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Der Stein kehrt zurück

Eigentlich wollte ich nur kurz schauen, woher der Schiefer eigentlich stammt. Ich hatte gehört, dass das Kandertaler Geschäft mit Naturstein nach der Baisse der 60er-Jahre wieder anziehe, wobei die letzte Schiefertafelfabrik in Frutigen ihr Material aber zumeist aus Italien importiere.

Nun gut, Italien ist nicht weit. Tatsächlich gibt es massig Schiefer im Piemont und in Ligurien. Schöne Gegenden, das. Nicht nur auf dem Gsürweg lässt es sich nämlich auf leicht bröckligem Untergrund wandeln. Dann habe ich den Fehler gemacht und historisch noch etwas weiter zurück geblickt. Unser schöner Schiefer entstand am Grund der Tethyssee am Penninischen Ozean. Was für Namen. Beide Wässerchen existieren längst nicht mehr und beschränken ihre Funktion mittlerweile darauf, Blogger bei der Recherche zu verwirren.

Item. Die alten Meere sind weg, aber die neue Nachfrage nach Schiefer bleibt. Was mich da immerhin passend deucht: Schiefer lagerte sich während der Kreidezeit am Meeresboden ab. Dieser Name sagt mir schon mehr zu. Vielleicht werden ja bald nebst Küchenplatten und Dächern auch wieder Schultafeln aus Schiefer gefertigt – und eine neue Kreidezeit bricht an …

Bergverwandtschaften

Ich kann nichts dafür. Ich muss einfach immer internationale Vergleiche ziehen, wenn ich mich in Adelboden bewege. Ob das nun an mir liegt oder an der touristisch reich befrachteten Gemeindegeschichte, sei dahingestellt. Aber als mich meine letzte Bergwanderung dicht unter dem Tschingellochtighorn auf der Engstligenalp vorbeiführte, war das Kopfkino wieder einmal nicht mehr zu stoppen. Dieser surreale Gipfel erinnert mich halt an so viele Orte.

1. Das Tschingellochtighorn könnte auch in den Dolomiten stehen. Dort liegen nämlich ebenfalls schroffe Berge mit lustigen Namen wie Schlern, Geisler und Langkofel. Und das Südtirol sieht mit seinen vier schwarz-roten Adlern im Wappen sowieso dem Adelbodner Emblem zum Verwechseln ähnlich.

2. Das Tschingellochtighorn passt daneben ausgezeichnet zum Monument Valley zwischen Arizona und Utah. Diese Ebene auf dem Colorado Plateau befindet sich auf etwa 1900 m ü. M. (also fast gleich hoch gelegen wie die Engstligenalp). Die bizarren US-amerikanischen Felskuppen tragen wiederum charakteristische Namen wie Elephant Butte, Drei Schwestern oder Totempfahl. Der örtliche Indianderstamm der Navajo nutzt übrigens viele einheimische Heilpflanzen als Medizin. Passt doch: Wenn das unsere Kräuterfrau Vogellisi hören könnte …

3. Das Tschingellochtighorn findet seinesgleichen auch im Elbsandsteingebirge. Nomen est omen: Seine Gipfel ragen in der Sächsischen Schweiz aus dem Boden. Auch sie nennen sich eigenwillig Schramm- und Affenstein, Lokomotive oder Pfaffenstein.

So. Norditaliener, Nordwestamerikaner und Ostdeutsche haben jetzt hoffentlich Lust bekommen, einmal ihren Gebirgsverwandten im Oberland zu besuchen. Und ich habe umgekehrt Lust auf Brettljause, Pulled Pork und sächsischen Sauerbraten. Immer dieses Kopfkino.