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Zwiespältige Funken-Freude

Ah, der Winter, wo einen das Cheminée wärmt! Es ist schön, bei Hudelwetter auf einen wärmenden Rückhalt in der guten Stube zählen zu können. Das dachte ich vorletzte Woche, als ich nach dem Skitag die Scheite im Ferienchalet stapelte. Das dachte ich letzte Woche, als ich die neue Wohnung eines Freundes besichtigte – mit Feuerstelle natürlich. Und das dachte ich auch heute, als ich meine Finger in der Jackentasche vergrub. Doch es sind Gedanken mit Vorbehalt.

Denn es braucht auch einen Rückhalt für den Rückhalt. Wenn es für einmal zu heiss wird in der kalten Jahreszeit. Wenn der Funke etwas zu weit überspringt. Diese Rückversicherung nennt sich Feuerwehr. Und die hat viel zu tun diese Tage. Alleine 2017 rückte etwa die Feuerwehr Frutigen 96-mal aus. Und im neuen Jahr sind es bereits wieder 17 Einsätze. Sind wir denn so unvorsichtig am Cheminée?

Natürlich nicht: Die meisten dieser aktuellen Fälle sind weniger feurig. Im Januar mussten die Blaulichtler etwa wegen Sturmschäden ausrücken, wegen Erdrutsche und umgestürzter Bäume. Es gab allerdings auch bereits wieder Kaminbrände und irregeleitete Rauchmelder. In diesem Sinne bin ich zwar vorsichtig, wenn ich die Späne über der zerknüllten Zeitung schichte, aber auch beruhigt. Denn es gibt einen Rückhalt für den Rückhalt, und der hat viel Routine.

«Ein Vorzeigebetrieb»

Am letzten Freitag hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) eine neue Publikation herausgegeben. Sie heisst «Erfolgsmodelle in den Berggebieten und den ländlichen Räumen». Die darin aufgelisteten Projekte «können einen Anstoss bilden für die eine oder andere Idee in einer Gemeinde, einer Region oder einem Kanton», heisst es in der Broschüre. Und weiter: «Die Beispiele sollen aber auch ein klares Signal nach aussen senden: In den Berggebieten gibt es ganz viele gute Ideen, erfolgreiche Unternehmer und  zukunftsträchtige Initiativen.»

Auch das Tropenhaus Frutigen hat es in die Liste der 19 Fallbeispiele geschafft. Es sei «ein Vorzeigebetrieb und Kompetenzzentrum», schreibt die SAB. Das Tropenhaus übernehme eine führende Rolle in der Nutzung erneuerbaren Energien im Alpenraum und verbinde auf beispielhafte weise Landschaft, Ökologie und Ökonomie. Als attraktives Ausflugsziel und Anziehungspunkt im Berner Oberland «trägt es zur besseren Sichtbarkeit der Region bei und zieht neue Touristen an».

Dieser erfreuliche Bericht lässt sich feiern – und das gelingt am besten im Glashaus selbst: Im Juli stehen dafür etwa ein Cocktail-Event oder der 6. Frutigländer Tropenabend auf der Agenda. Ach ja, und an Kaviar sollte es bei dieser Gelegenheit natürlich auch nicht fehlen.

Happy birthday, Transporter!

Früher nannte man den Tourismus ja noch Fremdenverkehr. Heute sind aus Fremden Freunde geworden – Adelboden-Frutigen kann auf seine Stammgäste vertrauen. Was bleibt, ist der Verkehr. Den gibt es nach wie vor, den braucht es nach wie vor, damit Einheimische und Besucher ins Engstligtal gelangen. Und daran wird in diesem Jahr gleich mehrfach erinnert:

  • Bis 1913 war das historische Bahnhofsgebäude in Frutigen in Betrieb. Ab 1. April wird es nun als neues BLS-Besucherzentrum wiedereröffnet.
  • 1917 wurde die Automobilverkehr Frutigen – Adelboden AG gegründet. Auch dieses 100-Jahr-Jubiläum soll 2017 mit diversen Anlässen zelebriert werden.
  • Noch nicht ganz so alt ist der Lötschberg-Basistunnel. Nach 10 Jahren Neat stehen natürlich trotzdem diverse Festivitäten auf dem Programm.

