Immer über den Pass

Heute Dienstag komme ich nicht aufs Hahnenmoos. Der Sturm lähmt die Bahn. Die Webcam zeigt grau. Gut, ich könnte jetzt auch zu Fuss durch den Neuschnee hoch stapfen. Da wäre ich nicht der erste, wie die Geschichte zeigt. Zur Erinnerung einige gute und weniger gute Gründe, die Passhöhe aus eigener Kraft zu erreichen:

  • Flucht: Vor knapp 500 Jahren schloss sich Adelboden der Reformation an. Der katholische Dorfpfarrer musste übers Hahnenmoos nach Freiburg flüchten. Hoffentlich nicht bei Tiefschnee.
  • Durst: Vor 300 Jahren brachten Säumer Wein von der Romandie hinüber ins Engstligtal. Anscheinend war der Spiezer Rebensaft manchen doch zu sauer.
  • Verteidigung: Vor 150 Jahren trafen sich Adelbodner und Lenker öfters auf der Passhöhe. Anders als beim heutigen Tarifverbund ging es damals aber wohl weniger darum, möglichst viele, sondern möglichst wenige hinüber zu lassen 😉
  • Training: Sportler wie Chrigel Maurer verzichten gerne auf die Bahn. Denn für die Vorbereitung der X-Alps stapft der Flieger momentan freiwillig durch den Tiefschnee aufwärts.

Ich persönlich mag mich gerade mit keinem dieser Gründe anfreunden. Zu faul. Zu untrainiert. Zu friedlich. Zu satt. Zum Glück fahren andere Bahnen.

Zum Znüni, Zmittag, Znacht u derna – Wy passt ging!

“Wein muss Spass machen und darum sind wir heute Abend hier”. Mit diesen Worten begrüsste uns Weinakademiker Thomas Hari zu einem seiner beliebten und sehr gut besuchten Seminaren. An diesem eiskalten Freitagabend mischten wir vom Vogellisi Blog uns unter eine Gruppe (mehr oder weniger) angehende Weinkenner und versuchten der Faszination “Genuss dank Wissen” auf den Grund zu gehen.

Yvorne weiss Clos du Rocher, Chablais AOC, Vevey

“so schmeckt die Schweiz”

“leicht, nicht mollig”

“perfekt zu Fondue und Racelette”

Sancerre AOC, Verdigny Loire, Frankreich

“Passionsfrucht”

“mittlerer Körper”

Chardonnay de Peissy, Genève AOC,Peissy Genf

“Eichenfass”

Muscat Les Laudes, Valais AOC, Riddes

“Litschi”

“zumnä Cheesplätti u Nüss”

“halbtrocken”

Nebst den Ausführungen, welche Thom zu den jeweiligen Weinen, zum Weinanbau und der Produktion gab, wollte er auch immer wieder wissen, weshalb die Teilnehmenden da waren. Unsere Truppe war bunt gemischt – Mann und Frau, jung und alt, Einheimische und Gäste. Einige erhofften sich Vokabular aus dem Fachjargon, Tipps beim Einkauf oder wie ich: spannende Anekdoten zur Person hinter dem Seminar.

Santenay, 1ere Cru, Clos Rousseau, Santenay Burgund, Frankreich

“dezente Menge Gerbstoffe auf der Zunge”

“streng”

“Himpeni”

Pinot noir, Vendémiaire, Valais AOC, Sion, Wallis

“frühreife Rebsorte”

“kein Senkrechtstarter”

“zu Stock und Braten”

Amüsant war, dass Thom Hari die Weinanbaugebiete immer wieder mit Adelbodner Fluren assoziierte. So verglich er das Burgund und seine reinen Weinsorten mit der Noromatte im Dorf und immer mal wieder musste ein “Medli” oder “Wiidli” zur Visualisierung  hinhalten.

Cabarnet Sauvignon, Marseillette Pays d’Oc, Frankreich

“rauchig”

“sortentypisch”

“etwas Vanille”

Merlot Ticino DOC, Vallombrosa, Lamone Sottoceneri, Tessin

“Holz”

“nicht viel Fleisch am Knochen”

“braucht Zeit”

Barolo DOCG, Audance, Neviglie Piemont, Italien

“Erdbeer mit Pfeffer”

“schwerer Körper”

“wie Whiskey”

Der Weg zum Weinakademiker, welcher Thomas Hari sowohl in der Schweiz als auch im Südtirol, Österreich und Deutschland ging, dauerte fünf Jahre. Die Ausbildung an der Weinakademie Österreich gilt als wichtigste und bekannteste Qualifikation für Weinexperten. Die Durchfallquote von ca. 70% spricht für ihn und sein Können. Zurück in Adelboden ist es ihm ein Anliegen Berührungsängste und Hemmschwellen gegenüber dem Wein zu überwinden und seine Passion weiter gegeben. Denn Wein sollte vor allem Eines: Spass machen”.

