Phönix aus dem Schnee

Ich habe in diesem Blog weiss Gott schon einige Winter-Revivals beschrieben: Die Rückkehr des Snowboards, des Skigibels, des Holzskis, des Müssiggangs im Schnee usw. Vielleicht hat die schiere Masse dieser Appelle gefruchtet. Was weiss ich. Jedenfalls scheint 2017 auch ausserhalb meiner Post-Reichweite die Saison der grossen Comebacks zu sein:

So kehrt im Skigebiet Elsigen-Metsch der unbequeme und daher vom Aussterben bedrohte Skibügel in neuer Form zurück: Dank breiter, bequemer Sitzflächen könnte sich dieses Transportmittel wieder im Alpenraum ausbreiten. Einfach ohne blaue Flecken.

Auch Olympia-Sieger Mike Schmid verkündete rund zwei Jahre nach seinem Rücktritt sein Comeback im Skicross-Geschäft – allerdings nicht als Fahrer, sondern als Swiss-Ski-Trainer. «Nun kann ich wieder das machen, was ich als Sportler am besten konnte», beschreibt der gebürtige Frutiger seinen Einstand im Magazin «SnowActive». Wie heisst das Sprichwort: Skier, bleib bei deinen Latten? Einfach ohne blaue Flecken.

Ach ja, und dann feiert demnächst sogar der Schnee selbst sein Revival. Auf der Tschentenalp sollen nächstes Jahr dank Snowfarming zwei Trainingspisten eingerichtet werden – mit eingelagertem Schnee vom Vorwinter. Da können wir nur hoffen, dass der Schnee-Jahrgang 2017 ein guter sein wird. Denn der wird in einem Jahr aus dem Tschenten-Keller bzw. -Hügel zur Verkostung geholt. Hoffentlich mehr als weisse Flecken.

Karbon statt Kondition?

Samstagmorgen. Bestes Herbstwetter. Wir sehen die Wanderscharen auf der Dorfstrasse vorbeiziehen. Doch statt zu Fuss entscheiden wir uns, die Adelbodner Berglandschaft auf zwei Rädern zu erkunden. Mit elektrischer Unterstützung.

Zugegeben, wir waren sehr skeptisch. Mountainbikes mit Motor, also so genannte E-Mountainbikes? Braucht es das?

Jeder von uns hat schon viel über E-bikes gehört: „Warmdüschelergerät“, „ich brauche das nicht, denn ich will noch etwas für meine Kondition tun“, „nur was für Unsportliche“. Doch wir liessen uns auf das Experiment ein und durfen einen Tag lang Thömus E-Moutainbikes bei BikeEmotion in Adelboden testen.

Thömus ist die Kult-Velomanufaktur aus dem bernischen Niederscherli welche in Zusammenarbeit mit einheimischen Partnern eine neue Bikestation im Vorschwand eröffnet hat. Die E-Bikes, sogenannte Lightrider E1 haben einen leistungsstarken Motor von Shimano und besitzen weltweit (noch) einzigartige Einstellungen betreffend die Unterstützungsstufen. Das Fahrrad war zu unserer Überraschung auch sehr leicht: mit 18 Kilogramm und einem Vollkarbon-Rahmen das weltweit leichtestes E-Mountainbike.

Ausgestattet mit vielen Zahlen und Fakten und einer kompetenten Einführung gingen bzw. fuhren wir los Richtung Sillerenbühl.

„Äs würd stotzig“

Kaum auf der Strasse verliessen wir diese schon bald und nahmen den Wanderweg Aebi-Silleren unter die Räder – steil wurde es, doch „Challenge accepted“ mit unseren Lightrider zwar noch technisch anspruchsvoll doch gut zu schaffen. Vom Sillerenbühl ging es weiter aufs Hahnenmoos wo uns eine wohlverdiente Rast erwartete. Spannend war zu merken, dass Thömus Lightrider E1 auffallen: wird wurden auf dem Weg einige Male auf die E-Bikes, unsere Geschwindigkeit aber auch technische Daten angesprochen.