Ich als Pendler und bekennender ÖV-Fan reihe mich gerne in die Schar der Gratulanten. «Freundenverkehr» ist eine Erfolgsgeschichte, weil dahinter eine Symbiose steckt: Touristen kommen (wieder), wenn sie im Transportwesen auf eine solide Infrastruktur zählen können. Und Transporteure haben umgekehrt auch was zu transportieren. Und Gastgeber Gäste.

Doppelt wirkt einfach besser

Von wegen Doppelspurigkeiten sollen abgebaut werden. Gerade als Pendler fahre ich gerne zweigleisig. Mit Velo und Bahn. Mit Zeitung und Buch. Mit Banane und Apfel. Mit Gedanken zum Geschäft und zur Familie. Und dann steige ich am Bahnhof Frutigen aus, wo gerade die BLS und Frutigen Tourismus zusammengezogen sind. Zwei Parteien, ein Ort: Auch die mögen es anscheinend gerne doppelt. Gut für mich.

Dass das Bahn-Reisezentrum und der Tourismus-Leistungsträger seit Januar ihre Räumlichkeiten teilen, hat sicher Vorteile. Rette ich mich vor dem Schneesturm an die Wärme, kann ich gleich noch die neusten Angebote studieren. Aus dem Wartesaal entspringt die Winterwelt, egal, welches Personal ich gerade frage. Zudem profitieren Einheimische und Auswärtige gleichermassen von der Neuerung – wieder zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Kritiker mögen jetzt einwenden, der Bahnhof Frutigen fungiere für die meisten doch nur als Durchgangsstation. Na und? Genau das soll das neue Zentrum doch auch sein: Eine Scharnierstelle, die (Fahr-)Gäste orientiert, inspiriert und weiterleitet. Zum Beispiel zum Tropenhaus, zur Hängebrücke Hostalde, zum Sportzentrum oder ins Skigebiet Elsigen-Metsch. Für ein Schwätzchen mit dem jungen Frutigen-Tourismus-Geschäftsführer Christof Kaufmann dürfte die kostbare Zeit hoffentlich trotzdem noch reichen (auf dem Bild rechts zu sehen). Der ist deutsch-schweizerischer Doppelbürger und mag Zweigleisigkeiten deshalb wohl ebenso gerne wie ich …

Diese Geschichte ist Käse

Warum nur sind die Engstligtaler beim Hobelkäsen so unschlagbar? (An der 16. Olma-Alpkäseprämierung holten sich Heidi und Stephan Sarbach-Aellig aus Adelboden in dieser Kategorie den ersten Rang, der zweite Platz ging an Judith und Hans Wyssen aus Frutigen.)

Die Erklärung ist ganz einfach: Lokaler Hobelkäse wird unter anderem auch vom Frutiger Unternehmen Puralpina vertrieben, das dazu auch gleich Käsehobel anbietet. Die Klingen dafür stammen von der Firma Victorinox, die ja auch das berühmte rote Sackmesser der TV-Serienfigur McGyver herstellt. MacGyver wiederum lernte bei einem Einsatz in einer frühen Episode die Schülerin Lisa Woodman in der Schweiz kennen. Woodmann wird von der Schauspielerin Mayim Bialik verkörpert, auch bekannt aus ihrer Rolle in der Serie «The Big Bang Theory». Da geht es um die Urknall-Theorie, zu der Albert Einstein ja bekanntlich wesentlich beigetragen hat. In seiner Zeit in Bern schrieb Einstein jedoch auch an seiner Dissertation mit dem wohlklingenden Namen «Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen». Und jetzt kommt der springende Punkt: Diese Arbeit wird auch in der Molkereikunde beigezogen, um etwa zu beschreiben, wie sich Kaseinpartikeln bei der Käsezubereitung verhalten. Logisch, hatten die Berner Sennen mit diesem knallharten theoretischen Background schon immer einen Vorsprung zur Konkurrenz.

So. Ich könnte natürlich auch einfach sagen, dass die Engstligtaler Käser ganz viel Erfahrung und Leidenschaft in ihr Milchprodukt gesteckt haben. Dass das der wahre Grund für die Alpkäseprämierung war. Aber die andere Geschichte klingt eigentlich auch ganz plausibel, oder?