Der wahre Wert der Nische

Ich fuhr heute an meinem Lampengeschäft vorbei und bemerkte, dass es wieder geöffnet ist. Ich trat ein und wurde auch prompt bedient. Da der Laden nebst Lampen auch «überlebenswichtige» Batterien verkauft, ist das anscheinend neu erlaubt. Lieferdienste, Take-aways, Online-Beratungen – viele Betriebe suchen und finden derzeit eine Nische, in und mit der ihr Geschäft auf irgendeine Art weitergeführt werden kann. Eine Nische finden – das klingt eigentlich vertraut und gemütlich.

Auch das Leben an sich, auch der Alltag neben der Arbeit wird derzeit in eine Nische gedrängt. Und das ist eben das Merkwürdige an der aktuellen Situation: «Nische», «Zuhause» oder «Nähe» sind eigentlich positiv besetzte Begriffe, die uns Wärme, Sicherheit und Ruhe versprechen. Da sollte man nicht gedrängt werden. Die letzten Wochen haben diese Werte allerdings auf den Kopf gestellt. Plötzlich wird Nähe zu anderen gefährlich, und in der engen Nische, im noch so gemütlichen Zuhause fällt uns die Decke auf den Kopf.

Wenn wir früher oder später wieder zur Normalität zurückkehren, müssen auch die Wörter wieder ihren gewohnten Platz finden. Es bedeutet viel, wenn die Bedeutung stimmt. Und genau das wird erreicht, wenn wir in bald wieder lange und weit raus in die Natur gehen können: Dann kehren wir gerne aus der Weite ins kleine Zuhause zurück, dann ist die Nische nicht überlebenswichtig und behördlich verordnet – sondern einfach nur gemütlich.

Ein Countdown zum Schaukeln

Ich habe es wieder einmal verschwitzt. Schon vor Wochen wollte ich über die Giant Swing, die Riesenschaukel auf der Tschentenalp, schreiben. Damals präsentierte sich der Himmel zwar eher verhangen, doch es hatte mich trotzdem hoch zur Anlage gezogen. Beim Schwingen im dichten Nebel stellte ich dann fest, dass das alpine Erlebnis nicht nur von der Höhenlage beflügelt wird, sondern auch von der speziellen Aufhängung: Die fünf Meter langen Seile sind schliesslich am Drahtseil des Skilifts befestigt. Das sorgt für eine Art Federung, die dem Schaukeln noch einmal eine zusätzliche Komponente verleiht.

Item, in der anschliessenden Spätsommer-Phase hatte ich anderes zu tun als zu bloggen. Und nun, da ich endlich meinen Post verfasse, blicke ich vom Bürofenster aus auf den abgedeckten Schneehaufen unter der Tschentenalp. Im Rahmen des Projekts Snowfarming wird daraus bald wieder eine herbstliche Trainingspiste erstellt. Dann läuft der Skilift für die ersten Sportler an – und die Giant Swing muss ihnen wohl bis zum Frühling 2020 weichen. Wer also noch in den Genuss des Sitzes mit Federung kommen will, sollte bis zum 20. Oktober die Gondel nehmen. Ich sehe da noch einige Sonnentage kommen – aber mit Nebel klappt es ja auch prima.

Das epische Luftduell

Während ich diese Zeilen schreibe, nähert sich Chrigel Maurer gerade dem siebten Wendepunkt bei den x-Alps. Dass der Gleitschirmprofi und fünffache Titelgewinner wieder einmal vorne liegt beim legendären Hike&Fly-Rennen, überrascht nicht. Erneut ist der Pilot so zügig unterwegs Richtung Mittelmeer, dass ihm seine Supporter teils kaum folgen können. «Chrigel ist superschnell», meldet das Team. Und keiner widerspricht.

Erstaunlicher ist aber, wie stark die Franzosen dieses Jahr fliegen. Alle vier x-Alps-Teilnehmer aus dem Nachbarland sind heute Mittwoch in den Top Ten, und der Franzose Maxime Pinot klebt Chrigel Maurer seit geraumer Zeit als Zweiter im Nacken. Entsprechen schreiben die Organisatoren in ihren Newsbeiträgen: «France vs. Switzerland? Es kann nur einen Sieger geben» oder «Das epische Duell geht weiter».

