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Mit dem Green versöhnt

Ich hielt mich schon für ziemlich hip als Cross-Golfer. Als Urban-Golfer. Als Offroad-Golfer. Zusammen mit drei Kollegen hatte ich mir zuvor ein altes 6er-Eisen gekauft, einige Bälle beim nächsten Golfplatz geklaut und mir eine technische Schnellbleiche verpasst. Und dann wollten wir die weissen Kugeln fliegen lassen – in der Kiesgrube, im Wald, auf dem Fussballplatz, im Steinbruch oder auf der Schafweide. Ich hielt mich schon für ziemlich alternativ, weil wir mit den geschniegelten Spielern der etablierten Golfplätze so wenig gemeinsam hatten: Kein Dresscode, kein vorgegebenes Loch, kein Handicap und keine Ahnung, wie man richtig abschlägt.

Die Jahre vergingen, und bald war ich der einzige unserer Gruppe, der noch gelegentlich zum 6er-Eisen griff. Dafür weitete ich meinen Aktionsradius aus und probierte, wie sich Golf in den Bergen anfühlt. Die Bälle wurden nun mit immer noch miserabler Technik vom Weg aus abgeschlagen. Wenn dabei ein Wanderer auftauchte, drehte ich meinen Schläger um und tarnte ihn so als Spazierstock (weil ich dachte, «so etwas macht man in den Alpen nicht»). Item. Vom Jura ins Innereriz, über die Rosenlaui-Schlucht und die Grosse Scheidegg bis ins Engstligtal führte mich meine einsame Cross-Golf-Route. Und dort, auf der Engstligenalp, entdeckte ich schliesslich, dass ich nicht alleine bin. Und dass die Golfspieler auf der Hochebene wissen, wie man zwischen Felsen und Bächen richtig abschlägt. Und dass sie es einem sogar zeigen. Und schliesslich, dass es in Ordung geht, vor dieser Kulisse an seinem Handicap zu arbeiten.*

*Am 10. September gehts wieder los mit Golfmountain auf der Engstligenalp.