„Vom Rägäpöli ids Bütschi“

Etwas Heimatkunde vorweg: Via Hahnenmoos ging es Richtung Fitzer, vorbei am Rägäpöli (nicht unserem Blogger sondern einer markanten Erhebung in Adelboden) ins Bütschi. Dort entschieden wir uns spontan über den Tronegggrat und das Chuenisbärgli nach Adelboden zurückzufahren.

 

Wie in der Ausschreibung versprochen, sorgen die Lightrider E1 für ein völlig neues Fahrgefühl. Dank seinen 3 Stufen (eco, trail und boost) kann die elektrische Unterstützung individuell gewählt werden und passt sich jeweils an die Trittfrequenz des Fahrenden an. Wir waren sehr positiv überrascht, wie leicht es war, steilere Passagen, technisch anspruchvolles Gelände und Geländeübergänge zu meistern und vor allem war es ein tolles Erlebnis, da man mit den E-Bikes eine viel weitere Strecke zurücklegen kann. Wir erkundeten innerhalb von 4 Stunden ganz Adelboden.

Lightrider E1 – viel Fahrgefühl, Abwechslung und ein Erlebnis für alle – wir waren begeistert und kommen bestimmt wieder!

 

*Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Bike Motion entstanden.

“Bergführer aus Leidenschaft” – dr Vogellisichopf vam ugstä

Im Dezember Skilehrer, Reiseführer in Patagonien im Januar. Februar und März auf Skitouren. Im Mai Bergführer in den umliegenden Alpen. Anfangs Juni Ausbildner und den Rest des Sommers Wander-, Kletter- und Bergführer. Oktober und November Leiter von Expeditionen nach Nepal oder Kapverden. Dazwischen rekognoszieren und organisieren bevorstehender Reisen. So ungefähr sieht ein Jahresverlauf von Peter Schmid aus – Bergführer als „Fulltime-Job“.

Der gelernte Elektriker widmet sich seit 1977 vollumfänglich dem Beruf als selbstständiger Bergführer, wobei dies für Peter Schmid ein weiter Begriff ist. Wandern, Klettern, Bergsteigen, Skitouren, Skibegleitungen, Skiunterricht, Trekkings, Expeditionen oder Reisen in ferne Länder –  sein Angebot ist gross. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth führt er das Unternehmen „International Mountaineering“.

Es ist seine Leidenschaft – sein Traumberuf. Eine Möglichkeit die gesamte Welt sehen zu können. Peter Schmid strotzt nur so von Abenteuerlust und ist noch lange nicht müde. Er erzählt von seiner ersten Erklimmung des Mt. McKinley als Bergführer oder seiner „schwierigsten“ Besteigung – dem Alpamayo in Peru. Nicht fehlen darf der Shishapangma mit einer Höhe von 8046 M.ü.M im Himalaya. Nicht minder leidenschaftlich berichtet er von seinen Expeditionen in Island, Kenia oder den Nordlichtern in Norwegen. Auf allen 4000-er der Alpen war er und bis auf Ozeanien, mehrmals auf jedem Kontinent.

Alpamayo, Peru

Alpamayo, Peru

Und doch, seine Heimat ist Adelboden. Unzählige Male war er auf dem Wildstrubel, jeden Winter verbringt er als Skilehrer auf den Pisten der Skiregion. Adelboden – sein Rückzugsort.

„Muesch chönä verzichtä u wes passt – muesch zueschlaa“ (Man muss verzichten können und wenn`s passt – muss man zuschlagen), antwortet er auf die Frage, wie er auf die Gefahren am Berg eingeht. Seine Entscheidungen kann er vertreten, die anderer Personen am Berg jedoch nicht. So ist nicht etwa die Natur die grösste Gefahr, sondern wir Menschen und unsere individuellen Entscheidungen.

