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Wenn nichts los ist ausser dem Wetter

Bekanntlich startet in Adelboden ja bald die Zwischensaison. Schon nach dem vermeintlichen Saisonende ist das im Winter so zahlreich besuchte Dorf, zu einem kleinen Geisterdorf geworden. Doch was machen, wenn nichts mehr läuft?

Zum einen ist es ja noch bis Anfang Mai möglich, das unglaublich schöne Frühlingsskifahren auf der Engstligenalp zu geniessen. Und falls man den Ski Anzug schon weit weit weg gepackt hat, lohnt es sich auch so, die Sonne auf dem Hochplateau zu geniessen (bitte aber das Eincremen nicht vergessen, liebe Leute).

Zum anderen bietet uns auch das Wetter in diesem Jahr einige spektakuläre Saltos und Pirouetten. Ist es nicht wunderbar zu beobachten, dass Blumen spriessen, sich dann wieder Schnee darüber legt, trotz Sonnenschein herrschen eisige Temperaturen. Das Wetter hat jeden Morgen eine Überraschung für uns parat.
Trotz all dem, freuen wir uns auf eine warme Zwischen- und danach eine vielseitige Sommersaison in unserem schönen Alpendorf. Darum unbedingt schon die Wanderschuhe eintragen, das Bike in den Service geben, die Badehose bereit legen, denn schon bald geht es los!

 

 


 

 

 

Immer cool bleiben

Es ist so eine Sache mit Klimaanlagen. Da planschte ich gerade noch in der Badi und betrete nun den auf gefühlte 8 Grad heruntergekühlten Laden. In mir regt sich plötzlich das Verlangen nach Glühwein, und der Sommertag endet mit Schnupfen.

Da sitze ich zweitens gerade im Zug, als die Klimaanlage den Geist aufgibt. Der Kohlendioxid-Pegel steigt bedrohlich an, als die Rentner-Reisegruppe im Abteil gierig die letzten Sauerstoffreserven einsaugt. Auf den dunklen Sitzen liessen sich nun Spiegeleier braten, und nein, die Fenster lassen sich schon lange nicht mehr öffnen.

Da schwitze ich drittens im Schlafzimmer, während mir ein lärmender Ventilator schale Luft um die Ohren bläst. Schliesslich schalte ich die Klimaanlage an. Nur um kurz darauf zu beobachten, wie das klebrige Kondenswasser den Putz von den Wänden schwemmt.

Da schreibe ich viertens einen Sommerpost im Wissen, dass ich ihn ohne Klimaanlage gar nicht veröffentlichen könnte. Denn irgendwo steht ein gut gekühlter Serverblock mit den nötigen Kapazitäten, damit User überhaupt „Vogellisi-Blog“ googeln können.

Es ist so eine Sache mit Klimaanlagen. Das beste Modell gibt es in den Alpen. Es nennt sich “Wanderweg”. Mit einem Grad pro hundert Höhenmeter stufenlos regulierbar. Zu 100 Prozent mit Bio-Energie betrieben. Und dabei so individuell: Der mit Schnupfen bleibt auf dem Talboden, der mit Wallungen kühlt sich an der Gletscherzunge. Go for it!

Den Sommer sowieso geniessen

Die Tage werden länger, die Blumen blühen, die Laubbäume strahlen mit ihren wundervollen grünen Blättern und es regnet den ganzen Tag. Was will man mehr? Diese Frage muss wahrscheinlich nicht beantwortet werden. Das gute Wetter lässt auf sich warten. Jedoch sollten wir uns davon nicht irritieren lassen. Sehen wir es positiv, zumindest liegt kein Schnee mehr im Dorf.

Am 21. Juni ist offizieller Sommerbeginn. Unvorhersehbare Schönwettertage wecken in uns die Vorfreude. Endlich wieder „sünnelä“ auf dem Balkon, an freien Tagen oder nach Feierabend spontan eine Bike Tour unternehmen, spazieren, flanieren, wandern, kühle Drinks in der Sommersonne geniessen, schwimmen im Gruebi und und und. Fast endlos könnte man vom letzten Sommer schwärmen. Doch wir sollten uns nicht in den Tagträumen verlieren. Leider müssen wir der bitteren Wahrheit ins Auge sehen. Wie der diesjährige Sommer ausfallen wird, steht noch in den Sternen.

