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Pflegen wir die Zahlen-Nachbarschaft!

Kennen Sie Sitzendorf an der Schmida? Das ist eine niederösterreichische Marktgemeinde im westlichen Weinviertel. Nun, ich bin zwar nicht gerade ein Fan von Grünem Veltliner, Weissburgunder oder Welschriesling. Trotzdem hat die Gemeinde mein Interesse erregt, da sie über dieselbe Postleitzahl verfügt wie Frutigen: 3714. Da lag die Frage auf der Hand, ob es nicht vielleicht noch mehr Parallelen zwischen den beiden Gemeinden gibt, und ob sich diese Synergien nicht vielleicht touristisch nutzen liessen. Werfen wir also einen Blick gen Österreich:

Mit 2162 Einwohnern ist die Bevölkerung Sitzendorfs mehr als dreimal kleiner als die von Frutigen, die Fläche der Marktgemeinde ist mit knapp 62 Quadratkilometern aber fast gleich gross. Mit anderen Worten: Die haben Platz genug für touristische Angebote. An der Schmida (ein kleiner Fluss wie die Engstlige) liegen entsprechend 3 Rundwanderwege und 3 Themenradwege. Na bitte, da haben wir doch weitere Gemeinsamkeiten. Ausserdem pflegen beide Gemeinden ein reges Vereinsleben (Sitzendorf etwa verfügt über einen Männer-Grillverein, einen Dorf-Erneuerungsverein, eine Kulturinitiative und eine Chorvereinigung «Frohsinn»). Genau wie in Frutigen finden wir auch in 3714 Österreich eine Raiffeisenbank und eine Stahlfabrik, ein Sportzentrum und ein Autohaus. In beiden Ortschaften wird zudem in der Schulraumplanung über Platzmangel und Schulschliessungen diskutiert.

OK, jetzt bin ich endgültig vom Tourismus abgeschweift. Aber bei so vielen Parallelen sollte man den Rahmen wahrscheinlich sowieso ins Politische erweitern. Vielleicht müsste sich Frutigens Gemeindepräsident Faustus Furrer ja einfach mal ungezwungen mit Sitzendorfs Bürgermeister Martin Reiter treffen. Bei einem Grünem Veltliner, oder noch besser: bei einem 3714 Frutigbier.

Kein Schlaf in Frutigen

Da war man nur einen kurzen Moment vom Blog-Geschäft abgelenkt (es ging um Murmeltiere, fragen Sie nicht nach Details), und schon hat sich die Schneegrenze also zu meinem Büro hinunter bequemt. Woraus erstens folgt, die Heizung aufzudrehen, und zweitens, wegen der Hitze ganz schläfrig zu werden. Ach ja, die Murmeltiere und ihr Winterschlaf, sie bleiben mir weiterhin treu.

Blicke ich zu den Pisten hinauf, kann ich die bis 70 Meter langen Bauten der knuffigen Nager unter der weissen Decke erahnen. Friedlich stelle ich mir es vor, das sechs Monate lange Nickerchen, während das angefressene Körperfett langsam vor sich hinschmilzt. Wobei mir nicht ganz einleuchtet, wie sich die Tiere den prallen Winterbauch einzig mit einer Diät aus Gräsern und Kräuter, Samen und Insekten anfressen konnten. Je nun.

Senke ich den Blick von den Pisten nach Frutigen hinunter, bleiben die Murmeltiere trotzdem im Fokus. Da hat das Frutigresort nämlich gerade die Eröffnung des Restaurants Bemato verkündet, und was steht im Kleingedruckten am Schluss? Dass die zweite Bauetappe nun der Fertigstellung des Murmeli-Erlebnisspielplatzes gewidmet ist. 60 Meter Tunnelsystem wurden schon erstellt – das klingt doch wie bei den alpinen Vorbildern.

Ganze Schiffscontainer hat man zudem beim Frutigresort für unterirdische Spielräume vergraben. Bei diesen Dimensionen können die Tunnelbewohner punkto Winterfett noch einiges zulegen. Und dafür braucht es keine kargen Gräser und Samen von der Weide: Das «Bemato» bietet schliesslich Mittagsmenus unter dem Motto «all you can eat and drink» an. Da müssen die modernen Murmeltiere ihre Nachtruhe wohl noch etwas aufschieben …

Der Stein kehrt zurück

Eigentlich wollte ich nur kurz schauen, woher der Schiefer eigentlich stammt. Ich hatte gehört, dass das Kandertaler Geschäft mit Naturstein nach der Baisse der 60er-Jahre wieder anziehe, wobei die letzte Schiefertafelfabrik in Frutigen ihr Material aber zumeist aus Italien importiere.

