Eskimo entdeckt Oberland

Kunvaktok staunte nicht schlecht, als er das Iglu betrat. Er gehörte zum Stamm der Kalaallit, einer grossen Inuit-Familie aus Grönland, aber diese eisige Konstruktion hier kam ihm fremd und zugleich vertraut vor. Die Schneekuppel schien deutlich grösser als die arktischen Exemplare und verzweigte sich in verschiedene Kammern und Gänge. Das mussten Tausende Kubikmeter sein, die hier verbaut worden waren. Die Felle auf den Sitzplätzen erinnerten ihn an zu Hause, aber der Rest? Kerzen und Laternen erhellten das gewaltige Gewölbe im Innenraum, fremdartige Ornamente und Reliefs zierten die Wände, Eis-Skulpturen schmückten reich gedeckte Tische, und auf diesen dampfte eine gelbliche Masse in einem Topf über kleiner Flamme. Der Grönländer schnupperte – das roch weder nach Robbentran noch nach Narwal-Leber. Aber trotzdem irgendwie verlockend. Kunvaktok griff nach einem stählernen Gegenstand, der wie eine kleine Harpune aussah, und spiesste damit einen kleinen, weichen Würfel neben dem geheimnisvollen Brei auf. „Angiyok!“, rief er nach dem ersten Bissen aus – was in der Sprache der Inuit für „super“ steht …

Zugegeben, Kunvaktok hat das Fondue-Iglu auf der Engstligenalp in Wirklichkeit noch nicht besucht. Aber wenn er es täte, dürfte er ruhig sein Handy zücken, um seinen anderen 199 Kalaallit-Kumpels Bescheid zu geben. Denn so viele Sitzplätze stehen hier zur Verfügung.

Du sollst nicht «kürvelen»!

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl wenn man aufwacht, gespannt einen Blick aus dem Fenster wagt und draussen das allerschönste Wetter auf einen wartet? Ich wette jeder kennt diesen Augenblick. Wenn es dann noch der Dienstag nach der Altjahrswoche ist und man sich sicher sein kann, dass man, um auf die Pisten zu kommen, nicht mehr Zeit verbringt als schlussendlich auf der Piste selbst, hält einen nichts mehr auf.

So ging es mir heute Morgen. Sofort machte ich mich auf den Weg! Skianzug an. Entscheidung Ski oder Snowboard. Snowboard. Und ab geht’s!

Alles war wunderschön als ich auf Silleren ankam. Wie vermutet wenig Leute, was bedeutete: Freie Fahrt… mehr oder weniger. Wie sicher vielen bekannt ist, ist das Traversieren auf dem Snowboard besonders mühsam. Doch kein Problem wenn nicht viele Leute unterwegs sind. Dachte ich zumindest.

Ich fuhr also guter Dinge auf die Strecke Silleren-Geils zu. Wie könnte es anders sein: Ein Skifahrer und ein Schlittenpassagier drängten sich vor mich. Toll! Da der «Schlittler» sich vernünftig zeigte, kam ich ohne Probleme an ihm vorbei. Schnell merkte ich, dass ich auch den Skifahrer, der durchaus nicht zu schnell unterwegs war, überholen würde. Als ich zum Angriff übergehen wollte, fing dieser plötzlich an, von einem Pistenrand bis zum anderen seine Bogen zu ziehen. Die logische Schlussfolgerung: ich musste bremsen. Meine Gedanken: – «Merci vill mal!» Die Traverse ohne Probleme zu überstehen wurde zur Unmöglichkeit!

Deshalb ein gut gemeinter Rat an alle Pistenbesucher: Machen Sie sich doch selbst keine Feinde. Merken Sie sich für schmale Traversen: Du sollst nicht «kürvelen»!

 

Russische Tage

Eben habe ich noch Doktor Schiwago im Fernsehen beobachtet, wie er episch durch den meterhohen Schnee der russischen Taiga stapft. Tja, Festtagsprogramm. Sowas konnte ich mir während der grünen Weihnachten nicht vorstellen. Und jetzt? Watteweiche Ruhe hat sich mit einem weissen Laken über die Landschaft gelegt, lautlos gleitet ein Wassertropfen einem Eiszapfen an der Dachrinne entlang, still kauert der Kolkrabe im überzuckerten Geäst. Minus 12 Grad. Tja, Doktor Schiwago, dazu muss ich nicht nach Sibirien reisen. Und so friedlich darf die Winterlandschaft bleiben. Bis eine fröhliche Kinderschar eine Schneeballschlacht entfesselt, bis sich endlich das Drahtseil des Skilifts aufwärts bewegt, bis der Schneepflug knirschend den Weg freiräumt – zur Piste, zur Loipe, zum Schlittenweg und zum Wanderweg. Und so lebendig darf es nun ebenfalls bleiben. Also nichts wie raus – die Fernbedienung meines Fernsehers ist vorhin ohnehin kaputtgegangen. Sorry, Doktor Schiwago, ich stapfe jetzt lieber selbst umher.

