Der slowenische Geheim-Mentor

In den späten 90er-Jahren hatte ich am Lehrerseminar einen hervorragenden Englischlehrer. Er liess in den Pausen jeweils eine uralte Musikkassette der Slokar Trombones laufen – instrumentale Posaunenstücke mit einem schwer fassbaren Charme. Das ist jetzt 20 Jahre her, und doch weiss ich noch genau, wie der Bläsersatz damals im Klassenzimmer erklang, unaufdringlich, weich und doch einprägsam.

Nach einer langen, langen Zäsur findet diese Geschichte nun eine überraschende Fortsetzung: Im aktuellen Programm des Swiss Chamber Music Festivals stosse ich doch tatsächlich auf das Slokar Posaunenquartett. Es ist der Slowene und Wahlschweizer Branimir Slokar mit seinen Mannen, der am am 1. Oktober das Schlusskonzert in der reformierten Kirche bestreitet. Kann das Zufall sein? Nein: Etwas Recherche zeigt, dass ich mich wohl unbewusst immer im Sog des Altmeisters befunden haben musste.

Als Mitt-Zwanziger erhielt Branimir Slokar einen Lehrauftrag für Musik. Auch ich habe in diesem Alter zunächst meine pädagogische Ausbildung abgeschlossen. Der Slowene hat danach unzählige Lehrbücher verfasst. Auch ich habe mich anschliessend aufs Schreiben verlegt. Der Solist spielte früher in der Chicago Orchestra Hall. In diese Stadt hat es mich Jahre später ebenfalls verschlagen, nicht zuletzt der Musik wegen. Slokar zog mit seiner Familie schliesslich ins Berner Oberland. Wo nun auch ich arbeite.

Bei soviel Vorbildcharakter dürfte das Schlusskonzert in Adelboden für mich wohl kaum den Schlusspunkt bilden. Doch macht die Geschichte danach erneut eine lange Pause? Mal sehen, was das Jahr 2037 bringt.

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