Der Nachwuchs führt das Hotel

Es gibt eine sportliche Zwischensaison, begleitet vom Übergang von Schuhen und Rädern zu Kufen und Kanten. Und dann gibt es gleichzeitig eine schulische Zwischensaison. Bei Letzterer geht es um den Wechsel vom Klassenzimmer in die Arbeitswelt. Es ist eine wichtige Phase, geprägt von mutigen Entscheidungen und ersten Erfahrungen der Jugend.

Hierfür braucht es es allerdings Lehrbetriebe, die Einblick in ihre Geschäftspraxis ermöglichen. Letzte Woche fand so etwa an der Waren- und Gewerbeausstellung Spiez bereits ein Ausbildungsabend für 8-Klässler statt. Diese Woche folgt nun ein Adelbodner Pilotprojekt: Unter dem Motto «Wir führen ein Hotel» übergibt das Familienhotel Alpina das Zepter an OberstufenschülerInnen. Die Jugendlichen aus Grosshöchststetten werden dabei in verschiedene Hotel-Bereiche eingearbeitet, sodass sie in Adelboden gegen Ende der Woche richtige Gäste empfangen können – nämlich ihre Eltern.

Dieses Förder-Projekt in Kooperation mit dem Hotelier-Verein Berner Oberland und hotelleriesuisse hat Zukunft, und das aus mehreren Gründen. Erstens ist es für die Jung-Hoteliers ein spielerischer Weg, um mit verschiedenen Berufssparten in Kontakt zu kommen. Zweitens wird der Rollenwechsel mit einem Ortswechsel verbunden, was dem Ganzen Urlaubsflair verleiht. Drittens profitiert so auch der Gastgeberort Adelboden vom Besuch. Und zu guter Letzt kommen nach dieser Woche auch die Eltern auf ihre Kosten: Falls das liebe Kind noch länger im «Hotel Mama» bleibt, kann es dieses fortan wenigstens selbstständig führen.

Der slowenische Geheim-Mentor

In den späten 90er-Jahren hatte ich am Lehrerseminar einen hervorragenden Englischlehrer. Er liess in den Pausen jeweils eine uralte Musikkassette der Slokar Trombones laufen – instrumentale Posaunenstücke mit einem schwer fassbaren Charme. Das ist jetzt 20 Jahre her, und doch weiss ich noch genau, wie der Bläsersatz damals im Klassenzimmer erklang, unaufdringlich, weich und doch einprägsam.

Nach einer langen, langen Zäsur findet diese Geschichte nun eine überraschende Fortsetzung: Im aktuellen Programm des Swiss Chamber Music Festivals stosse ich doch tatsächlich auf das Slokar Posaunenquartett. Es ist der Slowene und Wahlschweizer Branimir Slokar mit seinen Mannen, der am am 1. Oktober das Schlusskonzert in der reformierten Kirche bestreitet. Kann das Zufall sein? Nein: Etwas Recherche zeigt, dass ich mich wohl unbewusst immer im Sog des Altmeisters befunden haben musste.

Als Mitt-Zwanziger erhielt Branimir Slokar einen Lehrauftrag für Musik. Auch ich habe in diesem Alter zunächst meine pädagogische Ausbildung abgeschlossen. Der Slowene hat danach unzählige Lehrbücher verfasst. Auch ich habe mich anschliessend aufs Schreiben verlegt. Der Solist spielte früher in der Chicago Orchestra Hall. In diese Stadt hat es mich Jahre später ebenfalls verschlagen, nicht zuletzt der Musik wegen. Slokar zog mit seiner Familie schliesslich ins Berner Oberland. Wo nun auch ich arbeite.

Bei soviel Vorbildcharakter dürfte das Schlusskonzert in Adelboden für mich wohl kaum den Schlusspunkt bilden. Doch macht die Geschichte danach erneut eine lange Pause? Mal sehen, was das Jahr 2037 bringt.

Der rosa Wohltäter

Das Vogellisi hat im Herbst sicher gerne wilden Thymian geerntet. Es heisst ja, der «Mùttächölm» entfalte dann erst seine wahre Wirkung. Und die wusste die Kräuterfrau sicher zu nutzen. Auch heute können Wanderer vielfach von dieser Heilpflanze profitieren – wer schwitzend bis in die frischen Herbstabende hinein wandert, holt sich leicht eine Erkältung. «Mùttächölm» aber lindert deren Symptome perfekt: Die Blätter und Blüten helfen bei Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Bronchitis, denn sie wirken anregend, antibakteriell, blutstillend, schleimlösend sowie schweisstreibend.

Für die müden Waden eignet sich Thymian ebenfalls – er ist eine beliebte Zutat von Sportsalben. Wer nach der Wanderung und der Erholungsphase schliesslich noch ein Date plant, kann dem würzigen Tausendsassa zudem auch blind vertrauen: Mundspülungen enthalten oft Thymian. Und apropos Ausgang: «Mùttächölm» macht nicht nur in der heimischen Küche eine würzige Figur, sondern auch in Spitzenrestaurants. Wo und wie das Kraut überall im Engstligtal eingesetzt wird, zeigt ab dem 8. September die Event-Reihe «Adelboden à la carte». Einmassiert, inhaliert, gegurgelt oder verkostet: Egal, wie man ihn anwendet, Thymian bleibt ein wahrer Wohltäter.

Wie giftig ist die Tastatur?

