Beiträge

Eine historische Verbindung

SRF ist für die Sendung «Schweiz aktuell – Die Alpenreise» von Kandersteg nach Frutigen gereist. Dabei ging es nicht nur um die Reise. Im Rahmen eines Wettbewerbs, der heute endete, sollten sich in den Gemeinden möglichst viele Einwohner in historischer Kleidung versammeln. Dass sich Kandersteg mit 222 Teilnehmern den ersten Platz sicherte, erstaunt nicht – schliesslich sind sich die Kandertaler mit der jährlichen Belle-Epoque-Woche historische Kostüme gewohnt. Der dritte Platz Frutigens mit immerhin 61 Verkleideten ist da schon bemerkenswerter. Hier scheint es eine ähnliche Mentalität in Sachen Geschichtsbewusstsein zu geben.

Was verbindet die beiden Orte denn historisch? Früher waren es Pferdekutschen. Es war allerdings eine nicht ganz ungefährliche Verbindung. Der Autor Mark Twain beschrieb 1878 auf seinem «Bummel durch Europa», wie sich sein Kutscher unterwegs zwischen Frutigen und Kandersteg betrank und dann recht unaufmerksam die Weiterfahrt anging: «Wie er auf seinem Hochsitz kniet, die Ellenbogen auf der Rückenlehne, und mit seligem Blick und flatterndem Haar und vergnügtem rotem Gesicht auf seine Fahrgäste herunterstrahlt!» Heute sorgen natürlich die AFA-Busse für eine sicherere Strassenverbindung. Denn die Fahrer wissen sich inzwischen besser zu beherrschen als ihre Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert.

Was die Orte natürlich ebenfalls nach wie vor verbindet, ist die Schönheit der Landschaft, die Twain ebenfalls so trefflich beschrieb: «Ein wunderschönes, grünes, von Sennenhütten getüpfeltes Tal, ein trauliches Reich, das sich weitab von der Welt in einem abgeschlossenen Winkel verbarg (…). Hier könnte man seelenruhig sein Leben verträumen und es nicht vermissen und sich nichts daraus machen, wenn es dahin ist.» Wenn in diesem Fazit nicht schon etwas Nostalgie mitschwingt …

Gute Chancen für einen Biss

Der Aal ist zwar Fisch des Jahres, aber nicht in Adelboden. Die kalten und strömungsstarken Gewässer machen es dem schleimigen Gesellen nämlich nicht gerade einfach. Dafür haben wir Forellen und die zugehörigen Fischer en masse. Gut, die Letzteren haben es sich einfach gemacht und sich für die Jahresversammlung des Schweizerischen Fischerei-Verbands dort getroffen, wo ihnen ihr Fang garantiert nicht wegschwimmen kann: Bei den Zuchtbecken des Frutiger Tropenhauses.

Wer kann es den Damen und Herren in wasserdichter Hose verdenken? Ich habe mich bei meinen kläglichen Versuchen als Fliegen-Fischer auch öfters gewünscht, meine Angel wieder an einem Zuchtteich auswerfen zu können. Dort, wo die Fische im Minutentakt anbeissen. Dort, wo das Abendessen für die ganze Sippe gesichert ist. Aber irgendwie liess es mein Stolz dann eben doch nicht zu. Und ich blieb in der Natur, und ich haderte weiter mit verknoteten, verhedderten Schnüren und abgerissenen Haken. Na ja, tempi passati.

Item, die Teilnehmer der Fischerei-Jahresversammlung tunkten ihre Ruten sicher nicht in die Zucht-Tanks des Tropenhauses. Ich nehme an, sie knabberten an den obligaten Stör-Knusperli zum Apéro. Und ausserdem konnten sie sich dort trefflich über die Ausstellung rund um bedrohte Fischarten austauschen, welche sie kürzlich aufgebaut hatten. Es ist schon interessant, dass sich genau diejenigen für die Wassertiere einsetzen, die Letztere danach auch wieder aus dem kühlen Nass herausziehen wollen. Aber was weiss ich schon – bei mir beisst ja eh keiner an.

