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Ruhen in Frieden

Dieses Bild habe ich am 22. März 2016 gemacht. Würde ich versuchen, heute und dreieinhalb Jahre später an genau derselben Stelle zu fläzen, fiele ich gefühlte zehn Meter in die Tiefe. Mein Sonnenplatz befand sich damals nämlich auf der Aussichtsplattform des Höiturms auf Silleren. Der Adelbodner Hochseilgarten wurde mittlerweile ja bekanntlich abgebaut und in Frutigen wieder neu errichtet. Die Arbeiten rund um die «Züglete» waren dabei gar nicht so ungefährlich, wie folgende Anekdote zeigt.

Ich wollte mit meiner Familie gerade eine Runde Minigolf spielen beim Frutigresort, da tastete sich meine Ferse ins Leere vor. Ich taumelte, ich ruderte mit den Armen, ich äugte nach hinten, und ich staunte: Direkt neben der Bahn klaffte ein ordentliches Loch im Rasen. Und nicht nur eines, sondern zwei, drei und mehr. Sie ahnen es sicher: Die Gastgeber waren damals gerade dabei, Platz für die Fundamente der Höiturm-Pfeiler zu schaffen. Aber mittlerweile steht der Turm ja solid vor dem Frutighuus, und ich kann wieder beruhigt rückwärts laufen.

Trotzdem machen mich diese Veränderungen rund um den Seilparcours nachdenklich. Wie werden sich Adelboden und Frutigen noch einmal dreieinhalb Jahre später präsentieren? Kann ich meine Füsse 2022 wieder – oder noch – auf der Höiturm-Plattform an dieser Stelle hochlagern? Und werde ich diesen Blogpost dann nochmal hervorkramen und erneut kommentieren? Diesbezüglich taste ich jedenfalls noch im Leeren. Das schöne aber ist dabei, dass man diese Leere mit etwas Konstruktivem füllen kann – und sei es nur mit einer guten Schippe Beton fürs Fundament.

Wohlfahrt im Wald

Schön, haben sich Adelboden, Frutigen, Kandergrund, Kandersteg und Reichenbach in Sachen Schutzwälder gerade zusammengeschlossen. Denn der Forst schützt und nützt nicht nur, er hat gemäss den Gemeinden auch eine Wohlfahrtsfunktion. Wohlfahrtsfunktion des Waldes – schade, dass ich mir darunter recht wenig vorstellen kann. Dass es mir wohl ist, wenn ich durch den Forst fahre, dürfte den Kern Sache eher verfehlen. Oder verteilt da jemand Sozialhilfe unter den Tannen? Wohlfahrtsfunktion – im Waldgesetz steht dazu auch nicht viel mehr. Dort redet der Bund lieber von der «Wiederbestockung von Blössen» (Art. 23), was für mich ehrlich gesagt etwas obszön klingt.

Besser erklärt es die Bundesverfassung von 1999: Dort steht, die Wohlfahrtsfunktion des Waldes meine seine Bedeutung als Erholungsraum für die Menschen. Aha. Das stimmt natürlich. Die Waldluft tut unseren Lungen gut, das Klima ist kühl und feucht, die Atmosphäre wind-, lärm- und sonnengeschützt. Ausserdem hat man hier jede Menge Platz, um sich zu bewegen und zu entspannen.

Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch schliesslich finde ich schliesslich noch einen Absatz, der meine Wohlfahrt im Wald noch viel besser funktionieren lässt: Das freie Betreten des Waldes und das Sammeln von Beeren seien jedem gestattet, heisst es dort. Beereni à la carte? Klingt ganz nach einem Motto für die Sommersaison. Denn Wohlgeschmack gehört sicher auch zur Wohlfahrt.

Pflegen wir die Zahlen-Nachbarschaft!

Kennen Sie Sitzendorf an der Schmida? Das ist eine niederösterreichische Marktgemeinde im westlichen Weinviertel. Nun, ich bin zwar nicht gerade ein Fan von Grünem Veltliner, Weissburgunder oder Welschriesling. Trotzdem hat die Gemeinde mein Interesse erregt, da sie über dieselbe Postleitzahl verfügt wie Frutigen: 3714. Da lag die Frage auf der Hand, ob es nicht vielleicht noch mehr Parallelen zwischen den beiden Gemeinden gibt, und ob sich diese Synergien nicht vielleicht touristisch nutzen liessen. Werfen wir also einen Blick gen Österreich:

