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Knochenarbeit im Schwandfeldspitz

Stellen Sie sich vor, sie tragen einen Rucksack mit 30 Kilo Calcium zum Schwandfeldspitz. Ganz schön anstrengend, oder? Einfach wegschütten würde ich die ganze Ladung aber nicht. Denn dies ist in etwa die Menge des Mineralstoffs, die Ihr Skelett während des gesamten Lebens benötigt. Ihr Körper enthält in diesem Augenblick ein ganzes Kilo Calcium – kein Mineralstoff ist in unserem Leib so stark vertreten. Und das ist auch gut so. Es verleiht vor allem Knochen und Zähnen Stabilität.

Sie brauchen also die 30 Kilo Calcium in Ihrem Rucksack dringend. Bereits durch das Tragen des Gepäcks zum Schwandfeldspitz hat Ihr Körper aber von diesem Mineralstoff verloren. Alleine der Darm scheidet während Ihres gesamten Lebens etwa 20 Kilo davon aus. Das ist schlecht. Calciummangel macht nämlich nicht nur Knochen brüchig, sondern kann auch das Nervensystem überreizen, was zu Krämpfen in der Skelettmuskulatur führt. Das will niemand.

Sie stehen also im Schwandfeldspitz und sollten Ihren Stoffwechsel-Haushalt wieder in Ordnung bringen. Aber wissen Sie was? Ausnahmsweise dürfen Sie den Rucksack hier ablegen. Denn im Gebiet des Schwandfeldspitzes liegt der Ursprungsort des Adelbodner Mineralwassers. 1 Liter davon enthält über ein halbes Gramm Calcium. Das ist Schweizer Rekord. Und ersetzt die Mühen der Wanderung. Na dann Prosit!

“Die Adelbodner sind leichtsinnig und nicht besonders arbeitsam!“

Heute etwas zum Schmunzeln: Neulich erzählte mir eine Kollegin von einem Kartenspiel, welches sie auf der Arbeit kennengelernt hat.

Einige Karten, mit Facts zu Schweizer Gemeinden. Das Ziel: Die Datierung, sprich die Jahrzahl der Geschehnisse erraten.

Wie es der Zufall will, stand auf ihrer Karte Folgendes:

“Die Berner Baudirektion verweigert den Bau einer Strasse nach Adelboden. Die Adelbodener seien “leichtsinnig und “nicht besonders arbeitsam” “.

Erratest du die Jahrzahl dieser Geschehnisse? Ich habe es nicht geschafft, die Lösung: Achtzehnhundertzweiundfünfzig.

Interessant dabei: Die Adelbodner liessen diese Unterstellung wohl nicht auf sich sitzen, den ab den 1870er- Jahren kam ein neuer Wirtschaftszweig und mit ihm vor allem Arbeit ins Tal: Der Tourismus. Das rasante Wachstum und auch die (noch heute) grosse Bekanntheit sprechen für sich…

 

Heimat in der Ferne

Dass man auf Schweizer Autobahnen öfters mal einem blauen „Adelbodner“- LKW begegnet, am Zürcher HB auf Menschen mit einem Weltcup-Tschäppel trifft, oder an der Scheune eines Emmentaler Bauernhofs eine Adler Adelboden Blache entdeckt, das sind sich die Lohnerdörfler gewohnt. Auch, dass Adelboden dank dem Chuenisbärgli fast weltweit in aller Mund ist, habe ich bereits selber festgestellt. Allerdings überraschend: Adelbodner Mineralwasser mitten in Deutschland. Dies freut das Vogellisi-Herz besonders und lässt es einmal mehr feststellen: die Heimat, fern und doch immer wieder näher, als man denkt.

Das offene Wasserschloss

Also dass in den letzten Tagen viel Wasser geliefert worden ist, wird im Wasserschloss Adelboden wohl gerade niemand bestreiten. Es heisst ja, im Lohnerdorf würden im Mai durchschnittlich 130 mm Regen fallen. Haben Sie im Garten mitgezählt? Ich wette, das Soll ist bereits jetzt schon fast erfüllt.

Jedenfalls impliziert «Wasserschloss» immerhin, dass das wertvolle Nass einige Jahre im Berg gefiltert und bewahrt würde. Das mag ja fürs Mineralwasser gelten. Aber wer das steinrumpelnde, torfig riechende, braune Ungetüm namens Engstlige derzeit betrachtet, stellt fest: Das Schloss hat seine Pforten gerade ganz weit offen. Das zeigt sich auch weiter unten an der Kander deutlich: Bei der Messstation Hondrich ist in den letzten Tagen mehrfach die Spitze von 145 000 Liter pro Sekunde erreicht worden. Dass heisst, damit könnte man jede Sekunde 1000 Badewannen füllen. Ein Mensch könnte sein Leben lang von dieser Wassermenge Leben, selbst wenn er täglich drei Liter tränke. So viel Wasser den Bach runter. Was solls. Ich kaufe mir einen grösseren Regenschirm und freue mich, dass das Schloss so immerhin eine knackige Grünanlage bekommt.