Gerade hat Maurer einen Vorteil, da er derzeit über der Schweiz fliegt, wo er sich auskennt. Die letzten Etappen des Rennens verlaufen aber in Frankreich – und dort ist Maxime Pinot im Vorteil. Ein Fan hat dem Franzosen gestern sogar geschrieben: «Du bist der Adler des Tages.» Adler? Ich dachte, dieser Übername sei bereits vergeben. Aber vielleicht kann es diesmal ja mehr als einen geben …

Wohlfahrt im Wald

Schön, haben sich Adelboden, Frutigen, Kandergrund, Kandersteg und Reichenbach in Sachen Schutzwälder gerade zusammengeschlossen. Denn der Forst schützt und nützt nicht nur, er hat gemäss den Gemeinden auch eine Wohlfahrtsfunktion. Wohlfahrtsfunktion des Waldes – schade, dass ich mir darunter recht wenig vorstellen kann. Dass es mir wohl ist, wenn ich durch den Forst fahre, dürfte den Kern Sache eher verfehlen. Oder verteilt da jemand Sozialhilfe unter den Tannen? Wohlfahrtsfunktion – im Waldgesetz steht dazu auch nicht viel mehr. Dort redet der Bund lieber von der «Wiederbestockung von Blössen» (Art. 23), was für mich ehrlich gesagt etwas obszön klingt.

Besser erklärt es die Bundesverfassung von 1999: Dort steht, die Wohlfahrtsfunktion des Waldes meine seine Bedeutung als Erholungsraum für die Menschen. Aha. Das stimmt natürlich. Die Waldluft tut unseren Lungen gut, das Klima ist kühl und feucht, die Atmosphäre wind-, lärm- und sonnengeschützt. Ausserdem hat man hier jede Menge Platz, um sich zu bewegen und zu entspannen.

Im Schweizerischen Zivilgesetzbuch schliesslich finde ich schliesslich noch einen Absatz, der meine Wohlfahrt im Wald noch viel besser funktionieren lässt: Das freie Betreten des Waldes und das Sammeln von Beeren seien jedem gestattet, heisst es dort. Beereni à la carte? Klingt ganz nach einem Motto für die Sommersaison. Denn Wohlgeschmack gehört sicher auch zur Wohlfahrt.

Hallo Trinknachbar!

Letzten Monat habe ich gelobt, die Diskussion rund um Sportler und Mineralwasser noch einmal aufzunehmen. Daran erinnert hat mich gestern eine Arbeitskollegin, die gerade aus den Ferien in Bayern zurückgekommen war und  an einer Flasche heimischen Wassers nuckelte. Aber halt, bei genauerem Hinsehen stand da gar nicht «Adelbodner Mineral», sondern «Adelholzener Alpenquellen»! Es zeigte sich, dass ihr Durstlöscher von einer deutschen Firma im Chiemgau stammte, die genau wie unser Unternehmen verschiedene Getränke vermarktet. Und die Gemeinsamkeiten erstrecken sich auf diverse weitere Gebiete.

  • Geschichte: Die Adelbodner Mineral- und Heilquelle wurde 1559 entdeckt. Das bayrische Pendant soll gar vor über 1700 Jahren von einem römischen Legionär und Einsiedler aufgespürt worden sein.
  • Sport: Über Adelbodner und die gesponserten Schwinger muss ich ja nichts mehr schreiben. Interessant ist aber, dass auch die Chiemgauer Stars verpflichten: Fussballer des FC Bayern München wie Thomas Müller, Joshua Kimmich und Leon Goretzka trinken im TV Adelholzener.
  • Geografie: Das Adelbodner Mineralquelle entspringt nach mehrjähriger Reise durch die Gesteinsschichten der Bergwelt. Dito das Adelholzener Mineralwasser: Es wird aus 140 Metern Tiefe gefördert, wo es eine 40 Meter dicke Tonschicht schützt.
  • Wohlfahrt: Die Adelholzener Alpenquellen gehören zur Kongregation der «Barmherzigen Schwestern», die mit den Erlösen soziale Projekte finanziert. Das erinnert an das 2014 lancierte Vives-Mineralwasser aus dem Berner Oberland, womit gemeinnützige Projekte in Afrika unterstützt wurden.

Hm, jetzt habe ich mehr verglichen als diskutiert. Und viel mehr Platz lässt mir dieser Blogpost nicht. Je nun, einen Schluck Mineral haben wir uns trotzdem verdient. Oder wie sagen die in Bayern: «O’zapft is!»