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Der Tiefbau hat Hochbetrieb

Zurzeit ist die Dorfstrasse eine einzige Baustelle, und das ist gut so. Zugegeben, der Zugang zu einigen Geschäften ist durch Löcher, Absperrgitter und Kabelsalat erschwert. Auch irritiert mich die kreischende Kreissäge beim Schreiben, und das idyllische Dorfbild mag zurzeit ebenfalls leicht leiden. Aber ich sehe beim Vorbeischlendern halt eher die Vorteile des Tiefbaus: Zum Beispiel präsentiert sich das Dorfzentrum so wieder einmal autofrei. Es ist ein Anlass mehr, wo man unbeschwert in der Strassenmitte spazieren kann. Auch wird sich gerade sicher niemand über fehlende Action beschweren, solange Laster, Krane und Bagger mit tonnenschweren Lasten jonglieren. Da läuft etwas, da bewegt sich etwas, da brummt das Dorf und steht buchstäblich unter Strom. Die Kabel jedenfalls sind gespannt. Die ausgehobenen Gruben wiederum liefern seltene Einblicke in die Geschichte des Lohnerdorfs. Und wer weiss, ob nicht sogar noch ein sensationeller archäologischer Fund dort auf die Bauarbeiter wartet? Das Heimatmuseum und das Dorfarchiv würden sich freuen. Aber auch die an der Strassenoberfläche verwendeten Materialien weisen schliesslich positive Aspekte auf: Steine kommen ins Rollen, und der frische Asphalt macht die Strecke nicht zum harten Pflaster. Ach ja, und fast hätte ich am Ende das wichtigste vergessen: Ohne Strassen verkehrt hier niemand.

Wasserschloss 2.0 oder: der König der Engstligen!

Die Gewalt des Wassers hat die Schweiz in den letzten Tagen auf Trab gehalten, und dass die braungefärbte Engstlige sich zum wild tobenden Bergbach entwickelte, liess glatt vergessen, dass deren Ausgangspunkt normalerweise durchaus harmonischer und eindrucksvoller ist, denn…

…von Weitem hört man das Rauschen und Donnern der Wassermassen, tosend sucht er seinen Weg ins Tal. Ein Weg, der durch und über die Felswände hinaus führt und derart markant und exponiert ist, dass man ihn vom ganzen Dorf her sieht.

Die Rede ist von den Engstligfällen, die zusammen mit dem Wildstrubel eine Kulisse bilden, die gerne auch als “der schönste Talabschluss der Welt” betitelt wird. Hoch oben, über dem Engstligenbach thront er, der König. Die Fälle stürzen gut 600 Meter in die Tiefe und sind so die zweithöchsten Wasserfälle der Schweiz. Das Naturschauspiel, welches bereits 1948 unter Naturschutz gestellt wurde, ist ein wahrer Kraftort, der wirklich ein Besuch wert ist (die Aussichten auf die nächsten Tage sind ja durchaus sonnig).

Ach übrigens, ganz in der Nähe der Engstligfälle ist auch der sagenumworbene Chälistii versteckt:

“Wiischt wan dr Chälistii ischt? We mu inhi giiht, rächter Hand vam Stuub (Wassefall). Da liit e hushöija Stii, va z’oberischt bis z’underischt gschpaltna. Inischt ischt er ganza gsi. Da hiigen am helige Sunntig d’Lüt uf mu tanzet u g’horet u g’holejet ol vilichter nuch gschpilt u gfluechet. Du fa’jis a blickene u dundere u sigi uf ds mal ganz stockfiischter worden u due gäbi’s en grüseliga, schützliga Chlapf grad z’mitts i Stii u dä ischt varenandere ghit, u vann den ewägg hiigi er dä Chlack!”

 

Es tut sich was!

Liebe Blog-Community

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, bin ich (Chälistii) neu hier. Bin also quasi das vierte Vögeli, welches von nun an von Lisis Schultern ein paar Blogs zwitschert, beziehungsweise schreibt.

Obwohl momentan nur Weekend-Adelbodner, möchte ich euch das Vogellisidorf aus einheimischer Vogelperspektive näherbringen und denke, dass gerade jetzt zu Beginn der Nebensaison, das leere Adelboden ein paar Posts mehr vertragen kann. Mit Insider aus dem Bergdorf, werden hoffentlich Sie, liebe BlogleserInnen, gluschtig auf die bevorstehende Sommerzeit in Adelboden.

Apropos Nebensaison:

Wenn die Wiesen langsam grüner werden und der Schnee sich verabschiedet, kehrt Ruhe ein in Adelboden. Hotels, Restaurants und Bergbahnen schliessen dann ihre Pforten, Gäste reisen ab und zurück bleibt eine menschenleere Dorfstrasse. Stille kehrt ein, es herrscht normalerweise Ruhe vor dem Sturm… normalerweise.

Nicht so, aber in diesem Jahr, denn es wird gebaut: am Dorfeingang wurde das alte Gemeindehaus abgerissen und das Hotel Adler gleich nebenan baut um und vergrössert sich. Auch an weiteren Ecken von Adelbodens Flaniermeile wird gewerkelt, geputzt und renoviert, natürlich immer unter Zeitdruck, damit – wenn die Sommersaison in Juni startet – alles wieder in neuem Glanz erstrahlt und der Bergsommer kommen kann.

Bis dahin versorgen wir Sie weiter mit stürmischer Lektüre aus Vogellisis ruhiger Feder.

Schnapsideen

Ich mag Single-Malt-Whiskys. Das soll jetzt kein Fachvortrag über Spirituosen werden, nur eine kleine Anekdote dazu: Ich suchte also einen 25-jährigen «Glenfarclas» in der Stadt Bern. Sherrylastiger und eichentöniger Saft aus der Speyside. In einer winzigen Seitengasse fand ich im zweiten Stock endlich einen Schnapsladen, der mir eine Flasche dieses malzigen Wunders versprach. Ebenerdig sucht man in der Hauptstadt ja sonst vergeblich nach schottischen Bränden. Item, viele Wochen vergingen, und nach mehreren Anrufen wurde mir schliesslich eröffnet, der Glenfarclas sei vergriffen. Enttäuscht bestellte ich das starke Wässerchen halt im Internet.

Später fiel mir in der Adelbodner Dorfstrasse auf, wie viele edle Single-Malts da eigentlich in den Schaufenstern warten. Ich meine, ich rede jetzt nicht von 4-Sterne-Bars und Fachgeschäften, die es hier ja auch gibt. Nein, die «Bruichladdichs» und «Highland Parks» und «Auchentoshans» stehen hier buchstäblich neben dem Dörrfleisch in der Auslage oder bereichern das kleine Pub von nebenan. Sind das die Nachwehen der englischen Touristenflut von anno dazumal? Oder liegt es daran, dass das Berner Oberland auch so eine Art «Highland» ist? «Angus»-Rinder werden hier ja ebenfalls gezüchtet, und Hochprozentiges gehört vielleicht einfach in die höheren Lagen. Ich weiss es nicht. Aber in Sachen Single-Malt ist Adelboden sicher mehr Hauptstadt als Bern.