Schattenseite? Ja, gerne!

Je länger ihr Schatten, desto stärker die Person. Manche Völker am Äquator denken so. Und verlassen am Mittag nie das Haus, weil die Sonne dann senkrecht scheint und somit keine Schatten wirft. Alles Aberglaube? Dabei sind wir im Norden nicht besser. Klar, im Moment zieht es bei uns erst einmal alle ans Licht. Wir reden darum auch von der «Schattenseite», raten den anderen, «über ihren Schatten zu springen» und werfen einander vor, dass wir «wohl einen Schatten haben». Klingt genauso abergläubisch, nur gespickt mit Misstrauen gegen die Dunkelheit.

Ich finde, da der Sommer langsam Einzug hält in Adelboden-Frutigen, sollten wir auch ein bisschen mehr denken wie die am Äquator. Mehr Schatten, bitte! In der Mittagspause fläzen wir schliesslich unter der Linde vor dem Haus, weil uns die mit ihrem Laub kühlt. Beim Wanderpanorama sind es die vielen kleinen Schattenstellen, die einer Bergflanke erst richtig Kontur verleihen. Und was haben getönte Brillen und Sonnenhüte für andere Aufgaben, als dem Licht etwas im Weg zu stehen? Was wären Sonnenauf und -untergänge ohne schwarzen Horizont? Auch wenn sie also das nächste Mal in der direkten Sonne braten, denken Sie daran: Je heller es ist, desto schneller wird man dunkel. Zumindest äusserlich.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.