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Die Stimmung steigt

Ich singe gern beim Wandern. Wenn der Weg weit ist, gibt er auch der Musik viel Raum. Zudem wandere ich gern alleine – falsche Töne bleiben also meist ungehört. Gut, beim Aeugi-Lowa-Weg vom Hahnenmoospass zur Engstligenalp musste ich öfters leer schlucken, und das Singen ging wohl eher Richtung Stossgebet. Ja, ich gebe es zu: Sobald der Wanderweg blau-weiss und allzu ausgesetzt wird, könnte sich ab zu und zu eben ein Zittern in meine Stimme schleichen.

Aber das ist noch gar nichts. Denn das Ganze lässt sich ja beliebig steigern: Man kann in Adelboden schliesslich klettern statt wandern, man kann in grosser Gruppe klettern statt alleine, man kann in grosser Gruppe im Dunkeln klettern statt am Tag, und man kann sogar in grosser Gruppe im Dunkeln zu lauter Musik klettern statt zu singen. Die letzte Variante dürfte einigen schon bekannt sein: Sie findet am 22. August auf Silleren statt und heisst Höi-Turm-Party. Im Dunkeln in grosser Gruppe zu lauter Musik klettern – wenn hier einer der männlichen Gäste leer schluckt, liegt es aber vielleicht eher an DJ Tanja la Croix. Die lief früher schliesslich als Model auf internationalen Laufstegen. Wohl ohne zu zittern.

Feuer und Wasser

Ich habe am 1. August Geburtstag. Klar meinte ich als Kind, all die Feuer, Raketen und Vulkane des Nationalfeiertags würden einzig zu meinen Ehren angezündet. Mittlerweile ist zwar etwas Ernüchterung eingekehrt, die Faszination von Flammen und kleinen Knallern hält aber ungebremst an. Ich kann zwar die Nationalhymne nicht auswendig, bin aber ziemlich sicher, dass das «Sternenmeer» und das «Abendglühn» in den ersten beiden Strophen auch von Bengalos oder Böllern am Nachthimmel stammen könnten. Umso besser, hat das Regierungsstatthalteramt das generelle Feuer- und Feuerwerksverbot im Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental wieder aufgehoben. Dank der starken Regenfälle dürfte die Bundesfeier so auch im Engstligtal nicht nur feucht-fröhlich, sondern auch heiss ausfallen.

Ich will die heftigen Niederschläge der letzten Tage nicht schönreden – haben diese doch gerade in Adelboden einigen Schaden angerichtet. Aus Sicht des Hobby-Pyromanen hingegen hat das Wasser aber halt auch sein Gutes: Paradoxerweise sorgt mehr nasses Wetter auch für mehr trockene Lunten bei den Feierlichkeiten in der Destination, und je mehr vorher runterkommt, desto mehr wird anschliessend wieder raufgeschossen. Feuer und Wasser – les extrêmes se touchent.
Und ich persönlich nehme mir jedes Jahr vor, kein Raketen mehr zu starten und mich einzig an die flüssige Verpflegung zu halten – bis mir jemand ein Feuerzeug in die Hand drückt mit den Worten: «Happy Birthday!»

„Dr Himmel brennt“ – Sonnenaufgang auf dem Bunderspitz!

“Man muss durch die Nacht wandern, wenn man die Morgenröte sehen will” – Khalil Gibran (1883-1931)

Morgenstund hat bekanntlich Gold im Mund. Goldig ist auch der Anblick eines Naturspektakels, das Adelboden immer und immer wieder zu bieten hat: der Sonnenaufgang auf dem Bunderspitz, zwar längts kein Geheimtipp mehr, aber dennoch, immer und immer wieder atemberaubend.

So schwer die Beine morgens um Vier sind, so kalt die Nase vom frischen Morgenwind auch sein mag, die Genugtuung, auf dem Gipfel zu stehen und zu bestaunen, wie sehr der Himmel brennt, entschädigt jegliche Strapazen und die Überwindung aufzustehen.

Darum,weil es so schön ist: bitte immer und immer wieder!

Raclette im Sommer!?

Fast zuhinterst im Tal steht es, das beschauliche Alphüttli. Es duftet nach frischem Gras, warmem Sommerregen, nach Wald. Ruhig, abgeschieden und friedlich erscheint die Kulisse, man hört das Rauschen des Baches und der Bütschifälle. Die letzten Sonnenstrahlen lassen die Felswände glühen. Die perfekte Location also, für einen Sommerabend “am Bärg”. Für einen Freitagabend, der aufs Wochenende einstimmen soll. Für einen Racletteabend.

Nichts könnte besser zu einem solchen Abend passen, als ein Raclette. Dass ich dies jemals selbst behaupten würde, hätte ich wohl vor einer Woche noch nicht unterschrieben, doch ich wurde gänzlich vom Gegenteil überzeugt:

Nach ganz urtümlicher Art wurde das Raclette zubereitet. Der frische Käselaib wurde halbiert und so nahe ans offene Feuer gelegt, dass dieser langsam zu schmelzen begann. Da bei wird er nicht nur geschmolzen, sondern gleichzeitig auch geräuchert und gegrillt.

So entstand der unverwechselbare Geschmack eines “echten” Raclettes, der kaum besser in diese unvergleichbare Kulisse gepasst hätte.

Fazit: So authentisch mir Adelboden an diesem Abend auch vorkam, so sehr stellte ich auch fest, dass das Vogellisi in mir noch nicht ausgelernt hat.

Wenn man beim Joggen kurz zum Gärtner wird…

Eigentlich war ich fest überzeugt, dass ich den Hörndliweg doch nun schon lange genug und eigentlich in- und auswendig kenne, bis ich gestern Abend Folgendes entdeckte: Auf der Holzterrasse eines Stafels (kleine Berghütte) oberhalb des Dorfes stehen rote, grosse Topfpflanzen. Nichts Aussergewöhnliches, oder? Nun, das dachte ich im ersten Moment auch, bis ich zwischen den Blättern und Blüten eine kleine Giesskanne mit folgender Aufschrift entdeckte: „Bitte Blumen giessen“.

Schmunzelnd bin ich diesem Rat gefolgt, habe die Kanne am nebenstehenden Brunnen neu aufgefüllt und gut sichtbar am selben Ort für den nächsten „Gärtner“ wieder platziert.

Wer auch immer auf diese erfrischende Idee gekommen ist, die Blumen werden es ihm oder ihr während den andauernden Hitzetage mit Sicherheit danken.