Türchen 12: „Gutes Geläut“

Glocken machen gesellig, das weiss jedes Kind. Mal rufen Kirchenglocken die Adelbodner für Taufen und Hochzeiten zusammen, mal locken Kuhglocken Hunderte zum Alpaufzug Richtung Engstligenalp. Man betätigt die kleine Tischglocke, um an der Rezeption im Hotel nicht alleine zu bleiben, man läutete die grossen Glocken zur Feier von Mike Schmids Olympia-Sieg. Bereits in der Schule wissen die Schüler, dass Pausenglocken ein Zeichen zur Gruppenbildung sind.

Natürlich gibt es in der Schweiz auch einzelne Ausreisser. Geläut kann manches vertreiben statt einladen. So diente das sogenannte Wetterläuten vielerorts dazu, Unwetter abzuhalten. Und im Engadin wollen Schellenurslis Nachfahren den Winter mit Treicheln verjagen.

Adelboden indes gibt sich da ganz anders. Wenn am 12. Dezember das Winterylüte stattfindet, werden die kalte Jahreszeit und der Schnee mit lautstarkem Geläut willkommen geheissen. Hier machen die Treicheln wieder gesellig, und das ist gut so. Wer den lärmigen Umzug jetzt für trivial hält, kann sich übrigens bei Schillers «Lied von der Glocke» eines besseren belehren lassen, heisst es darin doch: «Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine / Versammle sich die liebende Gemeine.» Und wo versammelt sie sich? Zum Beispiel auf dem Adelbodner Dorfplatz.

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