Es wird schon schief gehen!

Das dachten sich wohl auch die Erbauer der Adelbodner Dorfkirche. Sie haben anno 15. Jahrhundert viel Mut an den Tag gelegt, um den Schwierigkeiten, die ein Kirchenbau mit sich brachte, zu begegnen. Dass dieses Zitat aber wortwörtlich umgesetzt wird, war wohl kaum ihr Plan…

Schiefe Gebäude und Türme sind touristische Magneten mit starker Anziehungskraft. Denkt man an die italienische Stadt Pisa, bestätigt sich dies. Beliebtes Sujet auf Postkarten, stundenlanges Anstehen vor dem Turmeingang und sich selbst fotografierende Reisende sind dort Alltag.

Anders im Vogellisidorf. Mit dem nach Süden geneigten Glockenturm unserer Kirche könnten wir es aber locker mit Pisa aufnehmen. Postkartensujet ist die spätgotische Kirche im Dorfzentrum zwar schon, ihre Geschichte ist faszinierend, doch leider hat Galileo Galilei die Fallgesetze in Pisa entdeckt und nicht in Adelboden beobachtet. Aber wer weiss, vielleicht wird ja das touristische Potential von unserem „torre pendente“ auch bald erkannt, aber lassen wir die Kirche erst einmal im Dorf stehen…

Schattenseite? Ja, gerne!

Je länger ihr Schatten, desto stärker die Person. Manche Völker am Äquator denken so. Und verlassen am Mittag nie das Haus, weil die Sonne dann senkrecht scheint und somit keine Schatten wirft. Alles Aberglaube? Dabei sind wir im Norden nicht besser. Klar, im Moment zieht es bei uns erst einmal alle ans Licht. Wir reden darum auch von der «Schattenseite», raten den anderen, «über ihren Schatten zu springen» und werfen einander vor, dass wir «wohl einen Schatten haben». Klingt genauso abergläubisch, nur gespickt mit Misstrauen gegen die Dunkelheit.

Ich finde, da der Sommer langsam Einzug hält in Adelboden-Frutigen, sollten wir auch ein bisschen mehr denken wie die am Äquator. Mehr Schatten, bitte! In der Mittagspause fläzen wir schliesslich unter der Linde vor dem Haus, weil uns die mit ihrem Laub kühlt. Beim Wanderpanorama sind es die vielen kleinen Schattenstellen, die einer Bergflanke erst richtig Kontur verleihen. Und was haben getönte Brillen und Sonnenhüte für andere Aufgaben, als dem Licht etwas im Weg zu stehen? Was wären Sonnenauf und -untergänge ohne schwarzen Horizont? Auch wenn sie also das nächste Mal in der direkten Sonne braten, denken Sie daran: Je heller es ist, desto schneller wird man dunkel. Zumindest äusserlich.

Wasserschloss 2.0 oder: der König der Engstligen!

Die Gewalt des Wassers hat die Schweiz in den letzten Tagen auf Trab gehalten, und dass die braungefärbte Engstlige sich zum wild tobenden Bergbach entwickelte, liess glatt vergessen, dass deren Ausgangspunkt normalerweise durchaus harmonischer und eindrucksvoller ist, denn…

…von Weitem hört man das Rauschen und Donnern der Wassermassen, tosend sucht er seinen Weg ins Tal. Ein Weg, der durch und über die Felswände hinaus führt und derart markant und exponiert ist, dass man ihn vom ganzen Dorf her sieht.

Die Rede ist von den Engstligfällen, die zusammen mit dem Wildstrubel eine Kulisse bilden, die gerne auch als “der schönste Talabschluss der Welt” betitelt wird. Hoch oben, über dem Engstligenbach thront er, der König. Die Fälle stürzen gut 600 Meter in die Tiefe und sind so die zweithöchsten Wasserfälle der Schweiz. Das Naturschauspiel, welches bereits 1948 unter Naturschutz gestellt wurde, ist ein wahrer Kraftort, der wirklich ein Besuch wert ist (die Aussichten auf die nächsten Tage sind ja durchaus sonnig).