Seine Seminare, auch zu Whiskey und Rum scheinen den Nerv der Zeit und ein Bedürfnis der Adelbodner zu treffen – sie sind fast immer ausgebucht. Hari wunderts wenig, denn mehr Wissen erhöhe auch den Genuss und irgendein Hobby müsse man ja haben.

Rossobastardo IGT, Assemblage Sangiovese, Merlot, Cabernet, Umbrien, Italien

“modern”

“nicht ganz trocken”

“zu Tomaten”

Johannisberg Valais AOC, Sion, Wallis

“leicht und süffig”

“mega süss”

“saftig und nicht mollig”

Die Weinseminare legen jeweils gewisse Schwerpunkte wie Anbauregionen, Basiswissen und Grundlagen und sind für Anfänger, wie auch Weinkenner zugleich geeignet. Und von schweren, erdigen Weinen zu leichten und sehr süssen Tropfen, welche ehere dem weiblichen Geschlecht munden, kann jeder die für sich passende Quintessenz daraus ziehen und für alle hat Thom stets den richtigen Tipp. Heute Abend legt er uns ans Herz, bei den roten Weinen doch jeweils schlankere zu bevorzugen, denn “mä cha de o chli meh trinkä”.

Gerade richtig gabs für alle, welchen der Wein rote Bäckchen bescherte – passend – “Ches u Brot”.  Und bei der Frage, wie man denn im Geschäfts nun den wirklich passenden Wein zum Essen aussuche, meinte Thom: “Entweder kaufst du bei mir ein oder du kannst 30 30 anrufen”.  “033 673 30 30” als Adelbodens neue Weinhotline?

Nach so vielen Gerüchen und Geschmäcker stauten wir ob der Passion und dem grossen Wissen Haris und können, das Weinseminar jedem ans Herz legen, denn wie könnte man einen Freitagabend besser verbringen und sowieso: “ob zum Znüni, Zimttag, Znacht u derna – Wy passt ging”! 

Wieder ein Bully auf der Piste?

Über 22000 Aufrufe hat das «Youtube»-Video «Adelboden Second» bereits. Der Zürcher Stammgast Jürg Hostettler drehte es im Stil der verschiedenen Länderbeiträge, die Donald Trumps «America First»-Slogan auf satirische Weise weiterführen. Hostettler zieht in seinem Winterwerk verschiedene augenzwinkernde Vergleiche zur aktuellen US-Politik. So trage Adelboden einen Adler in seiner Flagge – der Greif ist aber auch Wappenvogel der Vereinigten Staaten. Zudem kreise die Schweizer Luftwaffe öfters über der Region. Das eigne sich gut für Eskorten der «Air Force One» – allerdings nur während der Bürozeiten usw.

Der Hobby-Regisseur erklärt in einem Interview der «Jungfrau Zeitung», er habe «ein lustiges Video» schaffen wollen, das «aber auch die Schönheit des Skigebiets zeigt». Nicht alle User finden das indes so lustig. Eine der 20000 ZuschauerInnen kommentiert, sie sei «schockiert, welche Dekadenz in diesem Video zutage kommt». Das knapp dreiminütige Filmchen sei «beschämend und destruktiv». Ich sehe das anders. Von mir aus hätte Hostettler ruhig noch eine Schippe drauflegen können.

Man erinnere sich: Selbst Suzi LeVine, Amerikas langjährige Botschafterin in der Schweiz, fuhr gerne und wiederholt in Adelboden Ski. Sie hat dort sogar einmal einen Pistenbully mit Namen «Snow Force One» getauft. Nach Trumps Wahl ist sie nun aber Ende Januar als Diplomatin zurückgetreten und kritisiert Trumps Einreisepolitik seither offen. In diesem Sinne gefallen mir die politischen Passagen im «Adelboden Second»-Video am besten: Etwa der Kommentar zur Skilift-Schlange: «Wir wissen, wie man Menschen integriert.» Oder der träfe Satz zum Tarifverbund, der ebenso gut auch die neue Tourismus-Organisation TALK AG beschreiben könnte: «Wir bauen keine Mauern, aber verbinden Skiregionen.» Diese Botschaft ist alles andere als destruktiv.

