Gute Chancen für einen Biss

Der Aal ist zwar Fisch des Jahres, aber nicht in Adelboden. Die kalten und strömungsstarken Gewässer machen es dem schleimigen Gesellen nämlich nicht gerade einfach. Dafür haben wir Forellen und die zugehörigen Fischer en masse. Gut, die Letzteren haben es sich einfach gemacht und sich für die Jahresversammlung des Schweizerischen Fischerei-Verbands dort getroffen, wo ihnen ihr Fang garantiert nicht wegschwimmen kann: Bei den Zuchtbecken des Frutiger Tropenhauses.

Wer kann es den Damen und Herren in wasserdichter Hose verdenken? Ich habe mich bei meinen kläglichen Versuchen als Fliegen-Fischer auch öfters gewünscht, meine Angel wieder an einem Zuchtteich auswerfen zu können. Dort, wo die Fische im Minutentakt anbeissen. Dort, wo das Abendessen für die ganze Sippe gesichert ist. Aber irgendwie liess es mein Stolz dann eben doch nicht zu. Und ich blieb in der Natur, und ich haderte weiter mit verknoteten, verhedderten Schnüren und abgerissenen Haken. Na ja, tempi passati.

Item, die Teilnehmer der Fischerei-Jahresversammlung tunkten ihre Ruten sicher nicht in die Zucht-Tanks des Tropenhauses. Ich nehme an, sie knabberten an den obligaten Stör-Knusperli zum Apéro. Und ausserdem konnten sie sich dort trefflich über die Ausstellung rund um bedrohte Fischarten austauschen, welche sie kürzlich aufgebaut hatten. Es ist schon interessant, dass sich genau diejenigen für die Wassertiere einsetzen, die Letztere danach auch wieder aus dem kühlen Nass herausziehen wollen. Aber was weiss ich schon – bei mir beisst ja eh keiner an.

… und die übernächsten Schritte

Ich habe ja schon im letzten Post vom Wert guter Vorbereitung gesprochen (es ging ums Wandern). Heute bleibe ich beim Thema, spanne den Bogen aber etwas weiter. Denn selbst mit einer halben Tube Sonnencreme im Nacken, einem neuen Rucksack und dem Wanderpass (Vorverkaufsstart 7. Mai) ist die neue Saison noch nicht fertig aufgegleist.

Diese Wochen gehören natürlich den Revisionsteams, welche die Bergbahnen auf Herz und Nieren prüfen. Diese Wochen gehören auch den Sennen, welche die kommende Alpzeit planen (die Bärgrächnig findet am 1. Juni) statt. Das ist alles recht weitsichtig und lobenswert. Richtig raffiniert wirds aber erst, wenn die letzten Zeichen des letzten Winters genutzt werden, um bereits den nächsten vorzubereiten.

Zu den Weitsichten gehört Dario Cologna, der diese Woche auf der Engstligenalp Langlauf trainiert. Dazu gehört Reto Däpps Team, das auf der Tschentenalp 24’000 Kubikmeter Schnee für herbstliche Pisten eingelagert hat. Diese Beispiele von Frühlings-Langlauf und Snowfarming zeigen, dass es Zukunft haben kann, etwas zu bewahren. Es zeigt, dass der Winter den Sommer überdauern kann, gespeichert in Muskeln, zugedeckt unter Matten. Das wird übrigens ja auch jeder einsehen, der in der Hitze an einem kühlen Glacé schleckt.

Wenn Legenden auswandern

Etwas frustriert habe ich die beiden Gemeindeseiten von Steffisburg und Adelboden verglichen. Denn eines muss ich den Thun-Nachbarn lassen: Sie können sich verkaufen. Unter www.steffisburg.ch findet sich ein Gemeindeporträt, das nur so strotzt vor Stolz und Gastfreundschaft. «Unser Dorf hat immer Brücken geschlagen und schlägt sie täglich neu», heisst es da. «Sie sind gern gesehen (…). Als Persönlichkeit unter fünfzehntausend Persönlichkeiten», heisst es da. Und: «Ob für einen kurzen Aufenthalt. Für eine Weile. Für immer: Sie sind herzlich eingeladen.» Bei dieser Wortwahl erstaunt es nicht, ist Steffisburg die fünftgrösste Gemeinde des Kantons: Solche Einladungen nimmt jeder gerne an.

