Finde deine Mitte

Die neue TALK-Zentrale ist ab heute in Frutigen. Warum gerade dort? Die Abkürzung «TALK» steht schliesslich für «Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg», und in diesem Wort-Konglomerat sucht man den Begriff «Frutigen» eigentlich vergeblich. Das einfachste wäre doch gewesen, einfach die geografische Mitte der drei Orte zu nehmen. Ich habe mir mal eine Karte ausgedruckt und ein Lineal zur Hand genommen. Nur so viel: Das Resultat fällt buchstäblich tierisch aus.

Zieht man eine Gerade von Adelboden zur Lenk, liegt in der Mitte der Tierberg am Laveygrat. Zieht man eine Gerade von der Lenk nach Kandersteg, liegt in der Mitte das Geissmoos am Chuenisbärgli. Zieht man eine Gerade von Adelboden nach Kandersteg, liegt in der Mitte die Ochsewand hinter dem Bunderspitz. Alle diese Orte sind recht abgelegen, steil gelegen oder sonst nicht ganz einfach zugänglich. Keine Optionen für eine TALK-Zentrale.

Ich gebe nicht auf. Zweiter Versuch: Verbindet man Adelboden, Lenk und Kandersteg mit dem Lineal, erhält man logischerweise ein Dreieck. Dessen Spitze zeigt wie ein flacher Pfeil gen Nord-Nord-West. Zieht man eine Gerade in dieser Richtung, erreicht man den Otterepass bei Rinderwald. Klingt immer noch tierisch. Aber jetzt kommt der Clou: Rinderwald gehört zu Achseten, und Achseten gehört zu Frutigen. Na bitte. Geht doch.

Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass Frutigen auch wegen seiner guten Verkehrsverbindungen, seiner Scharnierrolle in der Region oder wegen seiner breit aufgestellten Infrastruktur als Zentrale prädestiniert war. Aber das mit dem Lineal hatte auch seinen Reiz, oder?

So himmlisch ist der Äquator nicht

Ah, der Frühlingsbeginn! Alles erscheint einem so leicht und frisch. Der Krokus spriesst, der Skifahrer kurvt, der Schmetterling im Bauch gaukelt. Bis man über die Tagundnachtgleiche stolpert. Ein interessantes Wort. Aber nicht sehr leicht und frisch. Ein anderer Begriff dafür ist Äquinoktium – aber das macht die Sache eigentlich nur noch schlimmer. Jetzt sind wir nämlich bereits dort angelangt, wo die Sonne momentan den Himmelsäquator passiert. Auf ihrer scheinbaren Bahn um die Erde, der Ekliptik.

Spätestens jetzt fühlt sich der Frühling statt leicht und frisch schwer und abgestanden an. Der Jahreszeitenwechsel lädt sich zusehends mit Theorie auf. Denn eigentlich müssten wir die Tagundnachtgleiche noch relativieren. Da wir uns seitlich auf der Erdumlaufbahn bewegen, verändert sich wegen der endlichen Lichtgeschwindigkeit auch die scheinbare Position der Sonne. Ausserdem verändern die Gezeitenkräfte des Monds die Lage der Erdachse. Und überhaupt ist die Tagundnachtgleiche geozentrisch, also vom Erdmittelpunkt aus konstruiert. Dort war ich leider noch nie. Da bleibe ich doch lieber egozentrisch.

Ah, der Frühlingsbeginn! Alles spricht dafür, eine astronomische Auszeit zu nehmen und die Tagundnachtgleiche draussen zu geniessen.

Wenn Legenden auswandern

Etwas frustriert habe ich die beiden Gemeindeseiten von Steffisburg und Adelboden verglichen. Denn eines muss ich den Thun-Nachbarn lassen: Sie können sich verkaufen. Unter www.steffisburg.ch findet sich ein Gemeindeporträt, das nur so strotzt vor Stolz und Gastfreundschaft. «Unser Dorf hat immer Brücken geschlagen und schlägt sie täglich neu», heisst es da. «Sie sind gern gesehen (…). Als Persönlichkeit unter fünfzehntausend Persönlichkeiten», heisst es da. Und: «Ob für einen kurzen Aufenthalt. Für eine Weile. Für immer: Sie sind herzlich eingeladen.» Bei dieser Wortwahl erstaunt es nicht, ist Steffisburg die fünftgrösste Gemeinde des Kantons: Solche Einladungen nimmt jeder gerne an.