Was wir auf jeden Fall, falls es so weitergeht wie bis jetzt, machen müssen, ist: Wir müssen unsere Wasserscheu ablegen! Wer sagt denn, dass man nicht auch im Regen biken, spazieren, flanieren, die Umgebung geniessen, die Atmosphäre spüren oder schwimmen kann? Na gut, vielleicht muss man anstatt zu einem kühlen Smoothie zu einem warmen Cappuccino greifen. Doch dies ist meiner Meinung nach nur halb so schlimm. Denn es gilt: einmal nass, spielt es sowieso keine Rolle mehr!

Also, liebe Leute, legt eure Wasserscheu ab und geniesst auch diesen Sommer, egal wie er ausfällt, in vollen Zügen!

Der Chäligang ist eine Reeperbahn

Ich hänge über den Engstligenfällen und denke an den Hamburger Kiez. Auf den ersten Blick haben der Klettersteig Chäligang und das berühmte Viertel der norddeutschen Hansestadt zwar wenig gemeinsam. Doch die niedrige Schwierigkeitsstufe der Route zum Hochplateau (K2) erlaubt es mir doch, die Gedanken etwas schweifen zu lassen, und ich entdecke einige Parallelen.

Erstens fliesst an beiden Orten eine Menge Wasser vorbei, sei es in der Hamburger Elbe oder in der Adelbodner Engstlige (die Flussnamen klingen zudem recht ähnlich). Zweitens wird das Vergnügen sowohl beim Klettern im Oberland als auch beim Ausgang auf der Reeperbahn gross geschrieben – wenn auch in etwas unterschiedlichen Kategorien. Drittens erinnert mich die rote Gondel der Seilbahn stark an die grossen Schiffscontainer des Hamburger Hafens, nur dass dort eher Rohöl und Teppiche statt Wanderer transportiert werden. Auch Handschuhe, wie ich sie zum Schutz auf dem Klettersteig verwende, trug ich bei meinen letzten Besuch auf dem Kiez: Damals herrschten dort nämlich Temperaturen von etwa -20 Grad, sodass gar die Binnenalster zufror.

Aber ich schweife ab. Warum ich beim Klettern wirklich an die Reeperbahn denke? Wegen der vielen Seile. Unterhalb der Engstligenalp gibt es Drahtseile am Klettersteig und bei der Bergbahn, es gibt sogar sogenannte Reepschnüre zum Sichern. Und damit sind wir wieder in Hamburg, denn ein «Reep» bezeichnet in der Seefahrt ein Tau. Die «Reeperbahn» wiederum verdankt ihren Namen den Taumachern, die für ihre Arbeit mit dem Seil eine Bahn von mindestens 300 Metern Länge benötigten. Voilà: Der Klettersteig Chäligang darf sich in diesem Fall ebenfalls «Reeperbahn» nennen, denn alleine der Höhenunterschied bis ganz nach oben beträgt 560 Meter.

Strohmann bin ich gerne

Vor zwei Monaten habe ich ein Hohelied auf das Heu gesungen. Jetzt ist das Stroh dran. Gut, die Idee klingt jetzt buchstäblich etwas abgedroschen, aber hey – dafür sind der kommende Herbst und die Erntezeit ja da. Stroh – das ist für mich eben mehr als der geflochtene Hut, der mir die letzten Wochen Schatten spendete, mehr als die Zielscheibe, auf die ich einst mit Pfeil und Bogen zielte. Stroh schliesst den Kreislauf, und damit meine ich nicht nur als Einstreu für Kühe. Zu Ballen gepresst, hat das Material schliesslich schon manchem Chilbi-Besucher als Sitzunterlage gedient, und vielleicht wurde darauf auch der eine oder andere Korn getrunken. Eben, der Kreis schliesst sich. Ein anderes Beispiel: Ich war solange allergisch auf Stroh, bis ich einige Jahre neben einem Bauernhof gewohnt habe. Ich verbrachte viel Zeit im Stall, und so wurde aus der Strohallergie ein Strohfeuer – schnell verklang das Leiden.
Und wenn dann der letzte Korn getrunken, der Hut abgezogen und das Feuer erloschen sind, wäre es doch strohdumm, die Nacht nicht gleich auf den wärmenden Halmen zu verbringen. Auf der Alp «Laueli» oder in Bonderlen gibt es dafür auch im Herbst noch Gelegenheit.