Nun gut, Italien ist nicht weit. Tatsächlich gibt es massig Schiefer im Piemont und in Ligurien. Schöne Gegenden, das. Nicht nur auf dem Gsürweg lässt es sich nämlich auf leicht bröckligem Untergrund wandeln. Dann habe ich den Fehler gemacht und historisch noch etwas weiter zurück geblickt. Unser schöner Schiefer entstand am Grund der Tethyssee am Penninischen Ozean. Was für Namen. Beide Wässerchen existieren längst nicht mehr und beschränken ihre Funktion mittlerweile darauf, Blogger bei der Recherche zu verwirren.

Item. Die alten Meere sind weg, aber die neue Nachfrage nach Schiefer bleibt. Was mich da immerhin passend deucht: Schiefer lagerte sich während der Kreidezeit am Meeresboden ab. Dieser Name sagt mir schon mehr zu. Vielleicht werden ja bald nebst Küchenplatten und Dächern auch wieder Schultafeln aus Schiefer gefertigt – und eine neue Kreidezeit bricht an …

Eine historische Verbindung

SRF ist für die Sendung «Schweiz aktuell – Die Alpenreise» von Kandersteg nach Frutigen gereist. Dabei ging es nicht nur um die Reise. Im Rahmen eines Wettbewerbs, der heute endete, sollten sich in den Gemeinden möglichst viele Einwohner in historischer Kleidung versammeln. Dass sich Kandersteg mit 222 Teilnehmern den ersten Platz sicherte, erstaunt nicht – schliesslich sind sich die Kandertaler mit der jährlichen Belle-Epoque-Woche historische Kostüme gewohnt. Der dritte Platz Frutigens mit immerhin 61 Verkleideten ist da schon bemerkenswerter. Hier scheint es eine ähnliche Mentalität in Sachen Geschichtsbewusstsein zu geben.

Was verbindet die beiden Orte denn historisch? Früher waren es Pferdekutschen. Es war allerdings eine nicht ganz ungefährliche Verbindung. Der Autor Mark Twain beschrieb 1878 auf seinem «Bummel durch Europa», wie sich sein Kutscher unterwegs zwischen Frutigen und Kandersteg betrank und dann recht unaufmerksam die Weiterfahrt anging: «Wie er auf seinem Hochsitz kniet, die Ellenbogen auf der Rückenlehne, und mit seligem Blick und flatterndem Haar und vergnügtem rotem Gesicht auf seine Fahrgäste herunterstrahlt!» Heute sorgen natürlich die AFA-Busse für eine sicherere Strassenverbindung. Denn die Fahrer wissen sich inzwischen besser zu beherrschen als ihre Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert.

Was die Orte natürlich ebenfalls nach wie vor verbindet, ist die Schönheit der Landschaft, die Twain ebenfalls so trefflich beschrieb: «Ein wunderschönes, grünes, von Sennenhütten getüpfeltes Tal, ein trauliches Reich, das sich weitab von der Welt in einem abgeschlossenen Winkel verbarg (…). Hier könnte man seelenruhig sein Leben verträumen und es nicht vermissen und sich nichts daraus machen, wenn es dahin ist.» Wenn in diesem Fazit nicht schon etwas Nostalgie mitschwingt …

Gute Chancen für einen Biss

Der Aal ist zwar Fisch des Jahres, aber nicht in Adelboden. Die kalten und strömungsstarken Gewässer machen es dem schleimigen Gesellen nämlich nicht gerade einfach. Dafür haben wir Forellen und die zugehörigen Fischer en masse. Gut, die Letzteren haben es sich einfach gemacht und sich für die Jahresversammlung des Schweizerischen Fischerei-Verbands dort getroffen, wo ihnen ihr Fang garantiert nicht wegschwimmen kann: Bei den Zuchtbecken des Frutiger Tropenhauses.

Wer kann es den Damen und Herren in wasserdichter Hose verdenken? Ich habe mich bei meinen kläglichen Versuchen als Fliegen-Fischer auch öfters gewünscht, meine Angel wieder an einem Zuchtteich auswerfen zu können. Dort, wo die Fische im Minutentakt anbeissen. Dort, wo das Abendessen für die ganze Sippe gesichert ist. Aber irgendwie liess es mein Stolz dann eben doch nicht zu. Und ich blieb in der Natur, und ich haderte weiter mit verknoteten, verhedderten Schnüren und abgerissenen Haken. Na ja, tempi passati.

Item, die Teilnehmer der Fischerei-Jahresversammlung tunkten ihre Ruten sicher nicht in die Zucht-Tanks des Tropenhauses. Ich nehme an, sie knabberten an den obligaten Stör-Knusperli zum Apéro. Und ausserdem konnten sie sich dort trefflich über die Ausstellung rund um bedrohte Fischarten austauschen, welche sie kürzlich aufgebaut hatten. Es ist schon interessant, dass sich genau diejenigen für die Wassertiere einsetzen, die Letztere danach auch wieder aus dem kühlen Nass herausziehen wollen. Aber was weiss ich schon – bei mir beisst ja eh keiner an.