Hören Sie auf die Zapfen!

Minus 1, minus 4, minus 6 – wenn ich die Adelbodner Wetterprognose der nächsten Tage betrachte, weiss ich: Nun ist wieder die Zeit der Eiszapfen gekommen. Diese transparenten Schönheiten verzieren nicht nur Felswände und Dachrinnen, sondern geben auch wertvolle Hinweise für unseren Arbeitsalltag. Das mag jetzt ein wenig gesucht klingen, doch es stimmt: Gerade wer in seinem Job momentan schwierige Projekte wälzt, kann sich die kühlen Gesellen zum Vorbild nehmen:

Erstens besteht jeder Eiszapfen zu Beginn aus einem einzigen Tropfen. Es braucht also nur einen winzigen Anhaltspunkt, der auskristallisiert. Einmal festgesetzt, kann der Mini-Zapfen weiter wachsen. Übersetzt in die Arbeitssprache hiesse das: Das grosse Ziel im Auge behalten ist gut, doch es sind viele kleine Schritte, die dorthin führen. Dass junge Eiszapfen oft noch eine unattraktive Kegelform und viele Blasen aufweisen, sollte uns dabei nicht stören. Kinderkrankheiten sind unvermeidlich im Wachstumsprozess.

Zweitens benötigen Eiszapfen sowohl Schmelzwasser wie auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, um zu gedeihen. Es braucht also das kreative Spiel der Extreme, um grosse Resultate zu erzielen. Wer nur eine Seite berücksichtigt, riskiert Stillstand (kein neues Schmelzwasser) oder macht Rückschritte (Eis schmilzt wieder weg).

Drittens wachsen Eizapfen in der Länge zehnmal schneller als in der Breite. Es ist also ratsam, einem Projekt viel Raum zu lassen – aber man muss auch wissen, in welcher Richtung. Wer Kapazitäten schafft, wo sie nicht gebraucht werden, verschwendet seine Ressourcen.

Viertens hängt bei einem Eiszapfen ganz unten das, womit alles angefangen hat: ein einzelner Wassertropfen. Man sollte somit nicht nur stets den Ausgangspunkt im Auge behalten, sondern auch dessen mögliche Konsequenzen: Wird das Projekt zu schwerfällig, bricht der gesamte Eiszapfen ab.

Fünftens ist jeder Eiszapfen zum Schmelzen verurteilt. Es gilt, nach Beendigung des Werks loslassen zu können. Und genau das mache ich jetzt.

Ich bleibe beim Original

Anfang Woche wurde der aktuelle Gastroführer «Gault Millau» publiziert. Erfreulich: Das Adelbodner Restaurant «Alpenblick» hat sich von 14 auf 15 Punkte gesteigert und führt die lokale Liste an Gourmet-Tempeln neu an. Erstaunlich: Drüben in der Zentralschweiz steht Franz Wiget ganz an der Spitze mit 18 von 20 möglichen Punkten. Wobei – so überraschend ist dieser Triumph nicht. Schliesslich heisst sein Schwyzer Restaurant «Adelboden».

Nichts ist schmeichelhafter als ein Plagiat. Wird jemand kopiert, hat er es geschafft: Er wirkt als Vorbild. Genau wie Adelboden in diesem gastronomischen Fall. Natürlich will ich nun keinesfalls unterstellen, Franz Wiget wolle sich am Herd mit fremden Federn schmücken. Dass der Koch des Jahres 2012 unter anderem auch zwei Michelin-Sterne hat, spricht für solides Handwerk. Trotzdem impliziert der Name «Restaurant Adelboden», dass sich der Gastgeber irgendwie am Engstligtal orientiert.

Mit der Wahl eines Adelbodner Namens ist Wiget notabene nicht alleine. In Wikon (Luzern) existiert ebenfalls ein Hotel-Restaurant Adelboden. Hier können 30 Personen im «Adubodestöbli» gutbürgerlich tafeln. Es heisst, die Produkte stammten «teils aus eigener Produktion». Naja. Weiter führt mich die Recherche zu einem Hotel Lohner in Davos: Allerdings finde ich dazu nur sehr wenig Information. Es wird mir nicht recht klar, ob es den Betrieb überhaupt noch gibt. Und dann das Hotel Lohner’s Kaffeehaus in Linz… auch dort erfahre ich nicht viel Gluschtiges.

