Beiträge

In eigener Sache

Eine Tradition weiterzuführen, ist schön. So verstehe ich jeden Beitrag in diesem Blog auch als Fortsetzung der Vogellisi-Saga –  ich blogge hier schliesslich bereits seit (da staune ich selbst!) 2014. Und ich bin ja nicht der einzige, der das Erbe der Kräuterfrau seit Längerem pflegt. Anfang Juli singen ihr zu Ehren wieder zahlreiche Künstler am 11. Vogellisi-Festival, und Ende Juli findet der Vogellisi-Berglauf bereits zum 16. Mal statt. So weit, so etabliert.

Stellt sich nur die Frage, ob zu viele Köche nicht den Brei verderben. Denn die Reihen der Vogellisi-Sympathisanten werden immer breiter. Die Bergbahnen Adelboden AG etwa hat gerade die neue Marke Vogellisi-Berg lanciert und darunter alle Sommerangebote zusammengefasst (Motto: «Komm hoch und träume»). Daneben tickt der Countdown zur Eröffnung des Vogellisi-Erlebniswegs am 13. Juli – notabene organisiert von «Vogellisis 50 besten Freunden». So weit, so überbordend?

Dann aber besinne ich mich, wie ich vor 6 Jahren den Vogellisi-Blog mit folgenden Worten vorgestellt habe: «Die Legende ist in jedem Mund, weil jeder Mund die Geschichte anders erzählt. Diese Plattform soll ebenso vielfältig und vieldeutig sein wie das Lisi selbst.» Das gilt nach wie vor und auch über den Blog hinaus. In diesem Sinne beleben mehr Akteure die Saga – weil ihr jeder eine neue Deutung hinzufügt. Es lässt sich halt einfach nicht in eine Schublade stecken, das Lisi. So weit, so rätselhaft.

Es gibt immer einen Grund zum Abheben

Nach Weihnachten, Silvester und dem Weltcup ist den Oberländern nicht mehr nach Festen zumute? Aber mitnichten! Ein Blick auf den Kalender verrät, dass sich am 10. Januar eine unglaubliche Menge an Feiertagen konzentriert. Sie mögen ihren Ursprung nicht in der Region haben, sind aber trotzdem genau auf das Engstligtal zugeschnitten:

  • Der 10. Januar gilt etwa als Spar-Energiekosten-Tag. Der fügt sich wunderbar in ein Tal, das über ein derart grosses Potenzial an Wasser- und Solarenergie verfügt.
  • Der 10. Januar wird auch als Tag der Zartbitterschokolade gefeiert. Auch das passt ins Gemeindebild: Wer der Adelbodner Dorfstrasse entlang flaniert, findet genügend süsse Gründe, an diesem Datum anzureisen.
  • Und schliesslich findet am 10. Januar auch der Rettet-die-Adler-Tag statt. Ideal: Erst letzte Woche wurde in Frutigen ein Adlerweibchen ausgewildert. Und mit Chrigel Maurer haben wir ja noch ein weiteres putzmunteres Exemplar am Himmel.

An alle also, die in den nächsten Tagen etwas abspecken wollten: Sorry, aber das Feiern geht weiter.

“Ich – 24, Weltenbummler und Küchenchef” – dr Vogellisichopf vam Heuet

Er ist jung, voller Elan und passionierter Weltenbummler – Dominc Schranz, mit 24 Jahren der jüngste Küchenchef Adelbodens. Dass sein junges Alter aber kein Nachteil ist und ihn das Thema Foodwaste sehr beschäftigt – Dominic kam, sprach und alle meine Vorurteile wurden zu Nichte gemacht. Doch beginnen wir ganz vorne:

Aufgewachsen im Hotelbetrieb der Eltern machte Dominic seine Lehre als Koch im Hotel Adler, nach erfolgreichem Lehrabschluss, erwartete ihn der grüne Urlaub, wo er unter anderem lernte, was es heisst, 6000 Mahlzeiten am Tag zuzubereiten. Dank seinem Vorgesetzen im Militär verschlug es ihn anschliessend nach Ascona, wo er das erste Mal mit der Sterneküche in Berührung kam. Aus familiären Gründen zog es ihn aber bald wieder zurück in die Heimat und so kam es, dass Dominic schon bald als Sous-Chef im Adler sein Comeback gab und bald darauf als Küchenchef agieren durfe. Sein junges Alter war aber nie ein Thema: „Käthi und Lothar standen und stehen immer hinter mir und sobald du merkst, dass deine Gerichte ankommen, fühle ich mich doppelt bestätigt“.

