Doppelt wirkt einfach besser

Von wegen Doppelspurigkeiten sollen abgebaut werden. Gerade als Pendler fahre ich gerne zweigleisig. Mit Velo und Bahn. Mit Zeitung und Buch. Mit Banane und Apfel. Mit Gedanken zum Geschäft und zur Familie. Und dann steige ich am Bahnhof Frutigen aus, wo gerade die BLS und Frutigen Tourismus zusammengezogen sind. Zwei Parteien, ein Ort: Auch die mögen es anscheinend gerne doppelt. Gut für mich.

Dass das Bahn-Reisezentrum und der Tourismus-Leistungsträger seit Januar ihre Räumlichkeiten teilen, hat sicher Vorteile. Rette ich mich vor dem Schneesturm an die Wärme, kann ich gleich noch die neusten Angebote studieren. Aus dem Wartesaal entspringt die Winterwelt, egal, welches Personal ich gerade frage. Zudem profitieren Einheimische und Auswärtige gleichermassen von der Neuerung – wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Kritiker mögen jetzt einwenden, der Bahnhof Frutigen fungiere für die meisten doch nur als Durchgangsstation. Na und? Genau das soll das neue Zentrum doch auch sein: Eine Scharnierstelle, die (Fahr-)Gäste orientiert, inspiriert und weiterleitet. Zum Beispiel zum Tropenhaus, zur Hängebrücke Hostalde, zum Sportzentrum oder ins Skigebiet Elsigen-Metsch. Für ein Schwätzchen mit dem jungen Frutigen-Tourismus-Geschäftsführer Christof Kaufmann dürfte die kostbare Zeit hoffentlich trotzdem noch reichen (auf dem Bild rechts zu sehen). Der ist deutsch-schweizerischer Doppelbürger und mag Zweigleisigkeiten deshalb wohl ebenso gerne wie ich …

Der Doktor macht wohl Scherze?

Ich habe selber Mediziner in der Familie. Darum weiss ich dreierlei: Ein Arzt muss erstens verschiedene Rollen beherrschen. Weil die Klienten eben auch verschieden auf ihn reagieren. Ich weiss zweitens, dass das Berner Oberland manchmal leider viele Patienten liefert. Waldarbeiter. Gleitschirmflieger. Motorradliebhaber. Skifahrer. Hier ist Effizienz und Erfahrung bei der Behandlung gefragt. Drittens macht sich Humor trotz Krankheit gut. Es gibt in der Schweiz sogar einen Verein zur Förderung von Gesundheitsclowns (kein Witz!).

Nun will ich dem Spital Frutigen diesbezüglich nicht seine Kompetenzen absprechen. Aber es gibt einen Arzt, der diese drei Anforderungen perfekt erfüllt: der Komiker Fabian Unteregger. Der studierte Mediziner ist mit seiner One-Man-Show gerade mit dem Programm «Doktorspiele» unterwegs. Und macht am 2. Februar auf der Tschentenalp Halt. Dabei schafft er spielend den Spagat zwischen Schnee, Stethoskop und Mikrofon. Denn schon als Kind fand Unteregger beim Skifahren die Pistenrettung das Grösste. Doch die zweite Leidenschaft galt eben gleichzeitig der Parodie.

Rollenspiele sind zwar nichts Neues im Engstligtal: Man denke nur ans vielschichtige Vogellisi, an die nostalgischen Verkleidungen am «Horäschlittä-Renä» oder an die perfekte Tarnung der Birkhühner. Aber der Zürcher Stand-Up-Comedian legt hier noch einen drauf: 50 Promis von Baschi über Roger Federer bis Christoph Blocher kann der 38-Jährige imitieren. Und nach weit über 500 Soloshows weiss Unteregger, dass die Berner ein gutes Comedy-Publikum sind. Und dass es sich darum lohnt, aus einem Hausberg einen Humorberg zu machen. Fazit: Diese Diagnose lässt sich doch hören.

Tschenten meets Fabian Unteregger: Donnerstag, 2. Februar 2017, 18 Uhr

Blau-weiss herrscht

«Top Pisten!» – «Herzlichen Dank!» – «Danke, Frau Holle!» – «Jaaa hoffentlich ganz viel Schnee!» – «Merci viel mal für eui Büez!» – «Das isch ifach dr Hammer! … Sibäsiechä!» Diese kleine Auswahl aus den Social-Media-Kommentaren der letzten Tage zeigt, wie sehr die weisse Adelbodner Pracht die Gemüter bewegt. Gerühmt werden hier einerseits die fleissigen Heinzelmännchen, die trotz widriger Verhältnisse Ende 2016 gute Pistenverhältnisse schufen. In den Reaktionen zeigt sich aber auch die Erleichterung, dass im neuen Jahr endlich wieder Naturschnee gefallen ist.

Nun dominieren also blauer Himmel und weisse Berge die Szenerie. Die Verteilung dieser beiden Farben kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn Blau oben und Weiss unten sieht nicht nur gut aus, es fungiert auch als Gütesiegel der Region: Wasser und Luft sind ja eigentlich durchsichtig, und nur bei idealen Bedingungen verfärben sie sich genau so. Je luftiger und frischer der Schnee, desto weisser wirkt er. Je sauberer und klarer der Himmel, desto blauer leuchtet er. Umgekehrt können verdichtete, vereiste Pisten schon fast blau erscheinen, und der dunstige Himmel trübt sich schnell einmal weisslich ein. Bäh. Dann doch lieber umgekehrt.

Für all diese Phänomene verantwortlich sind übrigens Reflexion und Streuung des Lichts. Aber ich will keinen der Schneehungrigen länger mit Physik langweilen. Worauf ich hinaus will: Blau oben und Weiss unten ist nicht selbstverständlich. Danke, Frau Holle, machst Du die Ausnahme endlich zur Regel.