Zwei musikalische Welten

Was für ein Zufall: Nach 16 Jahren findet der Kreismusiktag des Berner Oberländischen Musikverbandes wieder in Adelboden statt. Und ich habe nach 16 Jahren Abstinenz wieder einmal versucht, ein Musikstück ab Noten zu lernen. Das wärs aber auch schon mit den Parallelen zwischen mir und den Musikgesellschaften. Meine kläglichen Versuche lehrten mich nämlich zweierlei: Zum einen fiel mir dabei wieder ein, dass ich schon damals schlecht Noten lesen konnte. Beste Voraussetzungen für den Wiedereinstieg. Zum anderen hätte mir ein einfaches Werk den Zugang zur Welt der Notenschlüssel und -linien erleichtert. Aber nein, ich musste mir ja unbedingt einen berüchtigten Fingerbrecher als Partitur wählen, womit die Frustrationsgrenze innert Sekunden überschritten war.

Item, ich habe mich mittlerweile fast durchs gesamte Stück gequält. Es werden wohl schon über 60 Übungsstunden gewesen sein. Dann kam der Augenblick, als ich das Zwischenergebnis einem Kollegen vorspielen wollte. Das Resultat: Panik, Fehler, Aussetzer, Schweissausbrüche, Hektik, Blackout. Da fiel mir auch wieder ein, dass ich schon damals stets eine leichte Beute des Lampenfiebers gewesen war. Dabei hatte ich jetzt ja nur einen einzigen Zuschauer …
Kein Vergleich zu den Vorträgen am Kreismusiktag vom 28. und 29. Mai: Da spielen 16 Vereine, da lauschen Hunderte in der Curlinghalle, da taxieren kritische Experten die Konzerte, da werden unter anderem Lieder von Klassikern wie Antonín Dvořák oder Händel aufgenommen und locker variiert.

Fazit: Ich verschreibe mir ab sofort leichtere musikalische Kost und überlasse die Bühne den Vereinen. Der Mai soll schliesslich der Wonnemonat sein und kein Krampf nach Noten.

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