Beiträge

Finde deine Mitte

Die neue TALK-Zentrale ist ab heute in Frutigen. Warum gerade dort? Die Abkürzung «TALK» steht schliesslich für «Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg», und in diesem Wort-Konglomerat sucht man den Begriff «Frutigen» eigentlich vergeblich. Das einfachste wäre doch gewesen, einfach die geografische Mitte der drei Orte zu nehmen. Ich habe mir mal eine Karte ausgedruckt und ein Lineal zur Hand genommen. Nur so viel: Das Resultat fällt buchstäblich tierisch aus.

Zieht man eine Gerade von Adelboden zur Lenk, liegt in der Mitte der Tierberg am Laveygrat. Zieht man eine Gerade von der Lenk nach Kandersteg, liegt in der Mitte das Geissmoos am Chuenisbärgli. Zieht man eine Gerade von Adelboden nach Kandersteg, liegt in der Mitte die Ochsewand hinter dem Bunderspitz. Alle diese Orte sind recht abgelegen, steil gelegen oder sonst nicht ganz einfach zugänglich. Keine Optionen für eine TALK-Zentrale.

Ich gebe nicht auf. Zweiter Versuch: Verbindet man Adelboden, Lenk und Kandersteg mit dem Lineal, erhält man logischerweise ein Dreieck. Dessen Spitze zeigt wie ein flacher Pfeil gen Nord-Nord-West. Zieht man eine Gerade in dieser Richtung, erreicht man den Otterepass bei Rinderwald. Klingt immer noch tierisch. Aber jetzt kommt der Clou: Rinderwald gehört zu Achseten, und Achseten gehört zu Frutigen. Na bitte. Geht doch.

Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass Frutigen auch wegen seiner guten Verkehrsverbindungen, seiner Scharnierrolle in der Region oder wegen seiner breit aufgestellten Infrastruktur als Zentrale prädestiniert war. Aber das mit dem Lineal hatte auch seinen Reiz, oder?

Gebiet ohne Grenzen

«Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile»: Dieses Aristoteles-Zitat passt diese Tage besonders gut in die Region. Es passt zum Vogellisi-Blog, wo sich die verschiedenen Perspektiven der Autoren gegenseitig bereichern. Es passt zum Bergrestaurant am Chuenisbärgli, wo Brot, Käse und Schinken zusammen die Käseschnitte bilden. Es passt zum Curlingteam Adelboden, das vereint den Schweizermeistertitel holte. Es passt zum kommenden Iglu-Festival, denn die Schneekuppel-Siedlung übersteigt dort das einzelne Werk. Es passt zum Gruebi-Bad, weil viele Stimmen dessen Sanierung bedeuten. Es passt zum Grand-Prix-Riesenslalom in der Lenk, da dort auch Adelbodner Fahrer für Furore sorgten. Es passt zur Garteninstallation «Rock Garden» in Zürich, bei welcher gerade tonnenschwere Findlinge aus Blausee-Mitholz ausgestellt werden. Es passt zum internationalen Pfadfinderzentrum in Kandersteg, wo 70000 Übernachtungen internationales Flair ins Tal bringen. Es passt zum Theaterstück «Gueti Lüge läbe länger», mit welchem die Lenker Musikgesellschaft gemeinsam für Unterhaltung im Löwenzentrum sorgt.

Sie sehen, ich scheine mit diesem Post die Grenzen der Destination zu sprengen – aber eben nur scheinbar. Schliesslich wollen sich die Tourismusorganisationen von Adelboden, Lenk-Simmental und Kanderstal neu ausrichten und zusammenschliessen. «Destinationsverdichtung» heisst das Zauberwort. Sollte dieses Konzept wirklich umgesetzt werden, dürfen wir ebenfalls mehr erwarten als die Summe der touristischen Teile. Denn jeder Schulterschluss macht den Rücken breiter.