 

 

Vo Adelbodä

Die grosse Frage steht im Raum: Warum liebe ich Adelboden? Gute Frage! Warum komme ich jedes Mal wieder in dieses «Kaff» zurück um immer wieder dieselben Gesichter zu sehen? Um immer wieder in denselben Lokalen zu konsumieren? Eigentlich klingt es, wenn ich darüber nachdenke, tödlich langweilig. Nun, es hat schon seine Wahrheit. Eigentlich ist es immer dasselbe. Doch wie schlimm kann es sein? Denn es macht immer wieder Spass und es kommt immer etwas Neues dazu.

Aber das Schöne daran ist: Adelboden verbindet. Gerade in der Winterzeit trifft man sich hier wieder und man hat sich immer etwas zu erzählen, selbst die Einheimischen. Meiner Meinung nach ist Adelboden in vielerlei Hinsicht einzigartig. Doch finden Sie es selbst heraus!

Und nicht nur ich, auch das Vogellisi kommt ja «vo Adelbodä här». «Wenn i numä wüsst wo z Vogellisi wär…». Es ist ja schon fast weltbekannt, dass es sich irgendwo im schönen Adelboden befindet. Doch wo? Nun, ich habe sie schon erlebt die Anmut der Legende die unser Dorf verkörpert.

Finden Sie sie selbst.

 

 

150 Jahre

Und Entschuldigung, aber ich kanns im Moment fast nicht mehr hören: Das ganze Land plappert derzeit über das runde Jubiläum des Schweizer Wintertourismus. Wenn Dir 50 Leute auf 100 verschiedene Arten erklären, dass etwas 150 Jahre alt ist, treten naturgemäss Ermüdungserscheinungen auf, und die Aufmerksamkeit erschöpft sich in einem matten Nicken – besonders, wenn man selbst zu diesen 50 Leuten gehört. Und gut, es gäbe ja immerhin noch vieles am Rande zu entdecken, zahlreiche Nebenschauplätze für fesselnde Berichte warten auf die Feder: Etwa dass der Wildstrubelgletscher 1864 noch etwa 500 Meter länger war als heute. Oder dass das Hickory-Holz der ersten Ski hierzulande zu den Walnussgewächsen gehört und bereits im 19. Jahrhundert nur noch in Nordamerika vorkam. Alles ganz interessant.

 Und nein, ich will kein Spielverderber sein. Es gibt natürlich grundsätzliche, historische Fragen, die das Jubiläum aufwirft und die irgendjemand irgendwo irgendwie sicher auffangen sollte. Wer war der erste? Wo gings am schnellsten? Was kam am Anfang? Warum gerade hier? Wie lief die Entwicklung? Fragen über Fragen, die andere an anderer Stelle besser beantworten können. Aber wenn ich hier noch meinen Senf hinzubloggen darf, dann doch eher mit der Feststellung: Was 150 Jahre dauert, hat immerhin Konstanz bewiesen, Zähigkeit, Widerspenstigkeit, Widerstandsfähigkeit. Ein gewisser Trotz gegenüber eisigen Hindernissen und winterlichen Mühsalen. Wer wieder aufsteht, ist vorher nämlich wahrscheinlich hingefallen. Wer springt, musste sich vorher bücken. Wer gleitet, brauchte vorher oft einen gutgemeinten Schups von hinten.

 Und ja, auch ich komme an dieser Stelle wieder mit historischen Beispielen dieser Widerstandskraft – es sei mir als einer der 50 Leute (siehe oben) verziehen. In einem Moor beim schwedischen Ort Hoting ist ein 4500 Jahre alter Ski gefunden worden. Man darf annehmen, dass der Besitzer damals sicher ordentlich geflucht hat, als er ihn verlor, dass er dann aber nach Hause zurückkehrte und sich eine neue Latte zimmerte. Die Nachbauten seines Geräts gleiten heute rund um den Planeten. Im WM-Training tausende Jahre später stürzte der Skifahrer Fred Rubi. Seine schwere Rückenstauchung hielt ihn aber nicht davon ab, sich alsbald zum Adelbodner Kurdirektor wählen zu lassen und die internationalen Rennen in Adelboden zu gründen.

Und ok, ich gebe es zu, solche Wintergeschichten höre ich immer wieder gerne.