Ein Thron auf der Piste 2

Ach, was habe ich in meinem letzten Blog-Eintrag geschwärmt vom Skigibel, dem einzigen Gefährt, das Ski und Sitzschale so trefflich vereint. Nun haben die Sportwochen begonnen, und Scharen neugieriger Nachwuchsfahrer stürmen wieder die Pisten. Da wäre ein Wort zur Warnung angebracht. Ich war nämlich am Wochenende nachts mit dem Skibock auf Tschenten unterwegs und möchte meine Meinung nun leicht revidieren.

Es war beissend kalt auf der Schlittelbahn, eisige Böen trieben undurchdringliches Schneegestöber dicht über die Strecke, Wolken verfinsterten den Mond und das Motto „Fahr einfach den Lichtern nach“ war mit dem Gibel dementsprechend schwierig umzusetzen. Ich hatte zudem einen Skibock mit extrem kurzer Latte erwischt, so dass schon leichte Schwellen und kleine Löcher in der Dunkelheit zu Sprungschanzen und Fallgruben mutierten. Ergebnis: Mehrere Taucher im Tiefschnee, dicke Eiszapfen im klammen Bart und ein blauer Fleck am Oberschenkel in Grösse und Form von Lateinamerika. Derweil überholten mich meine Kollegen links und rechts elegant und lächelnd auf ihren gefederten Schlitten (verdammt, eigentlich wollte ich diesmal nicht schon wieder jammern …).

Und die Moral? Gebricht es dir an Können und Licht, wähle den Schlitten, den Gibel nicht.

Ein Thron auf der Piste

Ich fahre gerne Snowboard, aber mit der Zeit wird der Hosenboden oft nass-kalt vom Sitzen im Schnee. Ich fahre gerne Ski, aber meine zarten Füsse schmerzen rasch in den engen Plastikschuhen. Ich fahre gerne Schlitten, aber bei warmen Temperaturen sinken mir die Kufen zu schnell ein. Ich winterwandere gern, aber man kommt dabei einfach nicht richtig vom Fleck.

So, genug gejammert. Die Adelbodner haben für mich ja schliesslich schon vor fast 100 Jahren eine praktische Lösung für alle diese Problemchen entwickelt: Den Skigibel oder Skibock, ein Gefährt, bei dem ein Sitz auf einen einzelnen Ski montiert ist. Meine Vorteile liegen klar auf der Hand: Ich sitze sicher, komme zügig voran, sinke nicht ein und kann meine bequemen Winterschuhe anbehalten. Durch den gebrauchten Ski mit seiner individuellen Geschichte bekommt der Gibel ausserdem automatisch etwas Kultiges.

Ich meine, da muss doch einfach was dran sein, wenn die Adelbodner Kids den Skibock sogar benützen, um schneller in der Schule zu sein. Schneller! Die Lehrer dürfte es freuen.

Winter ≠ Winter

Im Winter denkt man in Adelboden an die weissen Dächer und Berge, an blauen Himmel und sternenklare Nächte sowie an knirschenden Schnee unter den Schuhen. Was gibt es Schöneres, als von der Skipiste aus auf das Nebelmeer hinunter zu blicken? Für diesen Beitrag habe ich mich nun in dieses Nebelmeer gewagt. In der Stadt ist es ein anderer Winter, wie wenn Dementoren durch die Gassen streifen. Trist und unbehaglich. Der Schnee Matsch ist dunkel vom Dreck und es sieht so aus als ob sich die Sonne seit Wochen nicht mehr gezeigt hat.

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Kein Wunder gibt es im Winter viele Depressionen. Ich ziehe mich so schnell wie möglich wieder in die Berge zurück und sehe den Winter in Adelboden mit anderen Augen. Z’Bärner Oberland isch schön!

Eskimo entdeckt Oberland

Kunvaktok staunte nicht schlecht, als er das Iglu betrat. Er gehörte zum Stamm der Kalaallit, einer grossen Inuit-Familie aus Grönland, aber diese eisige Konstruktion hier kam ihm fremd und zugleich vertraut vor. Die Schneekuppel schien deutlich grösser als die arktischen Exemplare und verzweigte sich in verschiedene Kammern und Gänge. Das mussten Tausende Kubikmeter sein, die hier verbaut worden waren. Die Felle auf den Sitzplätzen erinnerten ihn an zu Hause, aber der Rest? Kerzen und Laternen erhellten das gewaltige Gewölbe im Innenraum, fremdartige Ornamente und Reliefs zierten die Wände, Eis-Skulpturen schmückten reich gedeckte Tische, und auf diesen dampfte eine gelbliche Masse in einem Topf über kleiner Flamme. Der Grönländer schnupperte – das roch weder nach Robbentran noch nach Narwal-Leber. Aber trotzdem irgendwie verlockend. Kunvaktok griff nach einem stählernen Gegenstand, der wie eine kleine Harpune aussah, und spiesste damit einen kleinen, weichen Würfel neben dem geheimnisvollen Brei auf. „Angiyok!“, rief er nach dem ersten Bissen aus – was in der Sprache der Inuit für „super“ steht …

Zugegeben, Kunvaktok hat das Fondue-Iglu auf der Engstligenalp in Wirklichkeit noch nicht besucht. Aber wenn er es täte, dürfte er ruhig sein Handy zücken, um seinen anderen 199 Kalaallit-Kumpels Bescheid zu geben. Denn so viele Sitzplätze stehen hier zur Verfügung.

Du sollst nicht «kürvelen»!

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl wenn man aufwacht, gespannt einen Blick aus dem Fenster wagt und draussen das allerschönste Wetter auf einen wartet? Ich wette jeder kennt diesen Augenblick. Wenn es dann noch der Dienstag nach der Altjahrswoche ist und man sich sicher sein kann, dass man, um auf die Pisten zu kommen, nicht mehr Zeit verbringt als schlussendlich auf der Piste selbst, hält einen nichts mehr auf.

So ging es mir heute Morgen. Sofort machte ich mich auf den Weg! Skianzug an. Entscheidung Ski oder Snowboard. Snowboard. Und ab geht’s!

Alles war wunderschön als ich auf Silleren ankam. Wie vermutet wenig Leute, was bedeutete: Freie Fahrt… mehr oder weniger. Wie sicher vielen bekannt ist, ist das Traversieren auf dem Snowboard besonders mühsam. Doch kein Problem wenn nicht viele Leute unterwegs sind. Dachte ich zumindest.

Ich fuhr also guter Dinge auf die Strecke Silleren-Geils zu. Wie könnte es anders sein: Ein Skifahrer und ein Schlittenpassagier drängten sich vor mich. Toll! Da der «Schlittler» sich vernünftig zeigte, kam ich ohne Probleme an ihm vorbei. Schnell merkte ich, dass ich auch den Skifahrer, der durchaus nicht zu schnell unterwegs war, überholen würde. Als ich zum Angriff übergehen wollte, fing dieser plötzlich an, von einem Pistenrand bis zum anderen seine Bogen zu ziehen. Die logische Schlussfolgerung: ich musste bremsen. Meine Gedanken: – «Merci vill mal!» Die Traverse ohne Probleme zu überstehen wurde zur Unmöglichkeit!

Deshalb ein gut gemeinter Rat an alle Pistenbesucher: Machen Sie sich doch selbst keine Feinde. Merken Sie sich für schmale Traversen: Du sollst nicht «kürvelen»!