Ich glaube, ich bleibe doch beim Original. 14 oder 15 Gault-Millau-Punkte in Adelboden sind mehr als genug.

Der rosa Wohltäter

Das Vogellisi hat im Herbst sicher gerne wilden Thymian geerntet. Es heisst ja, der «Mùttächölm» entfalte dann erst seine wahre Wirkung. Und die wusste die Kräuterfrau sicher zu nutzen. Auch heute können Wanderer vielfach von dieser Heilpflanze profitieren – wer schwitzend bis in die frischen Herbstabende hinein wandert, holt sich leicht eine Erkältung. «Mùttächölm» aber lindert deren Symptome perfekt: Die Blätter und Blüten helfen bei Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Bronchitis, denn sie wirken anregend, antibakteriell, blutstillend, schleimlösend sowie schweisstreibend.

Für die müden Waden eignet sich Thymian ebenfalls – er ist eine beliebte Zutat von Sportsalben. Wer nach der Wanderung und der Erholungsphase schliesslich noch ein Date plant, kann dem würzigen Tausendsassa zudem auch blind vertrauen: Mundspülungen enthalten oft Thymian. Und apropos Ausgang: «Mùttächölm» macht nicht nur in der heimischen Küche eine würzige Figur, sondern auch in Spitzenrestaurants. Wo und wie das Kraut überall im Engstligtal eingesetzt wird, zeigt ab dem 8. September die Event-Reihe «Adelboden à la carte». Einmassiert, inhaliert, gegurgelt oder verkostet: Egal, wie man ihn anwendet, Thymian bleibt ein wahrer Wohltäter.

Ich danke dir, Waldemar Fink!

Wenn ich nicht gerade schreibe, versuche ich mich manchmal auch als Maler. Mit Ölfarben und so. Und mit eher mageren Resultaten. Denn da die meiste Zeit fürs Schreiben draufgeht, droht die bildnerische Leidenschaft zu verkümmern. Es bleiben Museumsbesuche und Vorbilder – die Impressionisten und Symbolisten der Belle Epoque haben es mir dabei besonders angetan.

Monet, Hodler, Segantini & Co. kennt ja jeder. Aber was ist mit Waldemar Fink? Der 1883 in Bern geborene Künstler war zwischen 1909 und 1922 in Adelboden tätig und hat die Landschaft in vielen seiner Werke festgehalten. Grosser Lohner, Stiegelschwand, Bondertal – die stimmungsvollen, mystischen Ansichten bestechen durch klare Farben und clevere Lichtspiele.

Seine Bilder stellte Fink unter anderem in München aus. Und auch moderne Auktionshäuser rühmen, er habe «die dunkeltonigen Werke der Vorkriegszeit um eine helle Palette und reife Kontraste bereichert». Wer eines von Waldemars Gemälden ersteigern will, muss dafür halt schon Beträge im fünfstelligen Bereich hinblättern. Das ist mir zwar zu teuer – aber als Inspiration dient mir das Genie des Altmeisters allemal. Also her mit dem Pinsel!

Hoch lebe Emys orbicularis!

Heute ist der internationale Tag der Schildkröte. Und was hat das mit Adelboden zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist zwar auch im Kanton Bern noch vereinzelt anzutreffen, aber im Engstligtal dürfte sie nicht gerade häufig vorkommen. Eigentlich schade, denn das Lohnerdorf böte ihr eigentlich recht artgerechte Bedingungen:

  • Adelboden setzt auf Tradition. Das gefällt der Schildkröte, die das Land seit mehr als 220 Millionen Jahren bevölkert.
  • Wir nehmen uns Zeit. Das kommt dem gemächlichen Wesen dieses Tiers entgegen.
  • Der Oberländer ehrt das Alter. Trifft sich gut: Manche Schildkröten werden weit über 100 Jahre alt.
  • Adelboden ist ein Wasserschloss. Das lieben Sumpfbewohner sowieso.
  • Die Sumpfschildkröte bevorzugt Fleisch als Nahrung. Welcome: Wir bieten zum Bespiel Steaks vom Hochland-Rind.
  • Und schliesslich hat die Paarungszeit der Panzerträger im Mai Hochsaison. Und wo liessen sich Frühlingsgefühle besser ausleben als vor imposanter Bergkulisse?

Die Quintessenz zum Tag der Schildkröte: Panzerträger, absolviert ein Höhentraining, hier wäre euer Paradies!