Der (Hörndli) Weg ist das Ziel!

Wer bei diesem sonnigen Wetter Adelboden joggend erleben möchte, der sollte sich den Hörndliweg nicht vorenthalten. Der Panoramaweg oberhalb des Dorfkerns schlängelt sich entlang der Tschentenfluh durch den Wald.

Kein Asphalt, kein Verkehr, Ruhe, frische Luft und viel Grün bieten optimale Voraussetzungen zum “Secklä”. Das coupierte Gelände lässt die Beine schön schnell sauer werden, und wenn man denkt, es geht nicht mehr wird man – beim Daubenfels angekommen – mit einem wunderschönen Panorama entlöhnt.

Eine kurze Rast, um die Aussicht auf den Wildstrubel zu geniessen, muss immer sein. Kurz darauf und immer noch ausser Atem gehts weiter und ich bin froh, dass der Vogellisi- Berglauf erst in gut zwei Monaten stattfindet!

 

 

Wasserschloss 2.0 oder: der König der Engstligen!

Die Gewalt des Wassers hat die Schweiz in den letzten Tagen auf Trab gehalten, und dass die braungefärbte Engstlige sich zum wild tobenden Bergbach entwickelte, liess glatt vergessen, dass deren Ausgangspunkt normalerweise durchaus harmonischer und eindrucksvoller ist, denn…

…von Weitem hört man das Rauschen und Donnern der Wassermassen, tosend sucht er seinen Weg ins Tal. Ein Weg, der durch und über die Felswände hinaus führt und derart markant und exponiert ist, dass man ihn vom ganzen Dorf her sieht.

Die Rede ist von den Engstligfällen, die zusammen mit dem Wildstrubel eine Kulisse bilden, die gerne auch als “der schönste Talabschluss der Welt” betitelt wird. Hoch oben, über dem Engstligenbach thront er, der König. Die Fälle stürzen gut 600 Meter in die Tiefe und sind so die zweithöchsten Wasserfälle der Schweiz. Das Naturschauspiel, welches bereits 1948 unter Naturschutz gestellt wurde, ist ein wahrer Kraftort, der wirklich ein Besuch wert ist (die Aussichten auf die nächsten Tage sind ja durchaus sonnig).

Ach übrigens, ganz in der Nähe der Engstligfälle ist auch der sagenumworbene Chälistii versteckt:

“Wiischt wan dr Chälistii ischt? We mu inhi giiht, rächter Hand vam Stuub (Wassefall). Da liit e hushöija Stii, va z’oberischt bis z’underischt gschpaltna. Inischt ischt er ganza gsi. Da hiigen am helige Sunntig d’Lüt uf mu tanzet u g’horet u g’holejet ol vilichter nuch gschpilt u gfluechet. Du fa’jis a blickene u dundere u sigi uf ds mal ganz stockfiischter worden u due gäbi’s en grüseliga, schützliga Chlapf grad z’mitts i Stii u dä ischt varenandere ghit, u vann den ewägg hiigi er dä Chlack!”

 

Das offene Wasserschloss

Also dass in den letzten Tagen viel Wasser geliefert worden ist, wird im Wasserschloss Adelboden wohl gerade niemand bestreiten. Es heisst ja, im Lohnerdorf würden im Mai durchschnittlich 130 mm Regen fallen. Haben Sie im Garten mitgezählt? Ich wette, das Soll ist bereits jetzt schon fast erfüllt.

Jedenfalls impliziert «Wasserschloss» immerhin, dass das wertvolle Nass einige Jahre im Berg gefiltert und bewahrt würde. Das mag ja fürs Mineralwasser gelten. Aber wer das steinrumpelnde, torfig riechende, braune Ungetüm namens Engstlige derzeit betrachtet, stellt fest: Das Schloss hat seine Pforten gerade ganz weit offen. Das zeigt sich auch weiter unten an der Kander deutlich: Bei der Messstation Hondrich ist in den letzten Tagen mehrfach die Spitze von 145 000 Liter pro Sekunde erreicht worden. Dass heisst, damit könnte man jede Sekunde 1000 Badewannen füllen. Ein Mensch könnte sein Leben lang von dieser Wassermenge Leben, selbst wenn er täglich drei Liter tränke. So viel Wasser den Bach runter. Was solls. Ich kaufe mir einen grösseren Regenschirm und freue mich, dass das Schloss so immerhin eine knackige Grünanlage bekommt.