Mit 2162 Einwohnern ist die Bevölkerung Sitzendorfs mehr als dreimal kleiner als die von Frutigen, die Fläche der Marktgemeinde ist mit knapp 62 Quadratkilometern aber fast gleich gross. Mit anderen Worten: Die haben Platz genug für touristische Angebote. An der Schmida (ein kleiner Fluss wie die Engstlige) liegen entsprechend 3 Rundwanderwege und 3 Themenradwege. Na bitte, da haben wir doch weitere Gemeinsamkeiten. Ausserdem pflegen beide Gemeinden ein reges Vereinsleben (Sitzendorf etwa verfügt über einen Männer-Grillverein, einen Dorf-Erneuerungsverein, eine Kulturinitiative und eine Chorvereinigung «Frohsinn»). Genau wie in Frutigen finden wir auch in 3714 Österreich eine Raiffeisenbank und eine Stahlfabrik, ein Sportzentrum und ein Autohaus. In beiden Ortschaften wird zudem in der Schulraumplanung über Platzmangel und Schulschliessungen diskutiert.

OK, jetzt bin ich endgültig vom Tourismus abgeschweift. Aber bei so vielen Parallelen sollte man den Rahmen wahrscheinlich sowieso ins Politische erweitern. Vielleicht müsste sich Frutigens Gemeindepräsident Faustus Furrer ja einfach mal ungezwungen mit Sitzendorfs Bürgermeister Martin Reiter treffen. Bei einem Grünem Veltliner, oder noch besser: bei einem 3714 Frutigbier.

Kein Schlaf in Frutigen

Da war man nur einen kurzen Moment vom Blog-Geschäft abgelenkt (es ging um Murmeltiere, fragen Sie nicht nach Details), und schon hat sich die Schneegrenze also zu meinem Büro hinunter bequemt. Woraus erstens folgt, die Heizung aufzudrehen, und zweitens, wegen der Hitze ganz schläfrig zu werden. Ach ja, die Murmeltiere und ihr Winterschlaf, sie bleiben mir weiterhin treu.

Blicke ich zu den Pisten hinauf, kann ich die bis 70 Meter langen Bauten der knuffigen Nager unter der weissen Decke erahnen. Friedlich stelle ich mir es vor, das sechs Monate lange Nickerchen, während das angefressene Körperfett langsam vor sich hinschmilzt. Wobei mir nicht ganz einleuchtet, wie sich die Tiere den prallen Winterbauch einzig mit einer Diät aus Gräsern und Kräuter, Samen und Insekten anfressen konnten. Je nun.

Senke ich den Blick von den Pisten nach Frutigen hinunter, bleiben die Murmeltiere trotzdem im Fokus. Da hat das Frutigresort nämlich gerade die Eröffnung des Restaurants Bemato verkündet, und was steht im Kleingedruckten am Schluss? Dass die zweite Bauetappe nun der Fertigstellung des Murmeli-Erlebnisspielplatzes gewidmet ist. 60 Meter Tunnelsystem wurden schon erstellt – das klingt doch wie bei den alpinen Vorbildern.

Ganze Schiffscontainer hat man zudem beim Frutigresort für unterirdische Spielräume vergraben. Bei diesen Dimensionen können die Tunnelbewohner punkto Winterfett noch einiges zulegen. Und dafür braucht es keine kargen Gräser und Samen von der Weide: Das «Bemato» bietet schliesslich Mittagsmenus unter dem Motto «all you can eat and drink» an. Da müssen die modernen Murmeltiere ihre Nachtruhe wohl noch etwas aufschieben …

Der Stein kehrt zurück

Eigentlich wollte ich nur kurz schauen, woher der Schiefer eigentlich stammt. Ich hatte gehört, dass das Kandertaler Geschäft mit Naturstein nach der Baisse der 60er-Jahre wieder anziehe, wobei die letzte Schiefertafelfabrik in Frutigen ihr Material aber zumeist aus Italien importiere.

Nun gut, Italien ist nicht weit. Tatsächlich gibt es massig Schiefer im Piemont und in Ligurien. Schöne Gegenden, das. Nicht nur auf dem Gsürweg lässt es sich nämlich auf leicht bröckligem Untergrund wandeln. Dann habe ich den Fehler gemacht und historisch noch etwas weiter zurück geblickt. Unser schöner Schiefer entstand am Grund der Tethyssee am Penninischen Ozean. Was für Namen. Beide Wässerchen existieren längst nicht mehr und beschränken ihre Funktion mittlerweile darauf, Blogger bei der Recherche zu verwirren.

Item. Die alten Meere sind weg, aber die neue Nachfrage nach Schiefer bleibt. Was mich da immerhin passend deucht: Schiefer lagerte sich während der Kreidezeit am Meeresboden ab. Dieser Name sagt mir schon mehr zu. Vielleicht werden ja bald nebst Küchenplatten und Dächern auch wieder Schultafeln aus Schiefer gefertigt – und eine neue Kreidezeit bricht an …