Bis zum 19. August kann man sich noch fürs «Digital Detox Camp» in Adelboden bewerben. Hm. 4 Tage entgiften ohne Internet & Co. – kribbelt es da in meiner Hand? Einerseits nein: Mein uraltes Handy schreibt in Keilschrift und explodiert, wenn ich damit ins Netz will. Ich scheine also nicht suchtgefährdet zu sein. Andererseits ja: Bin ich nicht gerade dabei, den Nachmittag mit einem Social-Media-Auftritt zu bestreiten? Arbeite ich nicht die meiste Zeit vor dem Bildschirm? Das schreit doch einfach nach einer Auszeit im Grünen. Dann wieder nein: Gerade hatte ich doch eine Woche Ferien in der Natur, ohne in dieser Zeit nur einmal meine Mails zu checken. Ich komme analog also bestens klar. Dann wieder ja: Habe ich in dieser Zeit nicht neidisch auf jeden Bildschirm im Blickfeld geschielt? Und Smartphone-Besitzer mit Fragen gelöchert? Nun aber nein: Ich besitze ja nicht einmal ein Tablet, das ich fürs Camp weglegen müsste. Oder schliesslich doch ja? Fernseher sind heutzutage halt ebenfalls so smart wie interaktiv, und ohne TV halte ich’s nicht lange aus.

Ich weiss nicht, wie es anderen Interessenten geht. Bei mir endet dieser Vergleich irgendwie unentschieden. Da ich in dieser Angelegenheit als Vogellisi-Blogger jedoch ohnehin befangen bin, ziehe ich meine Kandidatur fürs «Detox-Camp» hiermit zurück. Mögen würdigere Teilnehmer mit klarerer Absicht die reinigenden Stunden auf der Alp geniessen: Ich schreibe dann vielleicht  einen neidischen Post darüber – hoffentlich nicht allzu giftig.

Wo sogar das Vogellisi mittanzt

Ruhig, ausgeglichen, imposant und majestätisch. So würde ich das Unter dem Birg und die Aussicht auf den Engstligen Wasserfall normalerweise beschreiben. Für das Wochenende vom 7. und 8. Juli – dem legendären Vogellisi-Wochenende – muss ich meine Wortwahl wohl etwas anpassen: belebt, laut, aufgeregt und bodenständig.

Als ich losfahre in Richtung Unter dem Birg, bin ich nervös und sehr gespannt, was auf mich zukommen wird. Ich wirke an diesem Wochenende als Helfer am Festival. Ich gehe davon aus, dass mich erst einmal Hektik erwartet, bis alles organisiert ist und jeder an seinem Platz steht. Dort angekommen stelle ich fest, dass von Stress nicht die Rede sein kann. Alle wirken gelassen. Es scheint, als überstrahle die Vorfreude alles. Und diese steigt bei mir stetig.

Nach einigen kurzen Anweisungen, Erklärungen und nach Bezug von einem „flotten“ Helfer T-Shirt trudeln bereits die ersten Gäste ein. Wahrscheinlich hat das Unter dem Birg auf diese abgefärbt. Alle wirken ruhig und ausgeglichen.

Das Line Up, das uns erwartet, ist aber alles andere als ruhig. Bald darauf geht’s endlich los. Der aus Adelboden stammende Sänger und Multiinstrumentalist Andi Allenbach eröffnet als ND Turn das 10. Vogellisi Festival. Nach diesem Startschuss, geht’s rund. Nach The Souls und Lovebugs sorgen Hecht und Troubas Kater für tolle Stimmung im Festzelt. Wenn man zwischendurch eine kleine Stärkung braucht, gibt es am Foodstand direkt hinter dem Festzelt wunderbare Gerichte, sowie unglaublich köstliche Nussgipfel. Das Festgelände ist klein aber oho! Die vielen bekannten Gesichter machen die Stimmung schon fast ein wenig familiär. Mit vielen Wiedersehen und guten Gesprächen geht es bereits am Freitag bis in die Früh.

Doch am Samstag ist Ausschlafen für mich kein Thema. Bereits um 12.30 Uhr stehe ich wieder im Unter dem Birg, bereit für meinen nächsten Einsatz. Alle, Helfer als auch das OK, sehen bereits ein wenig mitgenommen aus. Doch wie schon am Freitag scheint die Vorfreude auf den zweiten Tag und die weiteren Konzerte alles zu überstrahlen. Gut gelaunt öffnen sich die Tore des Geländes pünktlich wieder und dann geht’s auch schon weiter im Text: Steve Hophead, Chubby Buddy, Chica Torpedo, Halunke, Dabu Fantastic, Züri West Chlyklass und zum krönenden oder besser gesagt tanzenden Abschluss Klischée. Diese heizen der Menge zu später Stunde noch einmal so richtig ein. Wohin ich schaue, alle tanzen. Diese Energie und Dynamik ist atemberaubend und auf jeden Fall ansteckend. So tanzen wir alle ins Party-Zelt direkt nebenan. Und ich kann mir gut vorstellen, dass sogar das Vogellisi selbst irgendwo ausgelassen mittanzt…

Ich schaue auf ein abwechslungsreiches, lustiges, unterhaltsames und fantastisches Wochenende im normalerweise so ruhigen Unter dem Birg zurück. Friedliche Leute, tolles Wetter (mehrheitlich), motivierte Helfer und mitreissende Musik. Das Festival am Ende der Welt war definitiv ein voller Erfolg. Ich war zum ersten Mal dabei, aber bestimmt nicht zum letzten Mal!

Bilder © Yannick Brunner; Vogellisi Festival

Weitere Bilder, News und Infos unter http://www.vogellisifestival.ch/news.html