 

Peter Schmid – Bergführer aus Leidenschaft, familienmensch und vielseitig.

 

Einige Fragen zum Schluss:

Kochen oder Essen?

„Essen – ich bin nicht der Kocher“

 

Strubel oder Lohner?

„Lohner – er ist technisch schwieriger, zudem ist der Strubel über die Jahre hinweg gefährlicher geworden“

 

Winter oder Sommersaison?

„Beruflich gesehen der Winter, der Sommer ist hektischer – Privat eher der Sommer“

 

Kapverden oder Kilimandscharo?

„Kilimandscharo –  in mir steckt nach wie vor Bergsteiger-Feuer“

 

 

 

 

Sommer on the rocks

Was habe ich die letzten Tage geschwitzt wegen der Hitze! Da hilft nur Eis. Blöd nur, wenn der Vorrat an gefrorenen Wasserwürfeln alle ist – und das gilt nicht nur fürs Gefrierfach.
Heute lese ich in der Zeitung, noch nie sei auf dem Wildstrubel um diese Jahreszeit so wenig Schnee gelegen wie 2017. Das gibt zu denken. Die letzten beiden Male, wo ich diesen Gipfel bestieg – einmal mit Steigeisen, einmal mit Schneeschuhen –, lag jedenfalls nicht wenig der weissen Pracht. Aber das ist auch schon eine Weile her.
Auch sonst hat sich die Eisdecke im Lohnerdorf ausgedünnt: 5 Spieler haben gerade das Kader des EHC Adelboden verlassen.
Und die Schmelze geht weiter. Drittens ist nämlich auch Marc Furrer, seines Zeichens Präsident von Swiss Ice Hockey, letzte Woche zurückgetreten. Immerhin besitzt der Solothurner meines Wissens noch eine Ferienwohnung in unserer Destination. Damit dürfte er dem Eis trotzdem noch die Treue halten. Swiss-Ice-Hockey-CEO Florian Kohler twitterte immerhin zu Furrers Abschied: «Danke für vier Jahre Zusammenarbeit, Marc. Bald darfst du hemmungslos den EHC-Adelboden-Schal tragen.» Gut gesagt. Bei diesen Temperaturen würde ich damit allerdings noch eine Weile warten …

Lauf, Lisi, lauf!

Ach, Bergrennen sind eigentlich nicht so meins. Aber wahrscheinlich ist es der pure Neid, der mich als Wanderer umtreibt. Da wollte ich zum Beispiel kürzlich in vier Stunden den Niesen besteigen und hielt das für sportlich. Auf halber Strecke im Vorderen Ahorni überholte mich dann eine gleissende Lichtgestalt in Radlerhosen und mit Trinkflasche am Gürtel. Im Laufschritt. Noch während ich mich an der Bergflanke weiter abquälte, kam mir der Jogger bereits wieder im Abstieg entgegen. Immer noch ohne gross zu schnaufen.

Und damit sind wir beim Grund, warum ich heute blogge: Im April hatte ich vollmundig von den vielen Vogellisi-Auftritten in diesem Jahr geschwärmt (neues Buch, neues Theater, neue Konzerte). Und dabei ganz den 14. Vogellisi-Berglauf vom 16. Juli vergessen. Und da sind wir wieder beim Thema. Der neue OK-Präsident des Laufs, Jonathan Schmid, ist nämlich selber auch so ein Senkrechtstarter am Hang. Der Adelbodner gewann das Vertical-up über die Lauberhorn-Abfahrtsstrecke. Ist Schweizermeister. Hat soeben am 13. Blüemlisalp-Lauf mit grossem Vorsprung gesiegt. Und kämpft beim kommenden Vogellisi-Lauf ebenfalls um den Titel.

Ach, Bergläufe sind eigentlich nicht so meins. Aber wenn ich solche Leistungen sehe, beschleunigt sich mein Wandertempo im Engstligtal unwillkürlich. Wird es irgendwann im Laufschritt enden?