Ein Brett ist Geschichte

Es gibt beim Snowboarden Situationen, da kann einem kein Kantenfehler mehr unterlaufen. Weil da gar keine Kante mehr ist. Es gibt auf der Piste Momente, da können selbst grobe Kiesel keine Kratzer mehr in den Belag ritzen. Weil da gar kein Belag mehr ist. Und Bodenhaftung ist ja was Schönes, aber zumindest etwas gleiten sollte ein Brett dann trotzdem noch. Bei mir Fehlanzeige.

Es war also wieder einmal Zeit für mich, mein uraltes Snowboard in den Service zu geben (das hätte ich natürlich schon vor dem Saisonstart erledigen sollen, aber item). Im Geschäft traf ich auf einen Mitarbeiter, der wie ich ein Erzfeind der Wegwerfgesellschaft ist. Wir verglichen stolz unsere verstaubten Handys, die explodieren, wenn man mit ihnen ins Internet will. Und der Ski-Experte rühmte eben auch meinen Willen, mit demselben Material über Jahrzehnte auf die Piste zu gehen. Bis er mein Brett in die Hand nahm. Stirnrunzeln.

Unmöglich: Da könne selbst er nichts mehr machen, keinen neuen Belag mehr aufbauen. Es tue ihm sehr leid. Ich war überrumpelt, ratlos, konsterniert. Ich hatte zu lange gewartet. Das Brett war klinisch tot. Zum Trost und zum Glück bot mir der Service-Mann dafür dann ein ordentliches Occasion-Board an. Ich griff nach kurzem Zögern dankbar zu. Bei diesem gebrauchten Gerät würde mich der erste Kratzer im Belag deutlich weniger schmerzen als bei einem neuen. Weil es nicht der erste wäre.

Oniborg gut essen im Skigebiet – “Hull’s Saagi Bar”

«Wir treffen uns bei Hull». So hört es sich an, wenn Wanderer, Schlittler oder Skifahrer sich treffen wollen. Ein Treffpunkt am Rande und doch mitten im Trubel des Skigebiets. Nahe den Zubringern: Silleren und Chuonisbärgli sowie der Talabfahrt ins Dorf.

«Hulls Saagi Bar». Was und wer verbirgt sich hinter dieser Skihütte? Welche Gründe gibt es, um gerade dort die Skier abzustellen? Um diese und weitere Fragen zu klären, machte sich das Vogellisi oder besser gesagt «Hüenersädel», an einem sonnigen Nachmittag, mitten im «Januarloch», auf den Weg ins Bergläger.

Nach einer wunderbaren Abfahrt vom «Höchst», betrete ich die Terrasse und erblicke auch schon das schmucke Barhäuschen. Nach der Spezialität des Hauses fragend, empfiehlt man mir als Getränk einen «Saagi-Kaffee» nach Eigenmischung und zum Essen eine hausgemachte Suppe.  Ich entscheide mich für den Kaffee und einen «Chäsbrägel» mit Schinken (Suppe hatte ich leider schon zu Mittag). Auf das Mahl wartend, gesellt sich Hull zu mir und erzählt mir vom Betrieb.

Was vor 21 Jahren als Kiosk begann ist heute ein beliebter Ort, um vor der letzten Abfahrt ins Dorf noch etwas zu konsumieren oder nachmittags die Sonne zu geniessen. Ob auf der sonnigen Holz-Terrasse, im beheizten Tipi oder im gemütlich eingerichteten Fondue-Stübli (Reservation ab 6 Personen), Hansueli Lauber «Hull», seinerseits der Besitzer, und seine Crew heissen Jedermann/-frau herzlich willkommen.  Der Betrieb findet vor allem im Winter statt und ist täglich von 11:00 bis mindestens 17:00 Uhr geöffnet.

Für Gäste die das schöne Ambiente noch länger geniessen möchten, steht ein Taxidienst ins Dorf zur Verfügung. Dieser kostet 10 Franken und beinhaltet nebst der Fahrt, ein Shot sowie ein Konsumationsgutschein im «Time-Out».  Im Sommer ist der Barbetrieb eingestellt. Stattdessen unterhält Hull eine kleine Sägerei und versorgt vorbeigehende Wanderer und Biker mit Getränken aus einem Kühlschrank.

Mittlerweile steht mein Festmahl bereits auf der Theke. «Mit Liebe gemacht», würde man sagen. Ein «Chäsbrägel» nach Hausmannskost mit allem Drum und Dran. Ein Kaffee mit Rahm, Schnaps und wahrscheinlich weiteren, jedoch geheimen Zutaten. Beides sehr lecker. Ich setze mich hin, geniesse die Sonne und das Treiben in der Umgebung. Zunehmend füllt sich die Terrasse und ebenso mein Magen. Ich bedanke mich herzlich und mache mich auf den Heimweg.

Ob «Apres-Ski», Fondue mit Freunden oder einfach ein Aufenthalt auf der Sonnen-Terrasse «Hull’s Saagi Bar», Oniborg ä guetä Grund zum verbiiguggä.

Adler – nicht nur König der Lüfte

Der Adler.

König der Lüfte.

König der Alpen.

Wappentier des Lohnerdorfs.

Namensgeber für ein beliebtes Hotel und Restaurant.

Ein weiteres Mal hat der Vogellisiblog das Brunchangebot Adelbodens getestet und ist dazu an einem winterlichen Sonntagmorgen im Hotel Adler eingekehrt.

