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Kräutersammeln für Dummies

Was das alte Vogellisi kann, kann ich schon lange. Gut, ich verfüge über kein mentales Lexikon für Heilpflanzen. Ich habe keine Ahnung, wie Johanneskraut, Beifuss oder Giersch eigentlich aussehen. Ich würde Echtes Labkraut nicht einmal erkennen, wenn es bis zu meiner Wohnung im zweiten Stock hinauf wuchern würde. Aber das muss ich auch gar nicht. Manchmal sind es banale Unkräuter, die einem weiterhelfen.

So fehlt mir auf Vogellisis Spuren zum Beispiel die Kondition der rüstigen Dame – zack, schon zwickt’s im Bein. Da hilft das krampfstillende Gänseblümchen am Wegesrand. Kurze Zeit später stösst mir das Frühstück sauer auf – der Frischkäse war doch nicht mehr so frisch. Gut, wirkt die Brennnessel an der Böschung auch bei Magen- und Darmproblemen. So, jetzt wird die Kräuterexpedition aber richtig anstrengend. Der Atem rasselt, die Kehle brennt. Immerhin windet sich dort Efeu die Tanne hinauf: Nützlich bei Katarrhe der Luftwege und entzündlichen Bronchialerkrankungen. Es wird Abend, und am Waldrand stürzen sich die Mücken auf mich. Da kommen nun zerriebene, abschwellende Blätter vom Spitzwegerich zum Einsatz.

Wieder zu Hause, scheine ich dem Vogellisi ein ganzes Stück nähergerückt. Jetzt nur noch einen Schafgarbentee gegen meine furchtbar geschwollenen Füsse. Und dann ein bisschen Radio RaBe hören.

Rockin’ All Over the Berg

Vergangenes Wochenende zwitscherte das Vogellisi etwas lauter als gewöhnlich. Und nicht nur das – dabei wurde es auch noch tatkräftig von Gitarrenklängen begleitet. Am Ende des Tals, wo man sonst nur dem Tosen des Engstligfalles lauscht, versammelten sich Menschen jedes Alters, um sich zwei Tage und Nächte lang am Vogellisi Festival die Seele aus dem Leib zu singen, tanzen und feiern.

Wer nicht dabei sein konnte, den vertröstet vielleicht unsere Galerie mit einigen Impressionen. Und ausserdem sei ihm der Weg ins Unter dem Birg fürs nächste Vogellisi Festival in zwei Jahren wärmstens ans Herz gelegt.

Funfact: Wer genau hinsah konnte in Polo Hofers Weinglas einen rot blinkenden Eiswürfel erkennen. Und das ist ja wohl mindestens bemerkenswert.

Schnapsideen

Ich mag Single-Malt-Whiskys. Das soll jetzt kein Fachvortrag über Spirituosen werden, nur eine kleine Anekdote dazu: Ich suchte also einen 25-jährigen «Glenfarclas» in der Stadt Bern. Sherrylastiger und eichentöniger Saft aus der Speyside. In einer winzigen Seitengasse fand ich im zweiten Stock endlich einen Schnapsladen, der mir eine Flasche dieses malzigen Wunders versprach. Ebenerdig sucht man in der Hauptstadt ja sonst vergeblich nach schottischen Bränden. Item, viele Wochen vergingen, und nach mehreren Anrufen wurde mir schliesslich eröffnet, der Glenfarclas sei vergriffen. Enttäuscht bestellte ich das starke Wässerchen halt im Internet.

Später fiel mir in der Adelbodner Dorfstrasse auf, wie viele edle Single-Malts da eigentlich in den Schaufenstern warten. Ich meine, ich rede jetzt nicht von 4-Sterne-Bars und Fachgeschäften, die es hier ja auch gibt. Nein, die «Bruichladdichs» und «Highland Parks» und «Auchentoshans» stehen hier buchstäblich neben dem Dörrfleisch in der Auslage oder bereichern das kleine Pub von nebenan. Sind das die Nachwehen der englischen Touristenflut von anno dazumal? Oder liegt es daran, dass das Berner Oberland auch so eine Art «Highland» ist? «Angus»-Rinder werden hier ja ebenfalls gezüchtet, und Hochprozentiges gehört vielleicht einfach in die höheren Lagen. Ich weiss es nicht. Aber in Sachen Single-Malt ist Adelboden sicher mehr Hauptstadt als Bern.