Oniborg gut essen im Skigebiet – “Chüjerstube”

„Chüjerstube“ – die „Raviolihütte“ mitten im Skigebiet.

Versteckt neben dem letzten Stück der Traverse Sillerenbühl-Geils, gut sichtbar vom Sessellift Geils-Lavey – da liegt sie, die Chüjerstube, eine Skihütte im wahrsten Sinne des Wortes. Betrieben durch die Gebrüder Martin und Toni Gempeler in der einundzwanzigsten Saison.

Innen ist es eng und doch urchig, bei weilen hektisch und doch heimelig. Ausgestattet mit einer kleinen Küche, einem gemütlichen Kachelofen und zwei separaten Räumen mit je einem Tisch. “Hier sitze man Seite an Seite, ob man sich kennt oder nicht, wodurch schon viele Freundschaften entstanden seien”, erzählt mir Martin Gempeler. Über die Laube gelangt man auf die Sonnenterrasse, auf welcher die prächtige Bergkulisse bestaunt werden kann und für bis zu 100 Gästen Platz bietet .

Wie zu Adelboden das „Vogellisi“ gehört, steht die Chüjerstube für ihre Raviolispezialitäten. Ob Gemüseravioli im Spinatteig oder klassiche Käseravioli, für jeden Geschmackstyp ist etwas dabei. Dazu täglich die „Ravioli des Tages“, auf welche ein Schild hinweist, dass gut vom Sessellift aus sichtbar ist. Aber nicht nur Ravioli sind ihre Spezialitäten, Gempelers betreiben ein eigenes Weingut.  Ihr „Gewürztraminer de Fully“ ist ein leicht süsslicher Weisswein und steht neben vielen weiteren auserwählten Weinen auf der Weinkarte. Als Wärmespender an kalten Tagen wird zudem Punsch mit speziellen Geschmacksrichtungen angeboten. Apfel- Rum- oder Orangenpunsch sucht man vergebens, vorzügliche andere Geschmacksaromen wie Holunder und Pflaumen ersetzen sie. Dazu empfiehlt sich ein selbstgemachter Früchtekuchen mit viel „Nidlä”.

Die „Chüjerstube“ – Eine Skihütte die man unbedingt besuchen muss, ich bis jetzt unterschätzt habe, die eine urchige Atmosphäre verspricht und ob Speis oder Trank ein Highlight ist.

Und somit Oniborg ä guetä Grund zum verbiiguggä.

Ein Thron auf der Piste 3

Ist es wirklich schon zwei Jahre her, dass ich über meine letzten Nachtschlittel-Aktionen berichtet habe? Unglaublich. Und höchste Zeit, nach Posts zu Ski und Snowboard auch noch dem Gefährt mit den zwei Kufen die Ehre zu erweisen. Ich war nämlich wieder zu später Abendstunde auf der Piste unterwegs. Und ich habe dazugelernt:

  • Nein, diesmal habe ich in weiser Voraussicht keinen Skigibel gewählt (vor zwei Jahren im dichten Schneetreiben nachts eine schmerzhafte Angelegenheit …). Sondern einen normalen, schweren, zuverlässigen Schlitten.
  • Nein, ich habe mich weder nur auf den Vollmond noch auf die Pistenbeleuchtung verlassen. Stattdessen sorgte ich mit einer Stirnlampe für meine eigenen Scheinwerfer.
  • Nein, ich liess keine Kollegen an mir vorbeiziehen. Diesmal war ich derjenige, der überholte.
  • Nein, ich wurde kein Opfer mehr von Tiefschnee-Tauchern und klammen Fingern. Gute Kleidung und vorsichtige Fahrweise hielten mich warm und unfallfrei.
  • Und ja, dieser Bericht mag vielleicht weniger abenteuerlich klingen als der vor zwei Jahren. Aber ich bekam dafür mehr Spass und weniger blaue Flecken. Das hätte selbst dem Jungspund eingeleuchtet, der ich damals war. Vor langer Zeit auf Tschenten.