Zwiespältige Funken-Freude

Ah, der Winter, wo einen das Cheminée wärmt! Es ist schön, bei Hudelwetter auf einen wärmenden Rückhalt in der guten Stube zählen zu können. Das dachte ich vorletzte Woche, als ich nach dem Skitag die Scheite im Ferienchalet stapelte. Das dachte ich letzte Woche, als ich die neue Wohnung eines Freundes besichtigte – mit Feuerstelle natürlich. Und das dachte ich auch heute, als ich meine Finger in der Jackentasche vergrub. Doch es sind Gedanken mit Vorbehalt.

Denn es braucht auch einen Rückhalt für den Rückhalt. Wenn es für einmal zu heiss wird in der kalten Jahreszeit. Wenn der Funke etwas zu weit überspringt. Diese Rückversicherung nennt sich Feuerwehr. Und die hat viel zu tun diese Tage. Alleine 2017 rückte etwa die Feuerwehr Frutigen 96-mal aus. Und im neuen Jahr sind es bereits wieder 17 Einsätze. Sind wir denn so unvorsichtig am Cheminée?

Natürlich nicht: Die meisten dieser aktuellen Fälle sind weniger feurig. Im Januar mussten die Blaulichtler etwa wegen Sturmschäden ausrücken, wegen Erdrutsche und umgestürzter Bäume. Es gab allerdings auch bereits wieder Kaminbrände und irregeleitete Rauchmelder. In diesem Sinne bin ich zwar vorsichtig, wenn ich die Späne über der zerknüllten Zeitung schichte, aber auch beruhigt. Denn es gibt einen Rückhalt für den Rückhalt, und der hat viel Routine.

«Ein Vorzeigebetrieb»

Am letzten Freitag hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) eine neue Publikation herausgegeben. Sie heisst «Erfolgsmodelle in den Berggebieten und den ländlichen Räumen». Die darin aufgelisteten Projekte «können einen Anstoss bilden für die eine oder andere Idee in einer Gemeinde, einer Region oder einem Kanton», heisst es in der Broschüre. Und weiter: «Die Beispiele sollen aber auch ein klares Signal nach aussen senden: In den Berggebieten gibt es ganz viele gute Ideen, erfolgreiche Unternehmer und  zukunftsträchtige Initiativen.»

Auch das Tropenhaus Frutigen hat es in die Liste der 19 Fallbeispiele geschafft. Es sei «ein Vorzeigebetrieb und Kompetenzzentrum», schreibt die SAB. Das Tropenhaus übernehme eine führende Rolle in der Nutzung erneuerbaren Energien im Alpenraum und verbinde auf beispielhafte weise Landschaft, Ökologie und Ökonomie. Als attraktives Ausflugsziel und Anziehungspunkt im Berner Oberland «trägt es zur besseren Sichtbarkeit der Region bei und zieht neue Touristen an».

Dieser erfreuliche Bericht lässt sich feiern – und das gelingt am besten im Glashaus selbst: Im Juli stehen dafür etwa ein Cocktail-Event oder der 6. Frutigländer Tropenabend auf der Agenda. Ach ja, und an Kaviar sollte es bei dieser Gelegenheit natürlich auch nicht fehlen.

Happy birthday, Transporter!

Früher nannte man den Tourismus ja noch Fremdenverkehr. Heute sind aus Fremden Freunde geworden – Adelboden-Frutigen kann auf seine Stammgäste vertrauen. Was bleibt, ist der Verkehr. Den gibt es nach wie vor, den braucht es nach wie vor, damit Einheimische und Besucher ins Engstligtal gelangen. Und daran wird in diesem Jahr gleich mehrfach erinnert:

  • Bis 1913 war das historische Bahnhofsgebäude in Frutigen in Betrieb. Ab 1. April wird es nun als neues BLS-Besucherzentrum wiedereröffnet.
  • 1917 wurde die Automobilverkehr Frutigen – Adelboden AG gegründet. Auch dieses 100-Jahr-Jubiläum soll 2017 mit diversen Anlässen zelebriert werden.
  • Noch nicht ganz so alt ist der Lötschberg-Basistunnel. Nach 10 Jahren Neat stehen natürlich trotzdem diverse Festivitäten auf dem Programm.

Ich als Pendler und bekennender ÖV-Fan reihe mich gerne in die Schar der Gratulanten. «Freundenverkehr» ist eine Erfolgsgeschichte, weil dahinter eine Symbiose steckt: Touristen kommen (wieder), wenn sie im Transportwesen auf eine solide Infrastruktur zählen können. Und Transporteure haben umgekehrt auch was zu transportieren. Und Gastgeber Gäste.