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… und die übernächsten Schritte

Ich habe ja schon im letzten Post vom Wert guter Vorbereitung gesprochen (es ging ums Wandern). Heute bleibe ich beim Thema, spanne den Bogen aber etwas weiter. Denn selbst mit einer halben Tube Sonnencreme im Nacken, einem neuen Rucksack und dem Wanderpass (Vorverkaufsstart 7. Mai) ist die neue Saison noch nicht fertig aufgegleist.

Diese Wochen gehören natürlich den Revisionsteams, welche die Bergbahnen auf Herz und Nieren prüfen. Diese Wochen gehören auch den Sennen, welche die kommende Alpzeit planen (die Bärgrächnig findet am 1. Juni) statt. Das ist alles recht weitsichtig und lobenswert. Richtig raffiniert wirds aber erst, wenn die letzten Zeichen des letzten Winters genutzt werden, um bereits den nächsten vorzubereiten.

Zu den Weitsichten gehört Dario Cologna, der diese Woche auf der Engstligenalp Langlauf trainiert. Dazu gehört Reto Däpps Team, das auf der Tschentenalp 24’000 Kubikmeter Schnee für herbstliche Pisten eingelagert hat. Diese Beispiele von Frühlings-Langlauf und Snowfarming zeigen, dass es Zukunft haben kann, etwas zu bewahren. Es zeigt, dass der Winter den Sommer überdauern kann, gespeichert in Muskeln, zugedeckt unter Matten. Das wird übrigens ja auch jeder einsehen, der in der Hitze an einem kühlen Glacé schleckt.

Anzeichen für den Saisonstart

Woran erkennt man, dass in Adelboden die Saison wieder gestartet hat? Nun es gibt verschiedene Anzeichen dafür.

Schnee liegt.

Soziale Medien werden überhäuft mit Skibildern.

Die Gondeln bewegen sich.

Skiständer vor den Bars und Geschäften.

Skis und Snowboards sind an die Skiständer vor den Bars und Geschäften angelehnt (je nach Tageszeit).

Mehr Leute unterwegs zu Tag- und Nachtzeiten.

Volle Parkplätze.

Stau! Von Frutigen bis Reichenbach ein Auto nach dem andern. Von der Gegenfahrbahn her gesehen ein prächtiges Lichterspektakel.

In diesem Sinne wünsche ich allen Tagesbesuchern für die Saison: Viel Geduld und natürlich eine tolle Saison auf den Brettern!

 

 

 

 


 

 

 

Hören Sie auf die Zapfen!

Minus 1, minus 4, minus 6 – wenn ich die Adelbodner Wetterprognose der nächsten Tage betrachte, weiss ich: Nun ist wieder die Zeit der Eiszapfen gekommen. Diese transparenten Schönheiten verzieren nicht nur Felswände und Dachrinnen, sondern geben auch wertvolle Hinweise für unseren Arbeitsalltag. Das mag jetzt ein wenig gesucht klingen, doch es stimmt: Gerade wer in seinem Job momentan schwierige Projekte wälzt, kann sich die kühlen Gesellen zum Vorbild nehmen:

Erstens besteht jeder Eiszapfen zu Beginn aus einem einzigen Tropfen. Es braucht also nur einen winzigen Anhaltspunkt, der auskristallisiert. Einmal festgesetzt, kann der Mini-Zapfen weiter wachsen. Übersetzt in die Arbeitssprache hiesse das: Das grosse Ziel im Auge behalten ist gut, doch es sind viele kleine Schritte, die dorthin führen. Dass junge Eiszapfen oft noch eine unattraktive Kegelform und viele Blasen aufweisen, sollte uns dabei nicht stören. Kinderkrankheiten sind unvermeidlich im Wachstumsprozess.

Zweitens benötigen Eiszapfen sowohl Schmelzwasser wie auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, um zu gedeihen. Es braucht also das kreative Spiel der Extreme, um grosse Resultate zu erzielen. Wer nur eine Seite berücksichtigt, riskiert Stillstand (kein neues Schmelzwasser) oder macht Rückschritte (Eis schmilzt wieder weg).

Drittens wachsen Eizapfen in der Länge zehnmal schneller als in der Breite. Es ist also ratsam, einem Projekt viel Raum zu lassen – aber man muss auch wissen, in welcher Richtung. Wer Kapazitäten schafft, wo sie nicht gebraucht werden, verschwendet seine Ressourcen.

