Wir wollen keine Wüste

Ich breche heute noch einmal eine Lanze fürs Wasser. Ja, wir hatten genug davon, und ja, ich leide mittlerweile auch unter einer veritablen Sehnenscheidenentzündung vom vielen Schirm-Aufspannen. Aber Adelboden glänzt nun einmal als Wasserschloss des Oberlands. Und ohne Wasser kein Schloss. Das Nass ist der Wegbereiter des Alpsommers, das sollte man sich immer wieder vergegenwärtigen.

Ohne genügend Flüssigkeit gäbe es keine Engstligenfälle, sondern nur eine nackte Felswand. Die Cholerenschlucht wäre ohne die jahrtausendlange Arbeit des Flusses nur die Cholerenebene. Der weltberühmte Aussenpool des Hotels Cambrian müsste per Helikopter gefüllt werden. Dieser könnte dann gleich noch Futter für die Kühe einfliegen, denn Gras wüchse ja nirgends ohne Regen. Schluss mit Käse. Der Brunnen auf dem Dorfplatz versiegte, ebenso die Mineralquelle. Die Sanierung des altehrwürdigen Gruebi-Bads würde ebenfalls sinnlos. Die Hochmoore verödeten zu Hochwüsten, die Bergseen zu Bergschlammgruben. Mit der Zeit lägen auch die Störe im Tropenhaus auf dem Trockenen, ebenso wie die Gäste in den Wellness-Anlagen der Region. Und womit würde mein Tschenten-Bier gebraut? Der blanke Horror.

Stellen wir uns so einen gelungenen Bergsommer vor? Könnten wir den Ausfall all dieser Attraktivitäten verkraften? Eben. Jetzt wo das Quecksilber im Thermometer gleich zentimeterweise nach oben schnellt, sollten wir also froh sein, das der trockene Alptraum ein blosses Hirngespinst bleibt. Das Wasserschloss ist gut gefüllt, nun kann es seine Tore getrost öffnen.

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