Beiträge

Der Spiegel meiner Natur

Wie Chälistii in diesem Blog bereits einmal zeigte, ähnelt Adelboden mit seine fünf Tälern von oben einer Hand. Doch dieser Vergleich ist nur die Spitze des Hausbergs. Die Landschaft ist auch sonst in jedem Detail viel menschlicher, als wir meinen. Ich stapfe durch die unberührte Wildnis, aber die Natur zeigt mir nur, was ich in sie hineinlege.

Es beginnt bereits unten in der Talsohle, am Fuss der Berge, entlang der Flussarme. Schon denke ich in menschlichen Extremitäten. Es ist zwar nicht meine Sohle, mein Fuss oder mein Arm, aber durch diese Beschreibung wird mir die Umgebung dennoch vertraut. Es ist, als hätte ich den nächsten Schritt bereits gemacht und den Felsen vor mir schon immer berührt.

Der Blick schweift weiter, vom Bachbett hinauf zu den Baumschulen an der Niesenkette, zu den Wolkentürmen und der Mondsichel. Schon beschreibe ich das Engstligtal mit menschlichen Produkten. Ich habe in diesem Bett nicht geschlafen, weder diese Schule besucht noch diese Kette geschmiedet oder jenen Turm gemauert. Dennoch mache ich mir das Tal zu eigen, wenn ich diese Worte wähle.

Es gäbe noch zig andere Beispiele wie Gletscherzungen, Föhnfenster, Nagelfluh und Frauenmantel. Diese Zunge muss nicht schmecken, dieses Fenster nicht schliessen, jener Nagel nicht stecken und der Mantel nicht passen. Das ist auch gar nicht nicht nötig im Berner Oberland. Wir suchen die Wildnis und finden uns selbst.