Viertens hängt bei einem Eiszapfen ganz unten das, womit alles angefangen hat: ein einzelner Wassertropfen. Man sollte somit nicht nur stets den Ausgangspunkt im Auge behalten, sondern auch dessen mögliche Konsequenzen: Wird das Projekt zu schwerfällig, bricht der gesamte Eiszapfen ab.

Fünftens ist jeder Eiszapfen zum Schmelzen verurteilt. Es gilt, nach Beendigung des Werks loslassen zu können. Und genau das mache ich jetzt.

Phönix aus dem Schnee

Ich habe in diesem Blog weiss Gott schon einige Winter-Revivals beschrieben: Die Rückkehr des Snowboards, des Skigibels, des Holzskis, des Müssiggangs im Schnee usw. Vielleicht hat die schiere Masse dieser Appelle gefruchtet. Was weiss ich. Jedenfalls scheint 2017 auch ausserhalb meiner Post-Reichweite die Saison der grossen Comebacks zu sein:

So kehrt im Skigebiet Elsigen-Metsch der unbequeme und daher vom Aussterben bedrohte Skibügel in neuer Form zurück: Dank breiter, bequemer Sitzflächen könnte sich dieses Transportmittel wieder im Alpenraum ausbreiten. Einfach ohne blaue Flecken.

Auch Olympia-Sieger Mike Schmid verkündete rund zwei Jahre nach seinem Rücktritt sein Comeback im Skicross-Geschäft – allerdings nicht als Fahrer, sondern als Swiss-Ski-Trainer. «Nun kann ich wieder das machen, was ich als Sportler am besten konnte», beschreibt der gebürtige Frutiger seinen Einstand im Magazin «SnowActive». Wie heisst das Sprichwort: Skier, bleib bei deinen Latten? Einfach ohne blaue Flecken.

Ach ja, und dann feiert demnächst sogar der Schnee selbst sein Revival. Auf der Tschentenalp sollen nächstes Jahr dank Snowfarming zwei Trainingspisten eingerichtet werden – mit eingelagertem Schnee vom Vorwinter. Da können wir nur hoffen, dass der Schnee-Jahrgang 2017 ein guter sein wird. Denn der wird in einem Jahr aus dem Tschenten-Keller bzw. -Hügel zur Verkostung geholt. Hoffentlich mehr als weisse Flecken.

Wieder ein Bully auf der Piste?

Über 22000 Aufrufe hat das «Youtube»-Video «Adelboden Second» bereits. Der Zürcher Stammgast Jürg Hostettler drehte es im Stil der verschiedenen Länderbeiträge, die Donald Trumps «America First»-Slogan auf satirische Weise weiterführen. Hostettler zieht in seinem Winterwerk verschiedene augenzwinkernde Vergleiche zur aktuellen US-Politik. So trage Adelboden einen Adler in seiner Flagge – der Greif ist aber auch Wappenvogel der Vereinigten Staaten. Zudem kreise die Schweizer Luftwaffe öfters über der Region. Das eigne sich gut für Eskorten der «Air Force One» – allerdings nur während der Bürozeiten usw.

Der Hobby-Regisseur erklärt in einem Interview der «Jungfrau Zeitung», er habe «ein lustiges Video» schaffen wollen, das «aber auch die Schönheit des Skigebiets zeigt». Nicht alle User finden das indes so lustig. Eine der 20000 ZuschauerInnen kommentiert, sie sei «schockiert, welche Dekadenz in diesem Video zutage kommt». Das knapp dreiminütige Filmchen sei «beschämend und destruktiv». Ich sehe das anders. Von mir aus hätte Hostettler ruhig noch eine Schippe drauflegen können.

Man erinnere sich: Selbst Suzi LeVine, Amerikas langjährige Botschafterin in der Schweiz, fuhr gerne und wiederholt in Adelboden Ski. Sie hat dort sogar einmal einen Pistenbully mit Namen «Snow Force One» getauft. Nach Trumps Wahl ist sie nun aber Ende Januar als Diplomatin zurückgetreten und kritisiert Trumps Einreisepolitik seither offen. In diesem Sinne gefallen mir die politischen Passagen im «Adelboden Second»-Video am besten: Etwa der Kommentar zur Skilift-Schlange: «Wir wissen, wie man Menschen integriert.» Oder der träfe Satz zum Tarifverbund, der ebenso gut auch die neue Tourismus-Organisation TALK AG beschreiben könnte: «Wir bauen keine Mauern, aber verbinden Skiregionen.» Diese Botschaft ist alles andere als destruktiv.