Was bitte ist «Toponomastik»?

Auf einem Spaziergang durch Adelboden bin ich über diverse Flurnamen gestolpert. Tja, ein Schwede oder Isländer wundert sich wohl weniger, wenn er etwa dem «Lismiweg» oder dem «Chuebächli» entlang schlendert. Ich aber halte dort sofort Ausschau nach herumliegenden Wollknäueln oder nassen Paarhufern. Und dieses Kopfkino bei speziellen Ortsnamen lässt sich unterwegs nur schwer bremsen: Bekomme ich auf dem «Lohner» meinen Zahltag? Verweist das «Hahnenmoos» auf leckere Pouletflügeli auf Salat? Müsste die «Hubelstrasse» dringend saniert werden? Was fehlt im «Schwand», werde ich in der «Hohliebi» glücklich und hat das «Geils» eine erregende Wirkung?

So viele Fragen. Auf meinem Spaziergang  habe ich mir darum zwei Möglichkeiten ausgerechnet: Entweder ich ignoriere meine Neugierde und tarne mich fortan als Schwede oder Isländer. «Jag förstår inte», würde ich mir dann einfach schulterzuckend sagen («Ich verstehe nichts»). Oder ich beisse in den sauren Apfel und betreibe etwas Ortsnamenforschung. Leider nennt sich diese Wissenschaft auch «Toponomastik». Würg. Das klingt so dermassen abgehoben und kompliziert, dass ich meine Suche am liebsten sofort wieder beenden möchte. Nur so viel: «Schwand» gehört tatsächlich zum Verb «schwinden» und meint Orte, wo der Wald verschwunden, also gerodet worden ist. Aber was das Wort «Geils» anbelangt: Viele unserer Urahnen stammen aus dem Norden und haben ihre Sprache bei der Völkerwanderung auch in der Schweiz verankert. So wissen Schweden oder Isländer, dass «Geils» oder «Gil» einen Geländebruch oder ein enges Tal mit Bach bezeichnet. Das haben die nämlich erfunden, «om jag förstår det rätt» («wenn ich das recht verstehe»).

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