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Politik fürs Euter

Mein untrainierter Bizeps schmerzt. Ich helfe nämlich gerade diversen Freunden fleissig beim Zügeln. Auch die Kühe ziehen bald wieder auf die Alpen rund um Adelboden. Die schmerzt dabei aber weniger der Bizeps als der tiefe Milchpreis. Dabei gibt es gute Gründe für die lokale Produktion des weissen Goldes: Die Schweiz ist ein Grasland, Viehhaltung hat eine lange Tradition. Dank den Wiederkäuern konnten die Randregionen bewirtschaftet werden, sie sorgten massgeblich für Magerwiesen, Artenvielfalt und fruchtbare Flächen im Tal.

Auf die 3500 Einwohner des Lohnerdorfs kommen 3000 Kühe – das zeigt, welchen emotionalen Wert die Tiere für die Bevölkerung haben. Die Gäste wiederum werden auf ihren Wanderungen mit einem «Heidi-Feeling» belohnt, das sie sich nicht mit einem Schluck aus dem importierten Tetra-Pak verderben sollten. Die Engstligtaler Kühe gehören nicht nur zur Biodiversität, sie sind auch deren Bedingung und die Alpenmilch ihr Resultat. Und dieses wiederum sollte auch seinen Preis haben dürfen.

Item. Die öffentliche Milchdebatte läuft. Wer den grossen Auftritt scheut, kann das heikle Thema ja auf seiner nächsten Bergwanderung gerne mit dem Sennen seiner Wahl unter vier Augen besprechen. Ich bin sicher, der serviert einem dabei gerne ein Glas direkt vom Euter.