Doch nicht nur der Chefkoch sticht mit seinem Alter heraus; das Küchenteam im Hotel Adler ist ein sogenannter Jungbrunnen, die „älteste“ Mitarbeiterin ist gerade mal 27 Jahre alt.  „In so einem jungen Team zu arbeiten, „fägt“ und wir ziehen einander gegenseitig mit unsere Motivation und dem jungen, frischen Elan mit“.  Sein Alter werde immer wieder thematisiert, allerdings ausschliesslich positiv aufgenommen. Bei der wöchentlichen Hotelführung für Gäste ernte er vor allem Erstaunen und Lob.

Nun arbeitet Dominic bereits sieben Jahre im Adler und möchte nichts Anderes tun. Zwar heisst Chefkoch sein auch auf gewisse Dinge zu verzichten – sein geliebtes Hobby das Eishockey hat er daher an den Nagel hängen müssen. Sogar das Kochen komme manchmal fast zu kurz, denn „ich bin verantwortlich für die Personalplanung von 9 Köchen und 4 Mitarbeiter im Office, Bestellungen, die Ausbildung von zwei Lehrlingen, die Wochenplanung, sowie die Menugestaltung – das bedeutet: viel administrative Arbeit, es macht mir aber wirklich grossen Spass so viel Verantwortung tragen zu dürfen“.

Und ich glaube es ihm, denn mein Gegenüber sprudelt vor Leidenschaft & Begeisterung. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen und insgeheim freue ich mich bereits auf das nächste Essen im Adler.

Schaut man die Speisekarte des Restaurants Adler an, fallen exotische Gerichte wie Quinoa Burger, Thai Curry ins Auge, und apropos Auge: die Gerichte sind ein regelrechter Hingucker, geschmacklich „obäus“ und Dominic versteht es, aus einem „einfachen“ Schnipo ein Erlebnis für alle Sinne zu kreieren.

Doch woher die Ideen? „Ich versuche Trends aufzuspüren, reise in der Zwischensaison sehr viel und bekomme so mit, was in anderen Kulturen gekocht und gegessen wird – diese kulturell vielfältigen Eindrücke inspirieren mich jeweils ungemein. Zudem ist es mir wichtig, dass alle Essensgewohnheiten gleichermassen respektiert werden – denn egal ob Fleischessen, Vegetarier oder Veganer – im Adler soll jeder Gast sein“.

Nebst dem Reisen, stammen viele Ideen aus dem WWW, Instagram und Restaurantbesuchen bei Berufskollegen. „All diese Eindrücke geben mir Inputs, Neues zu kreieren oder Bestehendes abzuändern“.

Dominics Credo lautet: einfach, frisch und regional und „ich versuche stets aus einfachen Sachen etwas Cooles zu machen, Essen soll ein Erlebnis sein – für Feinschmecker, Wanderer und Familien gleichermassen“. So erstaunt auch sein Lieblingsessen nicht – welches nach langem Überlegen fällt: „ich mag Einfaches, jeder denkt immer Köche als Gäste seien sehr anspruchsvoll, das dem ist nicht so – ich mag Lasgane oder Ravioli – Hauptsache frisch und gut“. Er esse eigentlich alles, verrät Dominic mir – „ausser vielleicht bei spanischen Nierli oder Ähnlichem – da hört auch bei mir der Spass auf“.

Welche Ziele hat jemand, der so jung bereits schon so weit oben in der Karriereleiter steht?

„Ein grosses Anliegen ist mir das Thema Foodwaste. In diesem Bereich habe ich auch schon Kurse besucht und richte meine Einkäufe heute auch danach. Beispielsweise versuche ich vom Tier stets so viel wie möglich zu verwerten und kaufe Wild nur im Herbst und als ganzes Tier ein – dabei gebe ich das Verständnis und die Verarbeitung von A bis Z meinen Lehrlingen weiter. Das Thema Foodwaste liegt mir wirklich sehr am Herzen“.

 

Einige Fragen zum Schluss:

Kochen oder Essen?

„Ganz klar Kochen – das Handwerk fasziniert mich seit jeher“

 

Strubel oder Lohner?

„Als Bodner ganz klar der Strubel“

 

Sonne oder Adler?

„Sonne – die Pension meiner Eltern bedeutet Heimat und Wurzeln“

 

Winter soder Sommersaison?

„Winter – es gibt mehr zu tun und die Temperatur in der Küche ist angenehmer“

 

Er ist jung, voller Elan und passionierter Weltenbummler – Dominic prägt den Adlerbodner Gaumen, geht der Zeit im Lohnerdorf immer einen Schritt voraus – mit Talent, Arbeit, Herzlichkeit und ganz viel Passion gelingt ihm der Spagat zwischen Internationalität und Heimat ausgezeichnet.

Adler – nicht nur König der Lüfte

Der Adler.

König der Lüfte.

König der Alpen.

Wappentier des Lohnerdorfs.

Namensgeber für ein beliebtes Hotel und Restaurant.

