Neue Debatte um alten Schnee

«Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert», stand auf der Webseite von «20 Minuten». Grund: Die Eröffnung der Snowfarming-Piste auf der Tschentenalp hatte in kürzester Zeit über 400 Kommentare generiert, sodass das Newsportal die Notbremse ziehen musste. Online hatte dort tatsächlich ein hitziger Schlagabtausch von Kritikern und Befürwortern des Adelbodner Pilotprojekts mit Altschnee der letzten Saison stattgefunden. Wer sich in die Debatte einklinkte, merkte jedoch bald, dass die Äusserungen auf der Plattform meilenweit von einer vernünftigen Diskussion entfernt waren. Viele der Kommentatoren haben die zugehörigen Artikel in den Medien offenbar gar nicht gelesen. Da wurde der übersömmerte und mittlerweile zu einer Piste verteilte Naturschnee kurzerhand eingeflogen, mit Schneekanonen produziert oder mit elektrischen Hilfsmitteln gekühlt – was alles frei erfunden ist.

Nun kann man sich tatsächlich fragen, ob die Viertelmillion Franken nicht hätte sinnvoller angelegt werden können, und ob ein weisser Streifen im Grün die richtigen Signale Richtung Flachland sendet. Umgekehrt frage ich mich aber auch, ob die «20 Minuten»-Seite bei einem Bericht über einen abgedeckten Gletscher ebenfalls kollabiert wäre – was unter dem Strich dieselbe Prozedur ist. Am wichtigsten scheint mir aber, dass neben dem «Snowfarming» auch das «Information-Farming» mehr thematisiert werden müsste. Gemäss dem Jahrbuch «Qualität der Medien» 2018 sind immer mehr Menschen News-unterversorgt bzw. wenden sich vom Qualitätsjournalismus ab. Die Tschenten-Debatte zeigt es dabei mehr als deutlich: Es braucht eine solide Basis – für Pisten wie für Diskussionen.