Das ist mein Bier

Es gibt mehrere Faktoren, warum der Griff zum Hopfentee gerade wieder angesagt ist. Da wäre einmal der Sommeranfang. Dass dieser momentan noch etwas verhalten wirkt, ist dabei kein Argument: Es ist erwiesen, dass Temperaturen über 28 Grad nur unnötig den Bierdurst schmälern. Da wäre dann zweitens der EM-Start. Dass in den Pausen der allgemeine Wasserverbrauch wegen unzähliger Toilettenspülungen etwa ums Doppelte in die Höhe schnellt, spricht für sich. Da wäre drittens der Saisonstart der Bergbahnen mit ihren Terrassen. Da wäre viertens die wachsende Nachfrage nach Craft-Bieren, also Getränken aus kleinen, kreativen Betrieben. Da wäre fünftens schliesslich die Zunahme der Braustätten: Vor 30 Jahren waren es 35 in der Schweiz, mittlerweile zählen wir über 574 davon.

Da sitze ich also auf Tschenten und nippe am untergärigen Hausbergbier aus der kleinen Berner Tramdepot-Brauerei. Bin ich nun ein typischer Craft-Bier-Hipster? Mal sehen: Männlichen Geschlechts? Check. Vollbärtig? Check. Tätowiert mit Karo-Hemd? Fail. Start-up-Gründer aus Zürich? Fail. Nein, man muss eben kein Craft-Spinner sein, um beim Barkeeper nicht einfach «ein Bier» zu bestellen. Man kann auch schlicht ein Geniesser sein, den es freut, wenn einheimische Getränke mit Charakter serviert werden. Und diese malzige Handwerkskunst ist zudem fast zu schade, um hastig während eines EM-Spiels vernichtet zu werden. Auf der Alp gilt eben besonders: Nimm dir Zeit. Es gibt für jede Situation das passende Bier.

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