Abenteuer auf der Portaledge

Lieber Leser, wann war das letzte Mal, dass du etwas zum ersten Mal gemacht hast? Diese Frage stellte ich mir, als ich mich zusammen mit Rägäpöli für eine Übernachtung auf der Portaledge am Gerihorn anmeldete. Übernachten in einer Felswand? Klar! Ein paar Zweifel hatte ich aber schon, das Wort Portaledge war mir zuvor unbekannt und das Gerihorn kannte ich nur vom hören sagen. Zudem liessen meine Kletterkünste zu wünschen übrig. Nach einem Telefonat mit unserem Bergführer Peter Frick (Pete) war ich aber überzeugt, dass ich bei diesem Abenteuer dabei sein musste. Wir machten ein Datum ab und Pete schickte uns eine Liste mit Sachen, die wir mitnehmen mussten. Toilettenartikel, Wanderschuhe, warme Kleidung, Schlafsack und Isoliermatte. Zudem noch Getränke und ein paar Snacks für zwischendurch.

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Wegen schlechter Wetterprognose verschiebten wir die Übernachtung um einen Tag und als wir uns nach dem Mittag in Frutigen trafen war das Wetter perfekt. Gleich zu Beginn zeigte uns Pete das Gerihorn und wir machten einen Materialcheck. Nun ging es los mit der kurvigen Fahrt auf die Alp. Oben angekommen, hatten wir uns bereits besser kennengelernt und begannen unsere Sachen zusammen mit der Kletterausrüstung in einen grösseren Rucksack zu packen. Mit dabei hatten wir noch 2 Portaledges zum Tragen. Schwer beladen machten wir uns auf den Weg zum Fusse der Felswand, was zum Glück nur eine halbe Stunde dauerte. Durch die Kombination der schweren Rucksäcke und der Hitze kamen wir alle verschwitzt oben an.

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Oben konnten wir uns von der Sonne trocknen lassen und die fantastische Aussicht geniessen, unser Bergführer installierte in der Zwischenzeit die Seile für den Aufstieg an der Felswand. Es blieb mir noch ein Rätsel, wie wir dort hinaufklettern werden. Zum Glück gab uns Pete gleich die Antwort auf diese Frage, indem er uns einen kleinen Übungsparcour aufstellte. Zuerst erklärte er uns die Funktionen unserer Kletterausrüstung und führte uns den Aufstieg vor. Mit zwei Steigklemmen war dies gar nicht so schwierig. Eine Steigklemme lässt ein Kletterseil in eine Richtung durch gleiten und blockiert in die andere Richtung.

Nachdem uns Pete die nötigen Tipps & Tricks beibrachte waren wir an der Reihe. Alles merken konnten wir uns nicht,Pete zeigte sich jedoch geduldig bei unseren Fragen und half uns bei Unsicherheiten. Diese kurze Übungsstrecke zu meistern war ja noch relativ einfach, hoch zu unserem Schlafplatz zu kommen wird trotzdem eine Herausforderung. Nun erklärte uns Pete wie man die Portaledge aufstellt und wie sie in der Felswand eingesetzt wird. Bei schlechter Witterung gibt es sogar ein Dach für die Portaledge. Dies würde so aussehen:

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Wir konnten das erste Mal darauf sitzen und ein erstes Gefühl für die Portaledge entwickeln. Bereits am Boden hatte ich ein mulmiges Gefühl beim Gedanke darauf zu schlafen. Die zweite Portaledge wurde von Rägäpöli und mir zusammengesetzt. So schwierig ist es nicht, man kann es sich wie ein Zelt aufstellen vorstellen. Vor dem Aufsteig war es an der Zeit für ein “z’Vieri”. Mit Käse, Brot und Salami waren wir gestärkt für die bevorstehende Aufgabe.

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Nach dieser leckeren Pause machten wir die Portaledges an den Seilen fest. Nun war der Aufstieg an der Reihe. Mein Motto war: “Bloss nicht nach unten schauen!”. Mit jedem Zug fühlte ich mich sicherer und brachte mich dem Ziel näher. Wir stellten uns noch ein bisschen ungeschickt an und schafften den Aufstieg mit Kraft anstatt guter Technik. Die Portaledges zogen wir nun an den Seilen hoch. Dies ging relativ einfach, diese Aktion hatte ich mir schwerer vorgestellt. Dank Pete konnten wir die Portaledge an der Felswand aufstellen.

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Nun konnten wir die Sicht auf den Thunersee geniessen. Atemberaubend!
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Der Abend war noch immer jung und wir hatten noch nichts zu Abendessen gehabt. Mit schwerem Herzen machten wir uns an das Abseilen. Wir wussten, dass dies einen zweiten Aufstieg zur Folge haben würde. Das Abseilen machte Spass und die Sicherheit wurde mit einem Prusik gewährleistet. Dieser wird am Seil angeknotet und klemmt selbstständig, wenn die Bremshand das Seil loslässt. Erst am Boden merkte ich, dass ich weiche Knie hatte. Mein Blick schweifte noch einmal nach oben. Schaffe ich den Aufstieg ein zweites Mal? Werde ich überhaupt ein Auge zu tun in dieser Höhe? Fortsetzung folgt…