten sicher nicht in die Zucht-Tanks des Tropenhauses. Ich nehme an, sie knabberten an den obligaten Stör-Knusperli zum Apéro. Und ausserdem konnten sie sich dort trefflich über die Ausstellung rund um bedrohte Fischarten austauschen, welche sie kürzlich aufgebaut hatten. Es ist schon interessant, dass sich genau diejenigen für die Wassertiere einsetzen, die Letztere danach auch wieder aus dem kühlen Nass herausziehen wollen. Aber was weiss ich schon – bei mir beisst ja eh keiner an.

«Ein Vorzeigebetrieb»

Am letzten Freitag hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) eine neue Publikation herausgegeben. Sie heisst «Erfolgsmodelle in den Berggebieten und den ländlichen Räumen». Die darin aufgelisteten Projekte «können einen Anstoss bilden für die eine oder andere Idee in einer Gemeinde, einer Region oder einem Kanton», heisst es in der Broschüre. Und weiter: «Die Beispiele sollen aber auch ein klares Signal nach aussen senden: In den Berggebieten gibt es ganz viele gute Ideen, erfolgreiche Unternehmer und  zukunftsträchtige Initiativen.»

Auch das Tropenhaus Frutigen hat es in die Liste der 19 Fallbeispiele geschafft. Es sei «ein Vorzeigebetrieb und Kompetenzzentrum», schreibt die SAB. Das Tropenhaus übernehme eine führende Rolle in der Nutzung erneuerbaren Energien im Alpenraum und verbinde auf beispielhafte weise Landschaft, Ökologie und Ökonomie. Als attraktives Ausflugsziel und Anziehungspunkt im Berner Oberland «trägt es zur besseren Sichtbarkeit der Region bei und zieht neue Touristen an».

Dieser erfreuliche Bericht lässt sich feiern – und das gelingt am besten im Glashaus selbst: Im Juli stehen dafür etwa ein Cocktail-Event oder der 6. Frutigländer Tropenabend auf der Agenda. Ach ja, und an Kaviar sollte es bei dieser Gelegenheit natürlich auch nicht fehlen.

Mit ihm macht Kaviar Spass

Er hat im «Nebelspalter» Cartoons veröffentlicht. Er hat Kinderbücher geschrieben. Er hat einen Berner Verlag samt Druckerei geleitet. Er hat die Kindersendung «Spielhaus» im Schweizer Fernsehen moderiert. Er hat Teppiche, Skulpturen, Plakate, Uhren und Briefmarken gestaltet. Er hat ein eigenes Restaurant und ein sogar eigenes Museum.

Haben Sie ihn wiedererkannt? Das waren einige der wichtigsten Lebenswerke des Künstlers Ted Scapa. Er wurde dafür mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Und seit einem Monat hat er nun sogar einen eigenen Kaviar: Scapa gestaltete nämlich die 2. Edition «CaviArt» im Tropenhaus Frutigen. «Bei früheren Aufenthalten in Russland und im Iran bin ich erstmals mit Kaviar in Berührung gekommen. Da wurde der Kaviar mit Suppenlöffeln serviert», wurde Scapa in einer Tropenhaus-Medienmitteilung dazu treffend zitiert. Die aktuelle Fischei-Kunst hat allerdings ihren Preis: Eine 125-Gramm-Dose schlägt mit schlappen 385 Franken zu Buche. Da müsste ich dann doch noch einige Posts mehr bloggen, bis ich mir den wieder mal gönnen würde.

Gut, Sie müssen zum Glück kein Kaviarliebhaber sein, um dem Künstler auch sonst näher zu kommen. Am nächsten Wochenende wird er im Rahmen des Wintermärits nämlich sowieso erneut im Tropenhaus Frutigen weilen. Sein Workshop heisst «Spass mit Ted Scapa». Vielleicht lässt er einen ja dabei zum Spass auch von seinem Kaviar naschen. Lecker ist der halt schon.

Mein vernebelter Weckruf

Ich gehöre zwar zu denen, die nach den schläfrigen Hundstagen im Sommer direkt zur Herbstmelancholie wechseln, dann sofort in den Winterschlaf fallen und danach lückenlos in die Frühjahrsmüdigkeit übergehen. Insofern kann ich gut nachvollziehen, dass auch un-ser Vogellisi-Blog in den letzten Lenz-Wochen ein kurzes, zwischensaisonales Nickerchen gehalten hat. Aber nun soll des Dösens denn auch mal genug sein, schliesslich spriesst und wächst und wärmt es schon an allen Ecken. Schauen wir darum doch einmal, was die Region so treibt. Hier meine Webcam-Eindrücke aus der Region vom Dienstag um 11.19 Uhr: Elsigenalp: Nebel, Schnee, kein Mensch zu sehen. Webcam Sillerenbühl: Nebel, Schneefall, keine Menschen erkennbar. Immerhin dreht sich die Kamera. Tropenhaus: Bewölkt, kein Schnee, dafür zwei Personen bei den Fischzuchtbecken. Webcam Berg-gasthaus Höchst: So viel Nebel, nur Nebel. Hotel Adler: Ein Baugerüst, keine Bauarbeiter. Hm, ok… Vielleicht döse ich doch noch ein wenig. Vielleicht lichtet sich der Nebel ja bald. Auf der Webcam der Engstligenalp dürften dann wohl doch noch einige Frühlingsskifahrer zu sehen sein.