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Wohlfahrt im Wald

Schön, haben sich Adelboden, Frutigen, Kandergrund, Kandersteg und Reichenbach in Sachen Schutzwälder gerade zusammengeschlossen. Denn der Forst schützt und nützt nicht nur, er hat gemäss den Gemeinden auch eine Wohlfahrtsfunktion. Wohlfahrtsfunktion des Waldes – schade, dass ich mir darunter recht wenig vorstellen kann. Dass es mir wohl ist, wenn ich durch den Forst fahre, dürfte den Kern Sache eher verfehlen. Oder verteilt da jemand Sozialhilfe unter den Tannen? Wohlfahrtsfunktion – im Waldgesetz steht dazu auch nicht viel mehr. Dort redet der Bund lieber von der «Wiederbestockung von Blössen» (Art. 23), was für mich ehrlich gesagt etwas obszön klingt.

Besser erklärt es die Bundesverfassung von 1999: Dort steht, die Wohlfahrtsfunktion des Waldes meine seine Bedeutung als Erholungsraum für die Menschen. Aha. Das stimmt natürlich. Die Waldluft tut unseren Lungen gut, das Klima ist kühl und feucht, die Atmosphäre wind-, lärm- und sonnengeschützt. Ausserdem hat man hier jede Menge Platz, um sich zu bewegen und zu entspannen.

Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch schliesslich finde ich schliesslich noch einen Absatz, der meine Wohlfahrt im Wald noch viel besser funktionieren lässt: Das freie Betreten des Waldes und das Sammeln von Beeren seien jedem gestattet, heisst es dort. Beereni à la carte? Klingt ganz nach einem Motto für die Sommersaison. Denn Wohlgeschmack gehört sicher auch zur Wohlfahrt.

Etappen für Könige

Die Via Alpina ist momentan ja in aller Munde. TV-Moderator Nick Hartmann hat sie in unserer Destination gerade mit Filmteam absolviert, und auch Schweiz-Tourismus-Marketingleiter André Hefti rühmt die 390 Kilometer und 20 Etappen umfassende Wanderung. Am Schweizer Ferientag in Luzern stellte er die Via Alpina als eine der drei neuen Themenrouten vor. Lauterbrunnen–Griesalp, Griesalp–Kandersteg, Kandersteg–Adelboden, Adelboden–Lenk: Natürlich sind diese Stationen auf der Tour Nr. 1 attraktive Streckenabschnitte. Ich denke an den Steinbock, der mir unter dem Hohtürli beim Aufstieg zusah, an die unwirkliche Landschaft, wenn man nach der Sefinenfurgge ins hinterste Kiental absteigt, ich denke an die Augenöffner beim Bunderspitz und beim Hahnenmoospass. Aber warum solche Wanderungen aneinander hängen? Warum gleich so weit gehen?

Die Bündner Touristikerin Jolanda Rechsteiner vermutet, dass bei einigen Gästen eine gewisse «Entscheidungsmüdigkeit» herrsche. Weil der müde Wanderer also nicht jeden Morgen neue Routen planen will, bevorzugt er mehrtägige Erlebnisse. «Zudem erlebt er Kultur und Landschaft unverfälscht aus nächster Nähe und wird selbst zum Kenner mit Erfahrung», sagt Rechsteiner im Blog von «GRHeute». Ins selbe Horn bläst die Via Alpina selbst. Die Organisation verweist auf einen Artikel des Wanders Matthieu Chambaud. Dieser nennt als weitere Gründe fürs Weitwandern, dass man sich dabei endlich einmal auf eine einzige Sache aufs Mal konzentrieren könne. Der Gast bleibe beim Gehen eben ganz in der Gegenwart, an einem neutralen Ort, der viel Raum fürs Nachdenken lasse. Schliesslich hebt Chambaud noch hervor, dass man in den Alpen keine Masken tragen muss und endlich einmal sich selbst sein kann: «On n’est personne pour les glaciers, les forêts ou les animaux.»

