Meine Revanche

Favorit Christian Stucki hat sich also am Sonntag am Engstlig-Schwinget durchgesetzt. Je nun, als Pate der Globi-Bahn zum Hochplateau hatte der Seeländer sicher eine Art Heimvorteil. Die Verlierer brauchen sich indes nicht zu grämen. Einerseits ist es keine Schande, gegen einen 140-Kilo-Koloss mit 41 Kranzfest-Siegen zu unterliegen. Andererseits gibt es schon in gut einem Monat eine Gelegenheit zur Adelbodner Revanche: Beim Event «Mit Stucki in den Ring» können sogar Anfänger den Hünen auf der Engstligenalp fordern.

Gut, bis zum Showdown vom 16. September dauert es noch ein Weilchen. Genug Zeit, um sich zu überlegen, ob man wirklich gegen den 198-cm-Mann in den Ring steigen will. Auf den ersten Blick klingt diese Affiche nicht nach sehr viel Spass. Allerdings gibt es auch ein paar schmeichelhafte Nebeneffekte: So heisst es ja erstens, dass im ersten Gang des Anschwingens die jeweils besten Kämpen gegeneinander eingeteilt werden. Und das bedeutet, dass sich jeder Laienschwinger Stucki ebenbürtig fühlen darf – zumindest in den ersten 2 Sekunden des Kampfs.

Zweitens werden die Schwinger ja öfters als «Böse» bezeichnet. Der liebevoll gemeinte Begriff schmeichelt den Teilnehmern und nimmt einem gleichzeitig das Lampenfieber – denn «böse» und «Stucki» lässt sich nur schmunzelnd im selben Satz verwenden. Und drittens tut es ja immer gut, wenn einem jemand auf die Schulter klopft – und sei es nur, um das Sägemehl zu entfernen. Na denn: Ring frei!

Eine historische Verbindung

SRF ist für die Sendung «Schweiz aktuell – Die Alpenreise» von Kandersteg nach Frutigen gereist. Dabei ging es nicht nur um die Reise. Im Rahmen eines Wettbewerbs, der heute endete, sollten sich in den Gemeinden möglichst viele Einwohner in historischer Kleidung versammeln. Dass sich Kandersteg mit 222 Teilnehmern den ersten Platz sicherte, erstaunt nicht – schliesslich sind sich die Kandertaler mit der jährlichen Belle-Epoque-Woche historische Kostüme gewohnt. Der dritte Platz Frutigens mit immerhin 61 Verkleideten ist da schon bemerkenswerter. Hier scheint es eine ähnliche Mentalität in Sachen Geschichtsbewusstsein zu geben.

Was verbindet die beiden Orte denn historisch? Früher waren es Pferdekutschen. Es war allerdings eine nicht ganz ungefährliche Verbindung. Der Autor Mark Twain beschrieb 1878 auf seinem «Bummel durch Europa», wie sich sein Kutscher unterwegs zwischen Frutigen und Kandersteg betrank und dann recht unaufmerksam die Weiterfahrt anging: «Wie er auf seinem Hochsitz kniet, die Ellenbogen auf der Rückenlehne, und mit seligem Blick und flatterndem Haar und vergnügtem rotem Gesicht auf seine Fahrgäste herunterstrahlt!» Heute sorgen natürlich die AFA-Busse für eine sicherere Strassenverbindung. Denn die Fahrer wissen sich inzwischen besser zu beherrschen als ihre Vorgänger aus dem 19. Jahrhundert.

Was die Orte natürlich ebenfalls nach wie vor verbindet, ist die Schönheit der Landschaft, die Twain ebenfalls so trefflich beschrieb: «Ein wunderschönes, grünes, von Sennenhütten getüpfeltes Tal, ein trauliches Reich, das sich weitab von der Welt in einem abgeschlossenen Winkel verbarg (…). Hier könnte man seelenruhig sein Leben verträumen und es nicht vermissen und sich nichts daraus machen, wenn es dahin ist.» Wenn in diesem Fazit nicht schon etwas Nostalgie mitschwingt …