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Viel Wasser auf alte Mühlen

Ich habe kläglich versagt. Eigentlich wollte ich einen Text zu unserem Adelbodner Schwinger Inniger Thomas posten. Erinnern Sie sich? Der wurde Anfang März zum neuen Botschafter fürs lokale Mineralwasser gekürt – eine Steilvorlage für einen kleinen Beitrag im Blog. Ich sammelte raffinierte Verweise zu anderen Zweikampf-Disziplinen, wo das Wasser ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Ich wurde unter anderem fündig bei japanischen Sumo-Ringern, die sich vor dem Kampf den Mund mit Chikara-mizu («Kraftwasser») ausspülen. Ich war auf bestem Weg, einen ordentlichen Job zu machen.

Das war vor einem Monat. Seither ist viel Schmelzwasser die Engstlige hinabgeflossen, ohne dass der Post je erschienen wäre. Ich wurde aufgehalten, und nun steht am Wochenende schon der Ballenberg-Schwinget vor der Tür. Der angefangene Text ist inzwischen unauffindbar. Je nun, das Thema Flüssigkeit bleibt mir erhalten: So hat der Grosse Rat gerade entschieden, seine Mitarbeiter nicht zu Hahnenwasser zu verdonnern. Dass die Beamten dagegen weiterhin edles Mineralwasser schlürfen dürfen, verdanken sie wirtschaftlichen Interessen: Das Parlament machte geltend, ein Mineralwasserverbot schade den Abfüllern. Einer der Betriebe liege schliesslich im Kanton Bern. Und nun raten Sie einmal, wo.

Ich persönlich trinke fast ausschliesslich Hahnenwasser. Aber bevor ich nun mit einem Wyberhaken zu Boden geschwungen werde, vertage ich die Diskussion auf nächsten Monat.

Meine Revanche

Favorit Christian Stucki hat sich also am Sonntag am Engstlig-Schwinget durchgesetzt. Je nun, als Pate der Globi-Bahn zum Hochplateau hatte der Seeländer sicher eine Art Heimvorteil. Die Verlierer brauchen sich indes nicht zu grämen. Einerseits ist es keine Schande, gegen einen 140-Kilo-Koloss mit 41 Kranzfest-Siegen zu unterliegen. Andererseits gibt es schon in gut einem Monat eine Gelegenheit zur Adelbodner Revanche: Beim Event «Mit Stucki in den Ring» können sogar Anfänger den Hünen auf der Engstligenalp fordern.

Gut, bis zum Showdown vom 16. September dauert es noch ein Weilchen. Genug Zeit, um sich zu überlegen, ob man wirklich gegen den 198-cm-Mann in den Ring steigen will. Auf den ersten Blick klingt diese Affiche nicht nach sehr viel Spass. Allerdings gibt es auch ein paar schmeichelhafte Nebeneffekte: So heisst es ja erstens, dass im ersten Gang des Anschwingens die jeweils besten Kämpen gegeneinander eingeteilt werden. Und das bedeutet, dass sich jeder Laienschwinger Stucki ebenbürtig fühlen darf – zumindest in den ersten 2 Sekunden des Kampfs.

Zweitens werden die Schwinger ja öfters als «Böse» bezeichnet. Der liebevoll gemeinte Begriff schmeichelt den Teilnehmern und nimmt einem gleichzeitig das Lampenfieber – denn «böse» und «Stucki» lässt sich nur schmunzelnd im selben Satz verwenden. Und drittens tut es ja immer gut, wenn einem jemand auf die Schulter klopft – und sei es nur, um das Sägemehl zu entfernen. Na denn: Ring frei!

Warum die Bösen Schlange stehen

Nach vier Eidgenössischen Kränzen und dem Schwingerkönigstitel hat sich Matthias Glarner nun ja noch einen Sponsoring-Vertrag mit der Mineralquellen Adelboden AG geholt. Da fiel mir sofort wieder Christian Stucki ein, der im Juni erst für die Eröffnung der Globi-Bahn auf die Engstligenalp Pate stand. Es scheint, als würde das Lohnerdorf die Bösen geradezu magisch anziehen. Aber wieso?

Am Schwingercharakter an sich kann das nicht liegen, der ist bei Stucki und Glarner recht unterschiedlich. Der eine hat spektakulär verloren, als er seinen Gegner küsste. Der andere hat unspektakulär gewonnen, als er in Estavayer nüchtern triumphierte. Der eine ist lustiger Botschafter für einen blauen Spassvogel, der andere steht stolz für ein klares Getränk.

Das Produkt, wofür die Schwinger werben, kann eigentlich auch nicht die einzige Erklärung für die Wahl der beiden sein. Schliesslich wohnt Glarner an der Blümlisalpstrasse in Heimberg. Daneben arbeitet er als Personalbetreuer bei den Bergbahnen Meiringen Hasliberg. Das alles hätte eher für die Engstligenalpbahnen gesprochen als fürs Mineralwasser. Globi-Götti Christian Stucki wiederum gehört zum Seeländischen Schwingerverband und könnte in seinem Beruf als Lastwagenchauffeur gut auch Adelbodner Wasser transportieren. Und doch hat er den Berg und nicht den Talboden auserkoren.

Warum die Bösen also das Lohnerdorf lieben? Was weiss ich. Vielleicht liegt die Lösung ja in den vielen Holzbetrieben, wo Sägemehl en Masse produziert wird. Vielleicht liegt es an den vielen Quellen, wo man sich dieses Sägemehl nach dem Kampf wieder abwaschen kann. Und vielleicht können Glarner und Stucki einander hier auch einfach einmal auf die Schulter klopfen, ohne vorher in den Ring zu steigen.