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Hoch lebe Emys orbicularis!

Heute ist der internationale Tag der Schildkröte. Und was hat das mit Adelboden zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist zwar auch im Kanton Bern noch vereinzelt anzutreffen, aber im Engstligtal dürfte sie nicht gerade häufig vorkommen. Eigentlich schade, denn das Lohnerdorf böte ihr eigentlich recht artgerechte Bedingungen:

  • Adelboden setzt auf Tradition. Das gefällt der Schildkröte, die das Land seit mehr als 220 Millionen Jahren bevölkert.
  • Wir nehmen uns Zeit. Das kommt dem gemächlichen Wesen dieses Tiers entgegen.
  • Der Oberländer ehrt das Alter. Trifft sich gut: Manche Schildkröten werden weit über 100 Jahre alt.
  • Adelboden ist ein Wasserschloss. Das lieben Sumpfbewohner sowieso.
  • Die Sumpfschildkröte bevorzugt Fleisch als Nahrung. Welcome: Wir bieten zum Bespiel Steaks vom Hochland-Rind.
  • Und schliesslich hat die Paarungszeit der Panzerträger im Mai Hochsaison. Und wo liessen sich Frühlingsgefühle besser ausleben als vor imposanter Bergkulisse?

Die Quintessenz zum Tag der Schildkröte: Panzerträger, absolviert ein Höhentraining, hier wäre euer Paradies!

Warum die Bösen Schlange stehen

Nach vier Eidgenössischen Kränzen und dem Schwingerkönigstitel hat sich Matthias Glarner nun ja noch einen Sponsoring-Vertrag mit der Mineralquellen Adelboden AG geholt. Da fiel mir sofort wieder Christian Stucki ein, der im Juni erst für die Eröffnung der Globi-Bahn auf die Engstligenalp Pate stand. Es scheint, als würde das Lohnerdorf die Bösen geradezu magisch anziehen. Aber wieso?

Am Schwingercharakter an sich kann das nicht liegen, der ist bei Stucki und Glarner recht unterschiedlich. Der eine hat spektakulär verloren, als er seinen Gegner küsste. Der andere hat unspektakulär gewonnen, als er in Estavayer nüchtern triumphierte. Der eine ist lustiger Botschafter für einen blauen Spassvogel, der andere steht stolz für ein klares Getränk.

Das Produkt, wofür die Schwinger werben, kann eigentlich auch nicht die einzige Erklärung für die Wahl der beiden sein. Schliesslich wohnt Glarner an der Blümlisalpstrasse in Heimberg. Daneben arbeitet er als Personalbetreuer bei den Bergbahnen Meiringen Hasliberg. Das alles hätte eher für die Engstligenalpbahnen gesprochen als fürs Mineralwasser. Globi-Götti Christian Stucki wiederum gehört zum Seeländischen Schwingerverband und könnte in seinem Beruf als Lastwagenchauffeur gut auch Adelbodner Wasser transportieren. Und doch hat er den Berg und nicht den Talboden auserkoren.

Warum die Bösen also das Lohnerdorf lieben? Was weiss ich. Vielleicht liegt die Lösung ja in den vielen Holzbetrieben, wo Sägemehl en Masse produziert wird. Vielleicht liegt es an den vielen Quellen, wo man sich dieses Sägemehl nach dem Kampf wieder abwaschen kann. Und vielleicht können Glarner und Stucki einander hier auch einfach einmal auf die Schulter klopfen, ohne vorher in den Ring zu steigen.

Wir wollen keine Wüste

Ich breche heute noch einmal eine Lanze fürs Wasser. Ja, wir hatten genug davon, und ja, ich leide mittlerweile auch unter einer veritablen Sehnenscheidenentzündung vom vielen Schirm-Aufspannen. Aber Adelboden glänzt nun einmal als Wasserschloss des Oberlands. Und ohne Wasser kein Schloss. Das Nass ist der Wegbereiter des Alpsommers, das sollte man sich immer wieder vergegenwärtigen.