 

An diesem Sonntagmorgen ist es im Hotel Adler relativ ruhig – entweder liegt es daran, dass wir früh dran sind oder dass alle Hotelgäste bereits die Skipiste unsicher machen. Wie dem auch sei, wir bestellen unsere Getränke und erkunden das reichhaltige Buffet. Wo fange ich an? Salzig oder süss?

Nutella oder Confi?

Joghurt oder Müsli?

Rösti oder Fruchtsalat?

Greyezer oder Camembert?

Spiegelei oder weichgekochtes Ei?

Beginnen wir mit Brot! Brot? Hmm, Gipfeli, Weggli, Butterzopf, Urdinkel, Ruch-, Maisbrot, Vollkorn oder gar glutenfrei?

Hmm, also nochmals von vorne – statt werden wir bestimmt!

Die Auswahl ist sehr umfassend, jeder “Zmorgetyp” findet das Nötige für einen gelungen Start in den Tag, selbst auf Unverträglichkeiten wird eingegangen, was ich für Adelboden sehr bemerkenswert finde! Das Personal ist sehr aufmerksam, das Ambiente gemütlich.

Was zudem sehr erwähnenswert ist, dass grossen Wert auf einheimische und regionale Produkte gelegt wird. Wer also regelmässig im “Schwand” einkauft, erkennt die Lenker Butter, das Bühlbergmutschli, das Urdinkelbrot vom Michel, das Maisbrot vom Schmid und Hauerters Butterzopf.

Der Adler.

König der Lüfte.

König der Alpen.

Wappentier des Lohnerdorfs.

Namensgeber für ein beliebtes Hotel und Restaurant.

und König des Frühstücks!

 

Doppelt wirkt einfach besser

Von wegen Doppelspurigkeiten sollen abgebaut werden. Gerade als Pendler fahre ich gerne zweigleisig. Mit Velo und Bahn. Mit Zeitung und Buch. Mit Banane und Apfel. Mit Gedanken zum Geschäft und zur Familie. Und dann steige ich am Bahnhof Frutigen aus, wo gerade die BLS und Frutigen Tourismus zusammengezogen sind. Zwei Parteien, ein Ort: Auch die mögen es anscheinend gerne doppelt. Gut für mich.

Dass das Bahn-Reisezentrum und der Tourismus-Leistungsträger seit Januar ihre Räumlichkeiten teilen, hat sicher Vorteile. Rette ich mich vor dem Schneesturm an die Wärme, kann ich gleich noch die neusten Angebote studieren. Aus dem Wartesaal entspringt die Winterwelt, egal, welches Personal ich gerade frage. Zudem profitieren Einheimische und Auswärtige gleichermassen von der Neuerung – wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Kritiker mögen jetzt einwenden, der Bahnhof Frutigen fungiere für die meisten doch nur als Durchgangsstation. Na und? Genau das soll das neue Zentrum doch auch sein: Eine Scharnierstelle, die (Fahr-)Gäste orientiert, inspiriert und weiterleitet. Zum Beispiel zum Tropenhaus, zur Hängebrücke Hostalde, zum Sportzentrum oder ins Skigebiet Elsigen-Metsch. Für ein Schwätzchen mit dem jungen Frutigen-Tourismus-Geschäftsführer Christof Kaufmann dürfte die kostbare Zeit hoffentlich trotzdem noch reichen (auf dem Bild rechts zu sehen). Der ist deutsch-schweizerischer Doppelbürger und mag Zweigleisigkeiten deshalb wohl ebenso gerne wie ich …

Der Doktor macht wohl Scherze?

Ich habe selber Mediziner in der Familie. Darum weiss ich dreierlei: Ein Arzt muss erstens verschiedene Rollen beherrschen. Weil die Klienten eben auch verschieden auf ihn reagieren. Ich weiss zweitens, dass das Berner Oberland manchmal leider viele Patienten liefert. Waldarbeiter. Gleitschirmflieger. Motorradliebhaber. Skifahrer. Hier ist Effizienz und Erfahrung bei der Behandlung gefragt. Drittens macht sich Humor trotz Krankheit gut. Es gibt in der Schweiz sogar einen Verein zur Förderung von Gesundheitsclowns (kein Witz!).

Nun will ich dem Spital Frutigen diesbezüglich nicht seine Kompetenzen absprechen. Aber es gibt einen Arzt, der diese drei Anforderungen perfekt erfüllt: der Komiker Fabian Unteregger. Der studierte Mediziner ist mit seiner One-Man-Show gerade mit dem Programm «Doktorspiele» unterwegs. Und macht am 2. Februar auf der Tschentenalp Halt. Dabei schafft er spielend den Spagat zwischen Schnee, Stethoskop und Mikrofon. Denn schon als Kind fand Unteregger beim Skifahren die Pistenrettung das Grösste. Doch die zweite Leidenschaft galt eben gleichzeitig der Parodie.

Rollenspiele sind zwar nichts Neues im Engstligtal: Man denke nur ans vielschichtige Vogellisi, an die nostalgischen Verkleidungen am «Horäschlittä-Renä» oder an die perfekte Tarnung der Birkhühner. Aber der Zürcher Stand-Up-Comedian legt hier noch einen drauf: 50 Promis von Baschi über Roger Federer bis Christoph Blocher kann der 38-Jährige imitieren. Und nach weit über 500 Soloshows weiss Unteregger, dass die Berner ein gutes Comedy-Publikum sind. Und dass es sich darum lohnt, aus einem Hausberg einen Humorberg zu machen. Fazit: Diese Diagnose lässt sich doch hören.

Tschenten meets Fabian Unteregger: Donnerstag, 2. Februar 2017, 18 Uhr