Ein weiteres Mal hat der Vogellisiblog das Brunchangebot Adelbodens getestet und ist dazu an einem winterlichen Sonntagmorgen im Hotel Adler eingekehrt.

 

An diesem Sonntagmorgen ist es im Hotel Adler relativ ruhig – entweder liegt es daran, dass wir früh dran sind oder dass alle Hotelgäste bereits die Skipiste unsicher machen. Wie dem auch sei, wir bestellen unsere Getränke und erkunden das reichhaltige Buffet. Wo fange ich an? Salzig oder süss?

Nutella oder Confi?

Joghurt oder Müsli?

Rösti oder Fruchtsalat?

Greyezer oder Camembert?

Spiegelei oder weichgekochtes Ei?

Beginnen wir mit Brot! Brot? Hmm, Gipfeli, Weggli, Butterzopf, Urdinkel, Ruch-, Maisbrot, Vollkorn oder gar glutenfrei?

Hmm, also nochmals von vorne – statt werden wir bestimmt!

Die Auswahl ist sehr umfassend, jeder “Zmorgetyp” findet das Nötige für einen gelungen Start in den Tag, selbst auf Unverträglichkeiten wird eingegangen, was ich für Adelboden sehr bemerkenswert finde! Das Personal ist sehr aufmerksam, das Ambiente gemütlich.

Was zudem sehr erwähnenswert ist, dass grossen Wert auf einheimische und regionale Produkte gelegt wird. Wer also regelmässig im “Schwand” einkauft, erkennt die Lenker Butter, das Bühlbergmutschli, das Urdinkelbrot vom Michel, das Maisbrot vom Schmid und Hauerters Butterzopf.

Der Adler.

König der Lüfte.

König der Alpen.

Wappentier des Lohnerdorfs.

Namensgeber für ein beliebtes Hotel und Restaurant.

und König des Frühstücks!

 

Mit den Augen eines Gastes

Letztes Wochenende bekam ich Besuch aus Zürich und nehme heute dich, lieber Leser mit auf das Abenteuer “Städter in den Bergen”. Nicht, dass ich nun ein lokal-patriotisches Loblied auf Adelboden singen möchte, nein. Vielmehr wurde mir wieder einmal bewusst, was wir als “alltäglich” und “gewohnt” einfach so hinnehmen. Mir wurden Dinge vor Augen geführt, an welche ich schon gar nicht mehr gedacht habe. Aber der Reihe nach:

Am ersten Abend gabs Kontrastprogramm: Die ruhige Dorfstrasse der Zwischensaison – zu viel Ruhe, hätte man meinen können, und ja es war schon sehr sehr ruhig so spät Abends – aber für Zürich-gewohnte Ohren war dies wohl extrem geräuscharm. Am nächsten Tag schickte ich meinen Besuch in den Haueter zum Z’Mittag. Und ich war verblüfft: die beiden rühmten das Essen so dermassen, dass wir kurz darauf die schmackhaften Wienerli bei Gempeler Fritz besorgen mussten – quasi als kulinarisches Souvenir. Trotz nassem Regenwetter liess ich es mir nicht nehmen, den beiden meine persönlichen Adelboden-Favourites zu zeigen: allem voran der Wasserfall und natürlich mein Namensvetter, der “Chälistii”. Nach etwas Bewegung in der Natur, gings abends in den Adler – der berühmte Velosattel sollte auch das “Unterländer” Herz erfreuen, das tat er dann auch und spätestens als wir beim Chäs Mani den Wildstrubel-Käse degustierten und meine Gäste beinahe einen ganzen Laib mit nach Zürich schleppten, fand ich mich ganz und gar in meiner Rolle als “Gastgeber im eigenen Dorf”.

Immer wieder wurde mir gesagt, wie freundlich wir “Bergler” seien, wie frisch hier oben alles sei (nicht nur die Luft) und wie willkommen sie sich fühlten. Dies machte mich sehr dankbar, hier leben zu dürfen und vor allem dankbar, dass mir dies wieder einmal bewusst gemacht wurde. Gastgeber sein bedeutet nicht, ein Hotel zu besitzen oder im Restaurant Touristen zu bewirten. Jeder in Adelboden kann dies sein. Es bedeutet viel mehr, den Dorfgedanken zu teilen, Gäste an unseren lokalen Gepflogenheiten und an unserem Alltag teilhaben zu lassen, unsere Naturverbundenheit einzubringen – Gastgebertum hat meiner Meinung nach viel mit Dankbarkeit zu tun. Schliesslich können wir stolz sein, auf all die Möglichkeiten, lokale Produkte zu beziehen und zu wissen, woher unser Essen kommt und auf die Gemeinschaft. Ein Dorf lebt, wenn die Gemeinschaft lebt, aber es lebt eben auch, wenn Gäste es beleben und wieder kommen – ein Leben lang.