Ohne genügend Flüssigkeit gäbe es keine Engstligenfälle, sondern nur eine nackte Felswand. Die Cholerenschlucht wäre ohne die jahrtausendlange Arbeit des Flusses nur die Cholerenebene. Der weltberühmte Aussenpool des Hotels Cambrian müsste per Helikopter gefüllt werden. Dieser könnte dann gleich noch Futter für die Kühe einfliegen, denn Gras wüchse ja nirgends ohne Regen. Schluss mit Käse. Der Brunnen auf dem Dorfplatz versiegte, ebenso die Mineralquelle. Die Sanierung des altehrwürdigen Gruebi-Bads würde ebenfalls sinnlos. Die Hochmoore verödeten zu Hochwüsten, die Bergseen zu Bergschlammgruben. Mit der Zeit lägen auch die Störe im Tropenhaus auf dem Trockenen, ebenso wie die Gäste in den Wellness-Anlagen der Region. Und womit würde mein Tschenten-Bier gebraut? Der blanke Horror.

Stellen wir uns so einen gelungenen Bergsommer vor? Könnten wir den Ausfall all dieser Attraktivitäten verkraften? Eben. Jetzt wo das Quecksilber im Thermometer gleich zentimeterweise nach oben schnellt, sollten wir also froh sein, das der trockene Alptraum ein blosses Hirngespinst bleibt. Das Wasserschloss ist gut gefüllt, nun kann es seine Tore getrost öffnen.

Knochenarbeit im Schwandfeldspitz

Stellen Sie sich vor, sie tragen einen Rucksack mit 30 Kilo Calcium zum Schwandfeldspitz. Ganz schön anstrengend, oder? Einfach wegschütten würde ich die ganze Ladung aber nicht. Denn dies ist in etwa die Menge des Mineralstoffs, die Ihr Skelett während des gesamten Lebens benötigt. Ihr Körper enthält in diesem Augenblick ein ganzes Kilo Calcium – kein Mineralstoff ist in unserem Leib so stark vertreten. Und das ist auch gut so. Es verleiht vor allem Knochen und Zähnen Stabilität.

Sie brauchen also die 30 Kilo Calcium in Ihrem Rucksack dringend. Bereits durch das Tragen des Gepäcks zum Schwandfeldspitz hat Ihr Körper aber von diesem Mineralstoff verloren. Alleine der Darm scheidet während Ihres gesamten Lebens etwa 20 Kilo davon aus. Das ist schlecht. Calciummangel macht nämlich nicht nur Knochen brüchig, sondern kann auch das Nervensystem überreizen, was zu Krämpfen in der Skelettmuskulatur führt. Das will niemand.

Sie stehen also im Schwandfeldspitz und sollten Ihren Stoffwechsel-Haushalt wieder in Ordnung bringen. Aber wissen Sie was? Ausnahmsweise dürfen Sie den Rucksack hier ablegen. Denn im Gebiet des Schwandfeldspitzes liegt der Ursprungsort des Adelbodner Mineralwassers. 1 Liter davon enthält über ein halbes Gramm Calcium. Das ist Schweizer Rekord. Und ersetzt die Mühen der Wanderung. Na dann Prosit!

Das offene Wasserschloss

Also dass in den letzten Tagen viel Wasser geliefert worden ist, wird im Wasserschloss Adelboden wohl gerade niemand bestreiten. Es heisst ja, im Lohnerdorf würden im Mai durchschnittlich 130 mm Regen fallen. Haben Sie im Garten mitgezählt? Ich wette, das Soll ist bereits jetzt schon fast erfüllt.

Jedenfalls impliziert «Wasserschloss» immerhin, dass das wertvolle Nass einige Jahre im Berg gefiltert und bewahrt würde. Das mag ja fürs Mineralwasser gelten. Aber wer das steinrumpelnde, torfig riechende, braune Ungetüm namens Engstlige derzeit betrachtet, stellt fest: Das Schloss hat seine Pforten gerade ganz weit offen. Das zeigt sich auch weiter unten an der Kander deutlich: Bei der Messstation Hondrich ist in den letzten Tagen mehrfach die Spitze von 145 000 Liter pro Sekunde erreicht worden. Dass heisst, damit könnte man jede Sekunde 1000 Badewannen füllen. Ein Mensch könnte sein Leben lang von dieser Wassermenge Leben, selbst wenn er täglich drei Liter tränke. So viel Wasser den Bach runter. Was solls. Ich kaufe mir einen grösseren Regenschirm und freue mich, dass das Schloss so immerhin eine knackige Grünanlage bekommt.