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Mit den Augen eines Gastes

Letztes Wochenende bekam ich Besuch aus Zürich und nehme heute dich, lieber Leser mit auf das Abenteuer “Städter in den Bergen”. Nicht, dass ich nun ein lokal-patriotisches Loblied auf Adelboden singen möchte, nein. Vielmehr wurde mir wieder einmal bewusst, was wir als “alltäglich” und “gewohnt” einfach so hinnehmen. Mir wurden Dinge vor Augen geführt, an welche ich schon gar nicht mehr gedacht habe. Aber der Reihe nach:

Am ersten Abend gabs Kontrastprogramm: Die ruhige Dorfstrasse der Zwischensaison – zu viel Ruhe, hätte man meinen können, und ja es war schon sehr sehr ruhig so spät Abends – aber für Zürich-gewohnte Ohren war dies wohl extrem geräuscharm. Am nächsten Tag schickte ich meinen Besuch in den Haueter zum Z’Mittag. Und ich war verblüfft: die beiden rühmten das Essen so dermassen, dass wir kurz darauf die schmackhaften Wienerli bei Gempeler Fritz besorgen mussten – quasi als kulinarisches Souvenir. Trotz nassem Regenwetter liess ich es mir nicht nehmen, den beiden meine persönlichen Adelboden-Favourites zu zeigen: allem voran der Wasserfall und natürlich mein Namensvetter, der “Chälistii”. Nach etwas Bewegung in der Natur, gings abends in den Adler – der berühmte Velosattel sollte auch das “Unterländer” Herz erfreuen, das tat er dann auch und spätestens als wir beim Chäs Mani den Wildstrubel-Käse degustierten und meine Gäste beinahe einen ganzen Laib mit nach Zürich schleppten, fand ich mich ganz und gar in meiner Rolle als “Gastgeber im eigenen Dorf”.

Immer wieder wurde mir gesagt, wie freundlich wir “Bergler” seien, wie frisch hier oben alles sei (nicht nur die Luft) und wie willkommen sie sich fühlten. Dies machte mich sehr dankbar, hier leben zu dürfen und vor allem dankbar, dass mir dies wieder einmal bewusst gemacht wurde. Gastgeber sein bedeutet nicht, ein Hotel zu besitzen oder im Restaurant Touristen zu bewirten. Jeder in Adelboden kann dies sein. Es bedeutet viel mehr, den Dorfgedanken zu teilen, Gäste an unseren lokalen Gepflogenheiten und an unserem Alltag teilhaben zu lassen, unsere Naturverbundenheit einzubringen – Gastgebertum hat meiner Meinung nach viel mit Dankbarkeit zu tun. Schliesslich können wir stolz sein, auf all die Möglichkeiten, lokale Produkte zu beziehen und zu wissen, woher unser Essen kommt und auf die Gemeinschaft. Ein Dorf lebt, wenn die Gemeinschaft lebt, aber es lebt eben auch, wenn Gäste es beleben und wieder kommen – ein Leben lang.

 

 

Tagwach um 3.45 – der Gipfel ruft!

Einer der schönsten Plätze in oder besser gesagt über Adelboden erhielt diese Woche gleich doppelten Besuch vom Vogellisi. Der Bunderspitz bei Sonnenaufgang.

Wenn die Adelbodner und manchmal auch Gäste freiwillig mitten in der Nacht aufstehen, muss vermutlich eine grosse Entschädigung auf sie warten. Genau so war es auch diesmal wieder. Wie es zum sommerlichen Ritual eines Einheimischen gehört, machten sich auch Rägäpöli und Chälistii auf den Marsch, welcher mit Stirnlampe und dick eingepackt im Schwarz der Nacht beginnt, Richtung Gipfel auf 2546 Meter über Meer. Auf dem Gipfel erwartet einem Wind, Kälte, verschwitze Kleidung, ABER: Ruhe, schroffe Felswände und die aufgehende Sonne. So pur und unverfälscht erlebt man die Natur an kaum einem zweiten Ort im Tal. Die anfängliche Müdigkeit und Anstrengung ist schnell verflogen und bald schon geht es zurück ins Tal zum wohlverdienten Brunch. Wo, wie und was wir brunchen, und alles rund um feine Brunchmöglichkeiten in Adelboden werden wir euch bald auf unserem Blog verraten.

 

Happy weekend!

Der (Hörndli) Weg ist das Ziel!

Wer bei diesem sonnigen Wetter Adelboden joggend erleben möchte, der sollte sich den Hörndliweg nicht vorenthalten. Der Panoramaweg oberhalb des Dorfkerns schlängelt sich entlang der Tschentenfluh durch den Wald.

Kein Asphalt, kein Verkehr, Ruhe, frische Luft und viel Grün bieten optimale Voraussetzungen zum “Secklä”. Das coupierte Gelände lässt die Beine schön schnell sauer werden, und wenn man denkt, es geht nicht mehr wird man – beim Daubenfels angekommen – mit einem wunderschönen Panorama entlöhnt.

Eine kurze Rast, um die Aussicht auf den Wildstrubel zu geniessen, muss immer sein. Kurz darauf und immer noch ausser Atem gehts weiter und ich bin froh, dass der Vogellisi- Berglauf erst in gut zwei Monaten stattfindet!

 

 

Wasserschloss 2.0 oder: der König der Engstligen!

Die Gewalt des Wassers hat die Schweiz in den letzten Tagen auf Trab gehalten, und dass die braungefärbte Engstlige sich zum wild tobenden Bergbach entwickelte, liess glatt vergessen, dass deren Ausgangspunkt normalerweise durchaus harmonischer und eindrucksvoller ist, denn…

…von Weitem hört man das Rauschen und Donnern der Wassermassen, tosend sucht er seinen Weg ins Tal. Ein Weg, der durch und über die Felswände hinaus führt und derart markant und exponiert ist, dass man ihn vom ganzen Dorf her sieht.

Die Rede ist von den Engstligfällen, die zusammen mit dem Wildstrubel eine Kulisse bilden, die gerne auch als “der schönste Talabschluss der Welt” betitelt wird. Hoch oben, über dem Engstligenbach thront er, der König. Die Fälle stürzen gut 600 Meter in die Tiefe und sind so die zweithöchsten Wasserfälle der Schweiz. Das Naturschauspiel, welches bereits 1948 unter Naturschutz gestellt wurde, ist ein wahrer Kraftort, der wirklich ein Besuch wert ist (die Aussichten auf die nächsten Tage sind ja durchaus sonnig).

Ach übrigens, ganz in der Nähe der Engstligfälle ist auch der sagenumworbene Chälistii versteckt:

“Wiischt wan dr Chälistii ischt? We mu inhi giiht, rächter Hand vam Stuub (Wassefall). Da liit e hushöija Stii, va z’oberischt bis z’underischt gschpaltna. Inischt ischt er ganza gsi. Da hiigen am helige Sunntig d’Lüt uf mu tanzet u g’horet u g’holejet ol vilichter nuch gschpilt u gfluechet. Du fa’jis a blickene u dundere u sigi uf ds mal ganz stockfiischter worden u due gäbi’s en grüseliga, schützliga Chlapf grad z’mitts i Stii u dä ischt varenandere ghit, u vann den ewägg hiigi er dä Chlack!”