Doch was ist mit der Anstrengung, dem Kampf gegen die Höhenmeter, dem Wadenkrampf? Spricht das nicht gegen mehrtägige, endlose Touren? Hier zitiere ich gerne Katy Harrington, die ihre Ankunft auf der Griesalp nach einer neunstündigen Etappe folgendermassen beschreibt: «Tired and shaky I started to cry but I picked myself up, got back on track and carried on. A few hours later when I saw the tops of wooden houses in a not-too-distant valley I cried a bit more, overjoyed that my final destination was in sight.» Nach der Königsetappe der Via Alpina ist ihr die Erleichterung und der Stolz anzuhören. Wer will da noch sagen, sie sei zu weit gegangen?

Ab ins Freie

Endlich ist der Sommer ganz nah. Wir können ihn teilweise auch schon spüren. Die Temperaturen steigen, der Schnee schwindet langsam dahin, die Tage sind länger und am Morgen muss man auch nicht mehr bei Dunkelheit das Haus verlassen.

Solch wunderbare Tage wollen gut genutzt sein und noch viel mehr wollen das die Abendstunden. Mein Tipp: Schnappt euch eine Bratwurst, eine Grillschnecke oder sonst was, einige Freunde und macht euch auf den Weg zu einer schönen „Brätlistelle“. Von diesen gibt es in Adelboden nämlich so einige. Und was kann es schöneres geben, als mit Freunden am Feuer zu sitzen, seine Wurst mit einem Stecken ins Feuer zu halten und Pläne für den Sommer zu machen. So verbringt man sicher einen gelungenen Abend oder auch Tag. Falls man bereits auf den Wanderwegen unterwegs ist, begegnen einem unterwegs vielleicht auch die eine oder andere Möglichkeit, sich an ein Feuerchen zu setzen. Oder wie wäre es mit einem schönen Picknick im Freien.

Also los, macht euch auf die Socken! Ab ins Freie!

 

 


 

 

 

Kräutersammeln für Dummies

Was das alte Vogellisi kann, kann ich schon lange. Gut, ich verfüge über kein mentales Lexikon für Heilpflanzen. Ich habe keine Ahnung, wie Johanneskraut, Beifuss oder Giersch eigentlich aussehen. Ich würde Echtes Labkraut nicht einmal erkennen, wenn es bis zu meiner Wohnung im zweiten Stock hinauf wuchern würde. Aber das muss ich auch gar nicht. Manchmal sind es banale Unkräuter, die einem weiterhelfen.

So fehlt mir auf Vogellisis Spuren zum Beispiel die Kondition der rüstigen Dame – zack, schon zwickt’s im Bein. Da hilft das krampfstillende Gänseblümchen am Wegesrand. Kurze Zeit später stösst mir das Frühstück sauer auf – der Frischkäse war doch nicht mehr so frisch. Gut, wirkt die Brennnessel an der Böschung auch bei Magen- und Darmproblemen. So, jetzt wird die Kräuterexpedition aber richtig anstrengend. Der Atem rasselt, die Kehle brennt. Immerhin windet sich dort Efeu die Tanne hinauf: Nützlich bei Katarrhe der Luftwege und entzündlichen Bronchialerkrankungen. Es wird Abend, und am Waldrand stürzen sich die Mücken auf mich. Da kommen nun zerriebene, abschwellende Blätter vom Spitzwegerich zum Einsatz.

Wieder zu Hause, scheine ich dem Vogellisi ein ganzes Stück nähergerückt. Jetzt nur noch einen Schafgarbentee gegen meine furchtbar geschwollenen Füsse. Und dann ein bisschen Radio RaBe hören.

“Dr Himmel brennt” – Sonnenaufgang auf dem Bunderspitz!

“Man muss durch die Nacht wandern, wenn man die Morgenröte sehen will” – Khalil Gibran (1883-1931)

Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund. Goldig ist auch der Anblick eines Naturspektakels, das Adelboden immer und immer wieder zu bieten hat: der Sonnenaufgang auf dem Bunderspitz, zwar längts kein Geheimtipp mehr, aber dennoch, immer und immer wieder atemberaubend.

So schwer die Beine morgens um Vier sind, so kalt die Nase vom frischen Morgenwind auch sein mag, die Genugtuung, auf dem Gipfel zu stehen und zu bestaunen, wie sehr der Himmel brennt, entschädigt jegliche Strapazen und die Überwindung aufzustehen.

Darum,weil es so schön ist: bitte immer und immer wieder!