Chinesen in himmlischer Ruh

«Stille Nacht, heilige Nacht» – das alte Weihnachtslied hat ja gerade Hochsaison. Dass alles schläft und jemand einsam wacht, weiss auch das Vogellisi längst. Aber mit dem Singen der deutschen Urfassung ist es nicht getan. Adelboden würde seinem Ruf als internationale Feriendestination nicht gerecht, wenn es die anderen Versionen des Lieds nicht ebenfalls berücksichtigen könnte.

Den österreichischen und deutschen Gästen reicht wie gesagt das Original von «Stille Nacht». Aber wie steht es mit den englischsprachigen Besuchern? Die haben den alpinen Tourismus schliesslich angekurbelt und verdienen es, dass man ihr Lied ebenfalls kennt. «Silent night! Holy night! All′s asleep, one sole light, just the faithful and holy pair, lovely boy-child with curly hair, sleep in heavenly peace», lautet die Übersetzung der ersten Strophe. Das ist ja recht einfach und nahezu 1:1 übersetzt.

Und auf Niederländisch? Die Holländer sind ja ebenfalls gut vertreten im Oberland. «Stille nacht , heilige nacht. Davids zoon, lang verwacht, die miljoenen eens zaligen zal, wordt geboren in Bethlehems stal. Hij der schepselen Heer», heisst es da. Anfang ok. Aber dann Davids Sohn? Bethlehems Stall? «Der schepselen Heer» (Herr der Geschöpfe)? Das kommt in der deutschen Fassung zu Beginn aber nicht vor … Wo ist denn der holde Knab’ im lockigen Haar geblieben? Auch in der zweiten Zeile der französischen Variante keine Übereinstimmung: «Dans le ciel l′astre luit». Schön für den Stern, dass er leuchtet, aber in der deutschen Vorlage steht kein Wort davon.

Anscheinend haben sich die Übersetzer von Weihnachtsliedern recht viele Freiheiten genommen. Aber das sollten wir ihnen verzeihen. Schliesslich wird es auch recht holprig und ungewohnt klingen, wenn wir unsere chinesischen Gäste mit «Stille Nacht» auf Mandarin begrüssen. Zum Einstieg: Das Lied heisst in Fernost 平安夜.

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