Von der Engstlige zur Wolga

«Wer das Ziel nicht kennt, wird den Weg nicht finden.» Unter diesem Motto tritt der Adelbodner Michael Schranz Ende August an den WorldSkills an. Der Anlagenelektriker der Licht- und Wasserwerk Adelboden AG wird sich im russischen Kazan mit den besten jungen Berufsleuten weltweit messen. Gerade hat sich beim Verladen der Werkzeuge allerdings gezeigt, dass der Weg zum Ziel nicht so leicht sein wird – die 9,5 Tonnen Material der Schweizer Delegation müssen auf einer rund 3500 Kilometer langen Reise durch Deutschland, Polen und Weissrussland bis in die Hauptstadt der Republik Tatarstan gefahren werden.

Auch vor Ort wird die Akklimatisation wohl nicht gerade leicht für den Oberländer: Kazan hat über eine Million Einwohner, ist wichtiges Zentrum des russischen Islams und trägt statt des Adelbodner Adlers einen geflügelten Drachen im Wappen. Zum Glück ist sich Michael Schranz vom Beruf her steten Wandel gewohnt: «Ich werde jeden Tag mit etwas Neuem konfrontiert», erklärt er im Vorstellungsvideo des Schweizer Teams. Mit dieser Einstellung wird er den Weg zu seinem Ziel schon finden – Richtung Podestplatz unter den besten Elektrikern der Welt.

Mehr Zeitreisen, bitte!

«Alls isch rationiert gsy – me het eigentlich nüt chönne choufe», erzählt Rosina Schranz mit Jahrgang 1921 von der Kriegszeit. «Im Winter isch vil meh Schnee gsy und herter als jitz. I mine erschte Schueljahr hets no niene e Pflueg gä», erinnert sich Lina Schranz mit Jahrgang 1933. Solche Adelbodner Berichte sind in zweierlei Hinsicht wertvoll:

Erstens zeigen sie, wie die ältere Generation der Engstligtaler ihre Kindheit und Jugend erlebt hat. Oft sind die weit zurückliegenden Erinnerungen ja die lebendigsten, und darum lohnt es sich, diese Geschichten auch lebendig zu halten. Nur ein Bild wie das hier von 1900 zu betrachten, scheint dagegen recht unergiebig.

Zweitens wurden die Zeitzeugen von den beiden altersgemischten Real-Klassen der Schule Adelboden befragt. Die SchülerInnen haben mit ihren Smartphones und einer App Dutzende kurze Filme mit alten Fotos arrangiert und auf der Plattform Zeitmaschine.tv aufgeladen. Das Projekt schult den Nachwuchs dabei nicht nur im Umgang mit den Medien, sondern schlägt eben auch eine Brücke zwischen den Generationen. Doc Brown und Marty McFly aus dem Kultfilm «Zurück in die Zukunft» hätten jedenfalls ihre helle Freude gehabt.

Wohlfahrt im Wald

Schön, haben sich Adelboden, Frutigen, Kandergrund, Kandersteg und Reichenbach in Sachen Schutzwälder gerade zusammengeschlossen. Denn der Forst schützt und nützt nicht nur, er hat gemäss den Gemeinden auch eine Wohlfahrtsfunktion. Wohlfahrtsfunktion des Waldes – schade, dass ich mir darunter recht wenig vorstellen kann. Dass es mir wohl ist, wenn ich durch den Forst fahre, dürfte den Kern Sache eher verfehlen. Oder verteilt da jemand Sozialhilfe unter den Tannen? Wohlfahrtsfunktion – im Waldgesetz steht dazu auch nicht viel mehr. Dort redet der Bund lieber von der «Wiederbestockung von Blössen» (Art. 23), was für mich ehrlich gesagt etwas obszön klingt.

Besser erklärt es die Bundesverfassung von 1999: Dort steht, die Wohlfahrtsfunktion des Waldes meine seine Bedeutung als Erholungsraum für die Menschen. Aha. Das stimmt natürlich. Die Waldluft tut unseren Lungen gut, das Klima ist kühl und feucht, die Atmosphäre wind-, lärm- und sonnengeschützt. Ausserdem hat man hier jede Menge Platz, um sich zu bewegen und zu entspannen.

Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch schliesslich finde ich schliesslich noch einen Absatz, der meine Wohlfahrt im Wald noch viel besser funktionieren lässt: Das freie Betreten des Waldes und das Sammeln von Beeren seien jedem gestattet, heisst es dort. Beereni à la carte? Klingt ganz nach einem Motto für die Sommersaison. Denn Wohlgeschmack gehört sicher auch zur Wohlfahrt.

Hallo Trinknachbar!

Letzten Monat habe ich gelobt, die Diskussion rund um Sportler und Mineralwasser noch einmal aufzunehmen. Daran erinnert hat mich gestern eine Arbeitskollegin, die gerade aus den Ferien in Bayern zurückgekommen war und  an einer Flasche heimischen Wassers nuckelte. Aber halt, bei genauerem Hinsehen stand da gar nicht «Adelbodner Mineral», sondern «Adelholzener Alpenquellen»! Es zeigte sich, dass ihr Durstlöscher von einer deutschen Firma im Chiemgau stammte, die genau wie unser Unternehmen verschiedene Getränke vermarktet. Und die Gemeinsamkeiten erstrecken sich auf diverse weitere Gebiete.

  • Geschichte: Die Adelbodner Mineral- und Heilquelle wurde 1559 entdeckt. Das bayrische Pendant soll gar vor über 1700 Jahren von einem römischen Legionär und Einsiedler aufgespürt worden sein.
  • Sport: Über Adelbodner und die gesponserten Schwinger muss ich ja nichts mehr schreiben. Interessant ist aber, dass auch die Chiemgauer Stars verpflichten: Fussballer des FC Bayern München wie Thomas Müller, Joshua Kimmich und Leon Goretzka trinken im TV Adelholzener.
  • Geografie: Das Adelbodner Mineralquelle entspringt nach mehrjähriger Reise durch die Gesteinsschichten der Bergwelt. Dito das Adelholzener Mineralwasser: Es wird aus 140 Metern Tiefe gefördert, wo es eine 40 Meter dicke Tonschicht schützt.
  • Wohlfahrt: Die Adelholzener Alpenquellen gehören zur Kongregation der «Barmherzigen Schwestern», die mit den Erlösen soziale Projekte finanziert. Das erinnert an das 2014 lancierte Vives-Mineralwasser aus dem Berner Oberland, womit gemeinnützige Projekte in Afrika unterstützt wurden.

Hm, jetzt habe ich mehr verglichen als diskutiert. Und viel mehr Platz lässt mir dieser Blogpost nicht. Je nun, einen Schluck Mineral haben wir uns trotzdem verdient. Oder wie sagen die in Bayern: «O’zapft is!»

Viel Wasser auf alte Mühlen

Ich habe kläglich versagt. Eigentlich wollte ich einen Text zu unserem Adelbodner Schwinger Inniger Thomas posten. Erinnern Sie sich? Der wurde Anfang März zum neuen Botschafter fürs lokale Mineralwasser gekürt – eine Steilvorlage für einen kleinen Beitrag im Blog. Ich sammelte raffinierte Verweise zu anderen Zweikampf-Disziplinen, wo das Wasser ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Ich wurde unter anderem fündig bei japanischen Sumo-Ringern, die sich vor dem Kampf den Mund mit Chikara-mizu («Kraftwasser») ausspülen. Ich war auf bestem Weg, einen ordentlichen Job zu machen.

Das war vor einem Monat. Seither ist viel Schmelzwasser die Engstlige hinabgeflossen, ohne dass der Post je erschienen wäre. Ich wurde aufgehalten, und nun steht am Wochenende schon der Ballenberg-Schwinget vor der Tür. Der angefangene Text ist inzwischen unauffindbar. Je nun, das Thema Flüssigkeit bleibt mir erhalten: So hat der Grosse Rat gerade entschieden, seine Mitarbeiter nicht zu Hahnenwasser zu verdonnern. Dass die Beamten dagegen weiterhin edles Mineralwasser schlürfen dürfen, verdanken sie wirtschaftlichen Interessen: Das Parlament machte geltend, ein Mineralwasserverbot schade den Abfüllern. Einer der Betriebe liege schliesslich im Kanton Bern. Und nun raten Sie einmal, wo.

Ich persönlich trinke fast ausschliesslich Hahnenwasser. Aber bevor ich nun mit einem Wyberhaken zu Boden geschwungen werde, vertage ich die Diskussion auf nächsten Monat.