Klassische Kontraste

Schwarz-Weiss-Denken ist ja verpönt. Schwarz-Weiss-Sehen gilt als veraltet. Schwarz-Weiss-Hören dagegen ist weder sonderlich bekannt noch deplatziert. Und genau das werde ich am 29. September denn auch tun: Am Swiss Chamber Music Festival in Adelboden das Konzert des Schwarz-Weiss-Duos mit Cellistin Ilona-Aleksandra Basiak und Pianist Mischa Kozłowskides besuchen.

Warum die zwei Polen genau diesen Namen für ihr Ensemble gewählt haben, kann nur erahnen. War es die Liederwahl? Immerhin interpretieren die beiden ebenso Kompositionen von Beethoven wie zeitgenössische Werke etwa des Berners Thomas Demenga. Oder bezieht sich der Name auf den Kontrast zwischen dem recht populären Pianisten und der weitgehend unbekannten Cellistin? Oder haben sich die beiden einfach vom gemeinsamen Schwarz-Weiss-Foto inspirieren lassen? Machen Kleider Namen? Oder die Geschlechter? Eine mögliche Erklärung sähe ich auch bei instrumentalen Differenzen: Der warme Holzklang des Streichinstruments versus die helleren, härteren Piano-Töne. Sind es am Ende gar die grossen Unterschiede zwischen dem Warschauer Musik-Studium und der Schweizer Alpenwelt, die das Duo geprägt haben? Oder sind die Unterschiede am Ende doch nicht so gross?

Ich weiss es nicht. Ich war auch noch nie in Warschau. Aber das Konzert in der Dorfkirche höre ich mir gerne an in der Hoffnung, dass sich der Schleier leicht lüftet. Und dass das Schwarz-Weiss-Hören das Schwarz-Weiss-Denken weiter reduziert. Ich bin da ganz Ohr.

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