Ach übrigens, ganz in der Nähe der Engstligfälle ist auch der sagenumworbene Chälistii versteckt:

“Wiischt wan dr Chälistii ischt? We mu inhi giiht, rächter Hand vam Stuub (Wassefall). Da liit e hushöija Stii, va z’oberischt bis z’underischt gschpaltna. Inischt ischt er ganza gsi. Da hiigen am helige Sunntig d’Lüt uf mu tanzet u g’horet u g’holejet ol vilichter nuch gschpilt u gfluechet. Du fa’jis a blickene u dundere u sigi uf ds mal ganz stockfiischter worden u due gäbi’s en grüseliga, schützliga Chlapf grad z’mitts i Stii u dä ischt varenandere ghit, u vann den ewägg hiigi er dä Chlack!”

 

Das offene Wasserschloss

Also dass in den letzten Tagen viel Wasser geliefert worden ist, wird im Wasserschloss Adelboden wohl gerade niemand bestreiten. Es heisst ja, im Lohnerdorf würden im Mai durchschnittlich 130 mm Regen fallen. Haben Sie im Garten mitgezählt? Ich wette, das Soll ist bereits jetzt schon fast erfüllt.

Jedenfalls impliziert «Wasserschloss» immerhin, dass das wertvolle Nass einige Jahre im Berg gefiltert und bewahrt würde. Das mag ja fürs Mineralwasser gelten. Aber wer das steinrumpelnde, torfig riechende, braune Ungetüm namens Engstlige derzeit betrachtet, stellt fest: Das Schloss hat seine Pforten gerade ganz weit offen. Das zeigt sich auch weiter unten an der Kander deutlich: Bei der Messstation Hondrich ist in den letzten Tagen mehrfach die Spitze von 145 000 Liter pro Sekunde erreicht worden. Dass heisst, damit könnte man jede Sekunde 1000 Badewannen füllen. Ein Mensch könnte sein Leben lang von dieser Wassermenge Leben, selbst wenn er täglich drei Liter tränke. So viel Wasser den Bach runter. Was solls. Ich kaufe mir einen grösseren Regenschirm und freue mich, dass das Schloss so immerhin eine knackige Grünanlage bekommt.

Es tut sich was!

Liebe Blog-Community

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, bin ich (Chälistii) neu hier. Bin also quasi das vierte Vögeli, welches von nun an von Lisis Schultern ein paar Blogs zwitschert, beziehungsweise schreibt.

Obwohl momentan nur Weekend-Adelbodner, möchte ich euch das Vogellisidorf aus einheimischer Vogelperspektive näherbringen und denke, dass gerade jetzt zu Beginn der Nebensaison, das leere Adelboden ein paar Posts mehr vertragen kann. Mit Insider aus dem Bergdorf, werden hoffentlich Sie, liebe BlogleserInnen, gluschtig auf die bevorstehende Sommerzeit in Adelboden.

Apropos Nebensaison:

Wenn die Wiesen langsam grüner werden und der Schnee sich verabschiedet, kehrt Ruhe ein in Adelboden. Hotels, Restaurants und Bergbahnen schliessen dann ihre Pforten, Gäste reisen ab und zurück bleibt eine menschenleere Dorfstrasse. Stille kehrt ein, es herrscht normalerweise Ruhe vor dem Sturm… normalerweise.

Nicht so, aber in diesem Jahr, denn es wird gebaut: am Dorfeingang wurde das alte Gemeindehaus abgerissen und das Hotel Adler gleich nebenan baut um und vergrössert sich. Auch an weiteren Ecken von Adelbodens Flaniermeile wird gewerkelt, geputzt und renoviert, natürlich immer unter Zeitdruck, damit – wenn die Sommersaison in Juni startet – alles wieder in neuem Glanz erstrahlt und der Bergsommer kommen kann.

Bis dahin versorgen wir Sie weiter mit stürmischer Lektüre aus Vogellisis ruhiger Feder.