Und die Gemeinde Adelboden? Da muss man schon weit runterscrollen bei den Google-Treffern, bis man unter www.3715.ch fündig wird. Dort gibt es dann zwar ebenfalls ein Dorfporträt zu lesen, aber es ist eher geschichtlich-trockener Natur. Und es zeigt vor allem, warum die Einheimischen in der Vergangenheit das Tal verliessen. Von Lawinen und Erdrutschen ist die Rede, von Missernten und Tierseuchen, von beschwerlichen Wegen und «fast völliger Abgeschiedenheit» der «Waldleute». «So kam es, dass viele Adelbodner auswanderten», lautet das Verdikt

Adelboden hat momentan viermal weniger Einwohner als Steffisburg. Mit dieser Wortwahl dürfte sich daran nicht viel ändern. Im Gegenteil: Es gibt prominente Adelbodner Auswanderer, welche die Steffisburger Einladung angenommen haben. Zum Beispiel das Vogellisi, das dort mit ihrem Theater in die zweite Sommersaison gehen wird. Immerhin rührt das Mädchen dabei zünftig die Werbetrommel für ihre Heimat: Die Aufführungen in Steffisburg entführen einen ins fiktive Lohnerdorf, machen damit aber auch neugierig aufs reale. Darf Adelboden mit einer Zuzüger-Schwemme aus Steffisburg rechnen? Anfang März beginnt der Theater-Vorverkauf.

Zwiespältige Funken-Freude

Ah, der Winter, wo einen das Cheminée wärmt! Es ist schön, bei Hudelwetter auf einen wärmenden Rückhalt in der guten Stube zählen zu können. Das dachte ich vorletzte Woche, als ich nach dem Skitag die Scheite im Ferienchalet stapelte. Das dachte ich letzte Woche, als ich die neue Wohnung eines Freundes besichtigte – mit Feuerstelle natürlich. Und das dachte ich auch heute, als ich meine Finger in der Jackentasche vergrub. Doch es sind Gedanken mit Vorbehalt.

Denn es braucht auch einen Rückhalt für den Rückhalt. Wenn es für einmal zu heiss wird in der kalten Jahreszeit. Wenn der Funke etwas zu weit überspringt. Diese Rückversicherung nennt sich Feuerwehr. Und die hat viel zu tun diese Tage. Alleine 2017 rückte etwa die Feuerwehr Frutigen 96-mal aus. Und im neuen Jahr sind es bereits wieder 17 Einsätze. Sind wir denn so unvorsichtig am Cheminée?

Natürlich nicht: Die meisten dieser aktuellen Fälle sind weniger feurig. Im Januar mussten die Blaulichtler etwa wegen Sturmschäden ausrücken, wegen Erdrutsche und umgestürzter Bäume. Es gab allerdings auch bereits wieder Kaminbrände und irregeleitete Rauchmelder. In diesem Sinne bin ich zwar vorsichtig, wenn ich die Späne über der zerknüllten Zeitung schichte, aber auch beruhigt. Denn es gibt einen Rückhalt für den Rückhalt, und der hat viel Routine.

Es gibt immer einen Grund zum Abheben

Nach Weihnachten, Silvester und dem Weltcup ist den Oberländern nicht mehr nach Festen zumute? Aber mitnichten! Ein Blick auf den Kalender verrät, dass sich am 10. Januar eine unglaubliche Menge an Feiertagen konzentriert. Sie mögen ihren Ursprung nicht in der Region haben, sind aber trotzdem genau auf das Engstligtal zugeschnitten:

  • Der 10. Januar gilt etwa als Spar-Energiekosten-Tag. Der fügt sich wunderbar in ein Tal, das über ein derart grosses Potenzial an Wasser- und Solarenergie verfügt.
  • Der 10. Januar wird auch als Tag der Zartbitterschokolade gefeiert. Auch das passt ins Gemeindebild: Wer der Adelbodner Dorfstrasse entlang flaniert, findet genügend süsse Gründe, an diesem Datum anzureisen.
  • Und schliesslich findet am 10. Januar auch der Rettet-die-Adler-Tag statt. Ideal: Erst letzte Woche wurde in Frutigen ein Adlerweibchen ausgewildert. Und mit Chrigel Maurer haben wir ja noch ein weiteres putzmunteres Exemplar am Himmel.

An alle also, die in den nächsten Tagen etwas abspecken wollten: Sorry, aber das Feiern geht weiter.