Und die Gemeinde Adelboden? Da muss man schon weit runterscrollen bei den Google-Treffern, bis man unter www.3715.ch fündig wird. Dort gibt es dann zwar ebenfalls ein Dorfporträt zu lesen, aber es ist eher geschichtlich-trockener Natur. Und es zeigt vor allem, warum die Einheimischen in der Vergangenheit das Tal verliessen. Von Lawinen und Erdrutschen ist die Rede, von Missernten und Tierseuchen, von beschwerlichen Wegen und «fast völliger Abgeschiedenheit» der «Waldleute». «So kam es, dass viele Adelbodner auswanderten», lautet das Verdikt

Adelboden hat momentan viermal weniger Einwohner als Steffisburg. Mit dieser Wortwahl dürfte sich daran nicht viel ändern. Im Gegenteil: Es gibt prominente Adelbodner Auswanderer, welche die Steffisburger Einladung angenommen haben. Zum Beispiel das Vogellisi, das dort mit ihrem Theater in die zweite Sommersaison gehen wird. Immerhin rührt das Mädchen dabei zünftig die Werbetrommel für ihre Heimat: Die Aufführungen in Steffisburg entführen einen ins fiktive Lohnerdorf, machen damit aber auch neugierig aufs reale. Darf Adelboden mit einer Zuzüger-Schwemme aus Steffisburg rechnen? Anfang März beginnt der Theater-Vorverkauf.

Mögen die Spiele beginnen

Warum sollte ich von Pyeongchang träumen? Was ich von den Olympischen Spielen in Südkorea zu sehen bekomme, scheint seinen Ursprung eigentlich in der Schweiz zu haben. Halfpipe-Olympiasiegerin Chloe Kim entdeckte ihre Leidenschaft fürs Snowboarden bei uns. Die Sturmtiefs Burglind und Evi gingen den Stürmen in Fernost voraus. Der zu 90 Prozent technisch produzierte Schnee in Südkorea nimmt sich ein Vorbild an den zu 60 Prozent beschneiten Pisten im Skigebiet Adelboden-Lenk. Und dass Marcel Hirscher auch 2018 gerne gewinnt, wissen wir nicht nur seit Olympia, sondern bereits seit seinem Auftritt am Weltcup Adelboden.

Warum sollte ich also von Olympia träumen? Gerade weil es das alles auch hier gibt. Die aktuelle Laser- und Schneesportshow von «Chuenis bi Nacht» läuft nämlich ebenfalls unter dem Motto «Olympic Dreams». Und während die Athleten schon am 25. Februar wieder von Südkorea heimfliegen, können sie am Chuenisbärgli noch lange weitermachen. «Chuenis bi Nacht» gibts nämlich jeden Freitag bis am 2. März.

Es gibt immer einen Grund zum Abheben

Nach Weihnachten, Silvester und dem Weltcup ist den Oberländern nicht mehr nach Festen zumute? Aber mitnichten! Ein Blick auf den Kalender verrät, dass sich am 10. Januar eine unglaubliche Menge an Feiertagen konzentriert. Sie mögen ihren Ursprung nicht in der Region haben, sind aber trotzdem genau auf das Engstligtal zugeschnitten:

  • Der 10. Januar gilt etwa als Spar-Energiekosten-Tag. Der fügt sich wunderbar in ein Tal, das über ein derart grosses Potenzial an Wasser- und Solarenergie verfügt.
  • Der 10. Januar wird auch als Tag der Zartbitterschokolade gefeiert. Auch das passt ins Gemeindebild: Wer der Adelbodner Dorfstrasse entlang flaniert, findet genügend süsse Gründe, an diesem Datum anzureisen.
  • Und schliesslich findet am 10. Januar auch der Rettet-die-Adler-Tag statt. Ideal: Erst letzte Woche wurde in Frutigen ein Adlerweibchen ausgewildert. Und mit Chrigel Maurer haben wir ja noch ein weiteres putzmunteres Exemplar am Himmel.

An alle also, die in den nächsten Tagen etwas abspecken wollten: Sorry, aber das Feiern geht weiter.