Gegen die beständige Unbeständigkeit

Am Freitag sprossen in Adelboden fleissig die Krokusse, am Sonntag lag das Dorf unter einer Schneeschicht, und heute ist wieder Grün angesagt. «Beständig unbeständig» lautete das Wetter-Motto eines abtretenden Aprils, der 2019 wirklich machte, was er wollte. Und dann macht der Mai witterungstechnisch nochmals alles neu – am Wochenende sollen wieder die Flocken fallen. Wenigstens hat die Engstligenalp da die Lifte noch in Betrieb.

In diesem Wechselbad der Frühlingsgefühle bin ich manchmal froh, gibt es noch unerschütterliche Fixpunkte in der Engstligtaler Landschaft. Und ich rede jetzt nicht vom Tschingellochtighorn oder vom Busfahrplan. Nein, es sind die kleinen Veranstaltungen, die einem in der Adelbodner Agenda mit schöner Regelmässigkeit immer wieder über den Weg laufen und die für Konstanz sorgen. Da ist die Yogastunde, dort das Schwimmen für Frühaufsteher. Da ist das Kinderballett, dort ist das Zmorge in der Bäckerei. Kritische Geister mögen nun monieren, dass solche Angebote gar nicht in einen Eventkalender gehören. Das seien ja keine richtigen Veranstaltungen, sondern nur schnöde Aktivitäten.

Ich aber entgegne: Wenn ein Event darin besteht, zusammen Freude zu erleben, wenn es dabei darum geht, in der Gruppe der Unbeständigkeit der Welt zu trotzen, dann ist das gemeinsame Zmorge allemal ein Event. Dann ist es egal, was April und Mai gerade machen. Dann hat das Leben für kurze Zeit einfach Bestand. En Guete.

Viel Wasser auf alte Mühlen

Ich habe kläglich versagt. Eigentlich wollte ich einen Text zu unserem Adelbodner Schwinger Inniger Thomas posten. Erinnern Sie sich? Der wurde Anfang März zum neuen Botschafter fürs lokale Mineralwasser gekürt – eine Steilvorlage für einen kleinen Beitrag im Blog. Ich sammelte raffinierte Verweise zu anderen Zweikampf-Disziplinen, wo das Wasser ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Ich wurde unter anderem fündig bei japanischen Sumo-Ringern, die sich vor dem Kampf den Mund mit Chikara-mizu («Kraftwasser») ausspülen. Ich war auf bestem Weg, einen ordentlichen Job zu machen.

Das war vor einem Monat. Seither ist viel Schmelzwasser die Engstlige hinabgeflossen, ohne dass der Post je erschienen wäre. Ich wurde aufgehalten, und nun steht am Wochenende schon der Ballenberg-Schwinget vor der Tür. Der angefangene Text ist inzwischen unauffindbar. Je nun, das Thema Flüssigkeit bleibt mir erhalten: So hat der Grosse Rat gerade entschieden, seine Mitarbeiter nicht zu Hahnenwasser zu verdonnern. Dass die Beamten dagegen weiterhin edles Mineralwasser schlürfen dürfen, verdanken sie wirtschaftlichen Interessen: Das Parlament machte geltend, ein Mineralwasserverbot schade den Abfüllern. Einer der Betriebe liege schliesslich im Kanton Bern. Und nun raten Sie einmal, wo.

Ich persönlich trinke fast ausschliesslich Hahnenwasser. Aber bevor ich nun mit einem Wyberhaken zu Boden geschwungen werde, vertage ich die Diskussion auf nächsten Monat.